Wegen schwerer Regenfälle und extremer Sichtverhältnisse musste der Große Preis von Australien am 25. Oktober 2026 auf Phillip Island abgesagt werden.
Schlechtes Wetter stoppt das letzte MotoGP-Rennen auf Phillip Island
Das letzte Rennwochenende der Motorrad-Weltmeisterschaft auf dem traditionsreichen Phillip Island Grand Circuit endete am Sonntag ohne die entscheidenden Start-Ziel-Duelle. Nach den bereits zuvor getroffenen Absagen der Moto3- und Moto2-Klassen fiel am Nachmittag auch das mit Spannung erwartete MotoGP-Rennen endgültig aus. Heftige Regenfälle und dunkle Wolken hatten die Sichtverhältnisse rund um die Küstenstrecke massiv verschlechtert.
Der entscheidende Faktor für die Absage war die Sicherheit aus der Luft. Wegen des dichten Nebels und Regens konnte der medizinische Hubschrauber nicht sicher operieren, der im Ernstfall für den schnellen Transport in eine Klinik auf dem Festland benötigt worden wäre. Da das Wetter keine Besserung zeigte, zogen die Verantwortlichen um 15:40 Uhr Ortszeit die Reißleine und strichen den Hauptlauf.
Sicherheitsbedenken und fehlende Helikopter-Sicht als Grund für die Absage
Rennleiter Graham Webber erklärte die Hintergründe der Entscheidung, nachdem das Feld zuvor bereits zwei Stunden lang im Regen gewartet hatte. Die Rennleitung hatte die Wettervorhersage das ganze Wochenende über genau beobachtet. Zwar waren Wind und Regen prognostiziert worden, doch die Einschränkungen für den Flugbetrieb traten in diesem Ausmaß ein. Laut einer Erklärung der MotoGP Sports Entertainment Group hatte man bis Samstag keine Informationen vorliegen, dass die Sichtverhältnisse am Sonntag den Helikoptereinsatz unmöglich machen würden.

Ein Rettungshubschrauber hätte im Notfall eine Anflugzeit von 45 Minuten von Festland-Melbourne benötigt. Ohne diese medizinische Absicherung durften die Maschinen nicht starten.
Die MotoGP-Fahrer werden eine Runde hinter dem Safety-Car drehen und auf der Start-Ziel-Geraden anhalten, um die Fans zu begrüßen.
MotoGP, Offizielle Mitteilung
Ehrenrunde und Ticket-Rückerstattungen für enttäuschte Zuschauer
Die Fahrer schoben ihre Maschinen nach den Runden auf der Start-Ziel-Geraden zusammen, um den Anhängern zuzuwinken. Viele Besucher hatten erhebliche Kosten auf sich genommen, um beim letzten Auftritt der Rennserie auf der Insel dabei zu sein.
Zur Schadensbegrenzung kündigte die Australian Grand Prix Corporation an, allen Inhabern von Sonntatickets den vollen Eintrittspreis zurückzuerstatten. Käufer von Mehrtagestickets erhalten eine anteilige Rückerstattung, wie unter anderem The Race berichtete. Damit reagierten die Organisatoren schnell auf die Enttäuschung der Zuschauer.
Auswirkungen auf die Weltmeisterschaft und den Umzug nach Adelaide
Da am Samstag zumindest der Sprint im trockenen Zustand ausgetragen werden konnte, flossen diese Punkte in die Gesamtwertung ein. Weil Martín für den Sonntag ohnehin verletzungsbedingt für fahruntauglich erklärt worden war, bedeutete die Rennabsage für ihn eine Atempause im Titelkampf. Márquez verlässt die Strecke mit einem Vorsprung von 10 Punkten.
Die Veranstaltung markierte das endgültige Ende einer Ära. Nach dreißig Jahren an der Kante der Bass-Straße verlässt die Motorrad-Weltmeisterschaft den Kurs, der seit 1997 fester Bestandteil des Kalenders war. Im kommenden Jahr zieht der australische Lauf auf einen neuen Stadtkurs in die Parkanlagen von Adelaide um. Während einige Fahrer und Teamverantwortliche das einzigartige Insel-Flair und die Natur vermissen werden, treibt die Serie damit ihre Annäherung an urbane Zentren voran.

Das dreitägige Event, das traditionell Motorsportfans aus aller Welt anlockte, verzeichnete in seiner letzten Auflage an der Küste einen starken Zustrom an Besuchern. Obgleich die Zuschauerzahlen auf dem entlegenen Kurs in den Vorjahren mit gut 91.000 Fans knapp unter der Marke von 100.000 geblieben waren, hinterlässt das Aus der Strecke eine große wirtschaftliche Lücke. Örtliche Geschäftsleute und Souvenirläden boten Artikel mit dem Aufdruck „The Final Roar – Phillip Island“ an, um dem Ende der Traditionsveranstaltung zu gedenken. Unter der Leitung des australischen Broadcasters Network 10 wurde das gesamte Wochenende live im Free-TV übertragen. Moderatorin Tara Rushton führte durch die Sendung, unterstützt von Experten wie dem ehemaligen Grand-Prix-Piloten Daryl Beattie, dem Motorsport-Journalisten Sam Charlwood und dem zweifachen Isle-of-Man-TT-Gewinner Cameron Donald.”
Auch die wirtschaftlichen und organisatorischen Veränderungen innerhalb der MotoGP unter der Eigentümerschaft von Liberty Media, die die kommerziellen Rechte von Dorna Sports übernommen hatten, standen am Rande im Fokus der Berichterstattung. Die Umstellung hin zu neuen Veranstaltungsorten wie dem Stadtkurs in Adelaide, der im Rahmen eines Fünfjahresvertrags ab 2027 die Nachfolge antritt, soll neue Märkte erschließen. Carlos Ezpeleta von der Dorna Sport Management betonte mehrfach, dass die einzigartigen Gelegenheiten in australischen Metropolen wie Adelaide die Expansion ermöglichen. Die Rennserie schaut nach dem bitteren Ende auf Phillip Island somit nach vorn.