Die Migros plant den historischen Umbau ihrer Unternehmensgeschichte und will ihre zehn regionalen Genossenschaften sowie den Migros-Genossenschafts-Bund zu einer einzigen Gruppengenossenschaft zusammenlegen. Über diese weitreichende Zentralisierung entscheiden die rund 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter in einer für Mitte 2027 angesetzten Urabstimmung, während Konzernchef Mario Irminger und Supermarkt-Chef Peter Diethelm ihre Posten auf diesen Zeitpunkt hin zur Verfügung stellen.
Das Ende der Föderalismus-Ära bei der Migros
Die geplante Gruppengenossenschaft soll künftig als Dach über allen sieben Geschäftseinheiten stehen. Dazu gehören der Supermarkt, die Industrie, Denner, Migrol und Migrolino, Digitec Galaxus, die Migros Bank sowie Medbase. Durch die Bündelung von Kräften soll das Unternehmen deutlich schneller Entscheidungen treffen und gezielter investieren können. Die zehn Regionalpräsidenten und -präsidentinnen stellten sich geschlossen hinter die Pläne und betonten, dass der Entscheid in den Regionen jeweils einstimmig mitgetragen wird.
Wechsel an der Konzernspitze im Mitte 2027
Im Zuge der anstehenden Transformation machen die Spitzenkräfte den Weg für eine neue Führung frei. Mario Irminger, Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes, und Peter Diethelm, CEO der Migros Supermarkt AG, werden ihre Funktionen auf den Zeitpunkt der Urabstimmung im Mitte 2027 abgeben. Zu diesem Zeitpunkt werden beide Manager 62 Jahre alt sein. Die frühzeitige Ankündigung soll sicherstellen, dass ihre Nachfolgerinnen oder Nachfolger den Aufbau der neuen Struktur von Beginn an und über die gesamte mehrjährige Phase hinweg begleiten können.
Der Prozess zur Besetzung der beiden Nachfolgepositionen ist bereits angelaufen. Peter Diethelm soll den Umbau nach seinem offiziellen Rücktritt bis Ende 2028 in einer unterstützenden Funktion weiter begleiten. Irminger betonte, dass der Umbau über Jahre hinweg frische Kräfte und vollen Einsatz verlangen werde.

Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, unsere Genossenschafterinnen und Genossenschafter zu überzeugen, dass dieser Schritt jetzt erfolgen muss.
Urabstimmung und die Bedingungen für den Umbau
Ob die historische Neustrukturierung tatsächlich Realität wird, entscheiden die rund 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter der Migros. Die Urabstimmung ist für Mitte 2027 angesetzt. Das Quorum für eine Zustimmung ist dabei klar geregelt: Mindestens 25 Prozent der Stimmberechtigten müssen sich an der Abstimmung beteiligen, und davon muss eine Zwei-Drittel-Mehrheit ein Ja in die Urne legen.
Sollten die Stimmberechtigten dem Zusammenschluss zustimmen, erfolgt die Verschmelzung der elf Genossenschaften zu einer gemeinsamen Organisation schrittweise. Die Migros verknüpft das Projekt mit ihrer strategischen Vision 2035 Eine lebenswerte Schweiz für alle
, die wirtschaftliche Stärke, regionale Verwurzelung und gesellschaftliches Engagement verbinden will. Medienberichten zufolge wird das jährliche Sparpotenzial der Zentralisierung auf 300 bis 400 Millionen Franken beziffert, unter anderem durch den Verweis auf die Einsparungen, die der Konkurrent Coop bei einer ähnlichen Zentralisierung vor 25 Jahren erzielt hatte.
Personalveränderungen und Garantien für die Belegschaft
Die Zentralisierung bringt vor allem in der Verwaltung und im Management weitreichende Veränderungen mit sich. Durch die Auflösung der Parallelstrukturen in den zehn Regionalgesellschaften fallen administrative Aufgaben weg, was zu personellen Verschiebungen und Stellenabbau in den Führungsstrukturen führen wird. Für die Mitarbeitenden in den Filialen ändert sich durch den Umbau laut Unternehmensangaben nichts.
Zudem hat die Migros arbeitsrechtliche Zusagen gemacht. Bis zum Jahr 2028 soll es keine Entlassungen geben, die direkt auf den Umbau zurückzuführen sind. Sollte danach ein Stellenabbau notwendig werden, will das Unternehmen seine soziale Verantwortung wahrnehmen und nach Möglichkeit Anschlusslösungen für betroffene Mitarbeiter vermitteln.
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