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Unternehmen

Migros plant Fusion zur Einheitsgenossenschaft mit Jobrisiko

Die Migros plant einen historischen Umbau und will ihre zehn Regionalgenossenschaften, die Supermarkt AG und den Migros-Genossenschafts-Bund zu einer einzigen Einheitsgenossenschaft verschmelzen. Das Projekt zielt auf den Abbau einer komplexen Doppelstruktur ab, könnte jedoch nach Medienberichten bis zu 3000 Stellen vor allem im Backoffice gefährden und erfordert weitreichende Urabstimmungen.

Die geplante Fusion zur Einheitsgenossenschaft

Anfang der Woche stellen Migros-Präsidentin Ursula Nold und Konzernchef Mario Irminger die Pläne für eine grundlegende Neuorganisation des Detailhändlers vor. Das Ziel der Reform ist es, die verschachtelte Führungsstruktur aufzulösen, die den Konzern seit Jahrzehnten prägt und als spürbarer Wettbewerbsnachteil gegenüber Konkurrenten wie Coop, Aldi und Lidl gilt.

Im Zentrum des Umbaus steht die Verschmelzung von zehn eigenständigen Regionalgenossenschaften, dem Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) und der Supermarkt AG unter das Dach einer einzigen Einheitsgenossenschaft. Operativ soll der Konzern künftig in sechs Regionen organisiert werden, deren Zuschnitt sich konsequent an logistischen Abläufen statt an den historischen Genossenschaftsgrenzen orientiert.

Migros plant Fusion zur Einheitsgenossenschaft mit Jobrisiko
Foto: Aargauer Zeitung

Schon vor rund 30 Jahren gab es Pläne, die Anzahl der Regionalgenossenschaften stark zu reduzieren, welche damals jedoch am Widerstand mächtiger Genossenschaften scheiterten. Ähnlich wie es bereits Peter Everts in seiner Zeit von 1997 bis Ende 2001 versucht hatte, drohte früheren Reformversuchen der Widerstand aus den Regionen. Heute schreiben gewisse Regionalgenossenschaften Verluste – so verzeichnet die Migros Zürich seit Jahren Verluste, während einige andere Genossenschaften kaum Gewinn erwirtschaften. Die heutige Struktur geht auf den Gründer Gottlieb Duttweiler zurück, der damals bewusst keine starke Zentrale wollte. Der wirtschaftliche Druck könnte nun dazu führen, dass jene Reform gelingt, die jahrzehntelang blockiert war. Coop vollzog den Schritt zur Einheitsgenossenschaft bereits vor 25 Jahren. Nach einer damaligen Fusion führte Coop Effizienzgewinne von 280 Millionen Franken an, die an die Kundschaft weitergegeben wurden.

Mögliche Folgen für das Personal und das Einsparpotenzial

Die tiefgreifende Restrukturierung hat erhebliche finanzielle und personelle Dimensionen. Während das Sparpotenzial der Reform auf jährlich 300 bis 400 Millionen Franken geschätzt wird, droht vor allem in den zentralen Verwaltungen und im Backoffice ein drastischer Personalabbau. Medienberichten zufolge könnten rund 3000 Stellen wegfallen. In einem Dokumentarfilm des SRF aus dem Jahr 2025 schätzten ehemalige Kaderleute der Migros die Mehrkosten der bisherigen Struktur auf rund 300 Millionen Franken. Zum Sparpotenzial äußert sich die Migros selbst jedoch nicht.

In den regionalen Genossenschaften und der Supermarkt AG arbeiten insgesamt 39’341 Personen, wobei das Personal in den Filialen nach Angaben aus den Planungen kaum von den Kürzungen betroffen sein soll. Standorte wie Schönbühl BE, Ecublens VD, Dierikon LU, Gossau SG und Zürich dürften dabei eine wichtige Rolle einnehmen. Neben der stärker gebündelten Logistik, bei der künftig grössere zentrale Logistikplattformen durch kleinere regionale Hubs ergänzt werden sollen, bringt der Umbau auch Werbeagenturen und Kommunikationspartner in Bedrängnis, wobei die Migros nach Coop der zweitgrösste Werbeauftraggeber der Schweiz ist.

Migros plant Fusion zur Einheitsgenossenschaft mit Jobrisiko
Foto: Klein Report

Die Hürde der Urabstimmungen in den Regionen

Ob der historische Umbau tatsächlich umgesetzt wird, entscheiden am Ende die Mitglieder. Jede der zehn Regionalgenossenschaften muss in einer eigenen Urabstimmung über das Vorhaben abstimmen. Insgesamt zählen die Genossenschaften rund 2,3 Millionen Mitglieder. Wie Migros-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir gegenüber der Presse betonte, ist für eine erfolgreiche Fusion jeweils eine Zweidrittelmehrheit der Mitglieder in den betroffenen Genossenschaften sowie die Zustimmung der Delegiertenversammlung des Migros-Genossenschafts-Bundes erforderlich. Operativ soll Mario Irminger am Steuer bleiben, während die Delegiertenversammlung weiterhin die Verwaltung wählt.

Der Verwaltungsrat des Migros-Genossenschafts-Bundes wird präsidiert von Ursula Nold. Als Vizepräsidenten amtieren der ehemalige Tamedia-Manager und heutige CEO der Swiss Marketplace Group Christoph Tonini sowie Anton Chatelan. Weitere Mitglieder des Gremiums sind Anne-France Bonny, Jean-Marc Bovay, Grégory Décaillet, Colin Frei, Martin Künzi, Cédric Moret, Patrik Pörtig, Cornelia Ritz Bossicard, Hubert Weber und Anita Weckherlin. Ob Kommunikationsabteilungen oder Werbemandate von der Neuorganisation konkret betroffen sein werden, geht aus den bisherigen Berichten nicht hervor.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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