Mercedes-Benz hat am 27. Oktober 2026 überraschend seine Jahresziele gekürzt. Der Autobauer verweist auf eine anhaltende Krise in China sowie höhere Kosten im Schlussquartal. In der Pkw-Sparte schrumpft die erwartete Marge drastisch, woraufhin die Aktie an der Börse massiv einbrach.
Mercedes-Benz senkt Jahresziele nach Gewinnwarnung
Die Mercedes-Benz Group AG hat per Ad-hoc-Mitteilung eine deutliche Korrektur ihrer Geschäftsprognose für das laufende Jahr bekannt gegeben. Statt der bisher angepeilten Spanne von drei bis fünf Prozent rechnet das Management im Pkw-Kerngeschäft nun nur noch mit einer bereinigten Umsatzrendite von zwei bis drei Prozent. Damit verfehlt das Dax-Unternehmen selbst die bisherige Untergrenze seiner Planungen deutlich. Auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf Konzernebene wird den Prognosen zufolge nicht mehr steigen, sondern lediglich auf dem Niveau des Vorjahres verharren.
Besonders schmerzhaft schlägt sich die Entwicklung beim freien Finanzmittelzufluss nieder. Der Free Cashflow im Industriegeschäft wird laut Angaben des Konzerns deutlich unter dem Vorjahreswert liegen, während zuvor lediglich ein leichter Rückgang erwartet worden war.
Diese Kennzahl gilt an den Kapitalmärkten als zentral für geplante Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen.
Absatzeinbruch in China und steigende Kosten im Quartal
Im dritten Quartal brach der Absatz in China um 31 Prozent auf rund 86.000 Fahrzeuge ein. Auslöser für den Strategiewechsel ist vor allem ein massiver Nachfragerückgang auf dem wichtigsten Einzelmarkt.
In den ersten neun Monaten des Jahres sank die Verkaufszahl in der Volksrepublik damit auf einen Tiefstand wie seit 2015 nicht mehr. Neben der generellen Kaufzurückhaltung macht dem Stuttgarter Konzern dort ein harter Verdrängungswettbewerb mit lokalen Anbietern zu schaffen.

Hinzu kommen erhebliche Belastungen auf der Kostenseite. Das Unternehmen verwies auf höhere Ausgaben im vierten Quartal, zu denen insbesondere gestiegene Materialkosten und teurere Vormaterialien zählen. Auch die geopolitische Lage und die infolge des Iran-Kriegs gestiegenen Energiekosten hinterlassen spürbare Spuren in den Bilanzbüchern der europäischen Automobilindustrie.
Aktie bricht nach Bekanntgabe an der Börse ein
Die Aktie von Mercedes-Benz gab unmittelbar nach Bekanntgabe rund vier Prozent nach und rutschte im elektronischen Xetra-Handel zeitweise auf ein Mehrjahrestief ab, wobei Notierungen im Bereich von unter 40 Euro erreicht wurden und das Papier charttechnisch weit unter der 200-Wochen-Linie notierte. An den Kapitalmärkten fiel die Resonanz auf die Hiobsbotschaft prompt aus.
Analysten werteten den Schritt als Beleg für die strukturellen Herausforderungen im harten globalen Wettbewerb.
Interessanterweise fielen die vorläufigen Eckdaten für das abgelaufene dritte Quartal selbst etwas besser aus als von Marktbeobachtern befürchtet. So lag das Konzern-EBIT bei 1,77 Milliarden Euro und übertraf damit den Analystenkonsens von 1,60 Milliarden Euro. Die bereinigte Pkw-Marge erreichte im Sommerquartal 2,5 Prozent und bewegte sich damit bereits im Korridor der neuen Zielvorgabe. Die Investorenstimmung blieb jedoch von den düsteren Aussichten für das Schlussquartal und das China-Geschäft dominiert.
Vorstand startet striktes Sparprogramm und Stellenabbau
Um den Erosionstendenzen entgegenzuwirken, hält der Vorstand an seinen angekündigten Restrukturierungen fest. Ein weiterer Kostentreiber startet Anfang Dezember: Über großzügige Abfindungen will the Konzern vor allem in der Verwaltung Tausende Stellen abbauen. Dadurch sollen die Personalkosten dauerhaft um eine Milliarde Euro pro Jahr sinken. Insgesamt steuert Konzernchef Ola Källenius ein Sparprogramm an, das die jährlichen Ausgaben um fünf Milliarden Euro senken und die Einbußen in Asien abfedern soll.

Während die Autosparte stark unter Druck gerät, bilden andere Segmente wie das Geschäft mit leichten Nutzfahrzeugen einen gewissen Puffer. Bei Mercedes-Benz Vans lag die bereinigte Marge im dritten Quartal bei soliden 9,4 Prozent und schnitt damit leicht über den Marktschätzungen ab, während der Bereich Financial Services eine Eigenkapitalrendite von 13,8 Prozent verzeichnete und die Ziele für die übrigen Bereiche unverändert bestätigt wurden.
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