TSMC dominiert mit einem Anteil von über 40 Prozent den taiwanesischen Aktienindex Taiex. Aufgrund dieser massiven Konzentration suchen Fondsmanager wie Jian Shi Cortesi von Gam Investment Management nun gezielt nach weiteren Profiteuren des KI-Booms in Taiwan, insbesondere in den Bereichen Chipverpackung, Kühlung und Energiemanagement.
Die Abhängigkeit eines nationalen Leitindex von einem einzigen Unternehmen ist ein mathematisches und strategisches Risiko. Wenn eine Aktie fast die Hälfte des gesamten Indexgewichts einnimmt, verwandelt sich der Taiex faktisch in ein TSMC-Derivat. Für institutionelle Anleger bedeutet das: Wer dem Markt folgen will, muss zwangsläufig massiv in TSMC investieren. Wer jedoch Diversifikation sucht, muss die Lieferkette tiefer analysieren.
Die TSMC-Dominanz im Taiex und der Zwang zur Diversifikation
Die aktuelle Marktsituation in Taiwan zeigt eine extreme Schieflage. Laut Berichten von cash.ch macht TSMC mittlerweile über 40 Prozent des Taiex aus. Diese Gewichtung zwingt Investmentfonds dazu, ihre Strategien anzupassen, um mit der Indexentwicklung Schritt zu halten, ohne sich einem untragbaren Klumpenrisiko auszusetzen.
Es entsteht ein paradoxes Szenario: Während die fundamentale Nachfrage nach KI-Chips die Bewertung von TSMC in die Höhe treibt, müssen Fondsmanager aktiv nach Alternativen suchen, um ihr Portfolio zu stabilisieren. Die Suche nach den sogenannten Second-Tier-Profiteuren ist daher keine bloße Option, sondern eine Notwendigkeit für das Risikomanagement.
Strategische Neuausrichtung durch Jian Shi Cortesi
Profiteuren Taiwan
Ein Beispiel für diese Verschiebung ist die Strategie von Jian Shi Cortesi, Fondsmanagerin bei Gam Investment Management in Zürich. Cortesi hält zwar fast 10 Prozent in TSMC, hat ihr Portfolio in den letzten Monaten jedoch gezielt um weitere taiwanesische Technologieunternehmen erweitert.
Die Auswahl erfolgt nicht zufällig, sondern folgt der physischen Logik der KI-Infrastruktur. Während TSMC die Chips fertigt, benötigt die Implementierung dieser Hardware eine gesamte unterstützende Industrie. Cortesi setzt dabei auf vier spezifische Sektoren:
Chipverpackung: Die Integration verschiedener Chip-Funktionen auf engstem Raum.
Energiemanagement: Die effiziente Stromversorgung massiver Rechenzentren.
Kühlung: Die thermische Kontrolle von Hochleistungsprozessoren.
Leiterplatten: Die physische Basis für die gesamte Hardware-Architektur.
Diese Diversifikation zeigt, dass der KI-Boom über die reine Halbleiterfertigung hinausgeht. Die eigentliche Herausforderung der nächsten Phase ist nicht nur die Produktion von mehr Chips, sondern deren Betrieb. Kühlung und Energie sind die neuen Engpässe der Branche. Wer diese Probleme löst, wird zum neuen Gewinner, während die Abhängigkeit von einem einzigen Giganten reduziert wird.
Regulatorische Grenzen und die 25-Prozent-Obergrenze
Prozent
Die extreme Marktmacht von TSMC hat auch regulatorische Diskussionen in Taiwan ausgelöst. Die Behörden prüfen Möglichkeiten, die Konzentration im Index zu begrenzen. Wie cash.ch berichtet, strebt Taiwan an, die Obergrenze für einzelne Unternehmen in Extremfällen auf 25 Prozent anzuheben.
Diese Maßnahme wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, da sie eine Erhöhung der Grenze vorsieht, während das tatsächliche Niveau von TSMC mit über 40 Prozent bereits weit darüber liegt. Es handelt sich hierbei eher um den Versuch, einen formalen Rahmen zu schaffen, der die Realität des Marktes zumindest teilweise abbildet, anstatt gegen eine unaufhaltsame Marktdynamik zu kämpfen.
Die Lücke zwischen der angestrebten 25-Prozent-Marke und der aktuellen Realität verdeutlicht jedoch, wie weit die Marktmacht von TSMC die regulatorischen Instrumente überholt hat. Für Anleger bedeutet dies, dass eine staatliche Korrektur der Indexgewichtung kurzfristig unwahrscheinlich oder zumindest ineffektiv ist.
Die Verschiebung der Wertschöpfungskette
Profiteuren Konzentration
Die Analyse der aktuellen Kapitalströme macht deutlich, dass sich die KI-Wette verändert. In der ersten Phase stand die reine Rechenleistung im Vordergrund – das Goldrausch-Äquivalent wären hier die Chip-Designer und Fertiger. Jetzt rückt die Infrastruktur in den Fokus.
Wenn Rechenzentren weltweit expandieren, steigen die Anforderungen an die thermische Effizienz und die Stromstabilität exponentiell. Die von Gam Investment Management verfolgte Strategie antizipiert genau diesen Shift. Die Profiteure sind nun jene Firmen, die die physischen Grenzen der Hardware-Skalierung verschieben.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese Diversifizierung ausreicht, um die Volatilität zu senken, die mit einer so extremen Index-Konzentration einhergeht. Für den Markt ist klar: TSMC bleibt das Fundament, aber das Gebäude, das darauf errichtet wird, benötigt ein weitaus breiteres Fundament an Zulieferern, um stabil zu bleiben.
Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.
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