Der syrische Kurdenführer Maslum Abdi hat in Damaskus das Ende der Demokratischen Kräfte Syriens als unabhängige Streitmacht verkündet. Die im August 2026 vollzogene Auflösung folgt auf ein im Januar mit der Übergangsregierungsführung unter Ahmed al-Scharaa geschlossenes Abkommen zur vollständigen Eingliederung in den staatlichen Apparat.
Nach mehr als einem Jahrzehnt eigenständiger militärischer und administrativer Strukturen im Norden und Nordosten des Landes haben die kurdisch angeführten Einheiten ihre Auflösung bekannt gegeben. Der Kommandant der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), Maslum Abdi, trat am Dienstagabend im Präsidentenpalast in Damaskus vor die Öffentlichkeit, um das Ende des Einsatzes der Miliz zu verkünden.
Auflösung im Präsidentenpalast und das Abkommen von Januar
In einer im Fernsehen übertragenen Rede erklärte Abdi, er übernehme in voller Verantwortung deren Auflösung als unabhängige Streitmacht. Die in den vergangenen Jahren von Kurden aufgebaute Selbstverwaltung werde ebenfalls vollständig in die staatlichen Institutionen Syriens überführt, wie unter anderem von n-tv berichtet wurde. Erst am vergangenen Donnerstag hatte Abdi bekanntgegeben, die kurdischen Selbstverwaltungsorgane seien nun vollständig in die staatlichen Institutionen Syriens eingegliedert worden, und von einer „neuen Phase“ gesprochen.
Dieser Schritt basiert auf einer Vereinbarung, die im Januar dieses Jahres zwischen den kurdischen Vertretern und der Regierung des Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa geschlossen worden war, nachdem es zuvor monatelang immer wieder Gefechte gegeben hatte. Demnach sieht das Abkommen vor, dass syrische Sicherheitskräfte in den von Kurden bewohnten Regionen beziehungsweise Städten stationiert werden und die kurdische Verwaltung im Staatsapparat aufgeht. Im Gegenzug hatte al-Scharaa im Januar zudem ein Dekret unterzeichnet, das den Kurden Minderheitenrechte zusichert.
Die Mission der SDF sei beendet und die Gruppe gehe „von der Phase der Verteidigung in die Phase des Aufbaus Syriens“ über.”
Zudem erklärte Abdi, die kurdische Seite habe al-Scharaa um eine offene Haltung in Bezug auf das Recht auf Bildung in der Muttersprache gebeten. Die SDF und die Übergangsregierung in Syrien hatten im Januar nach Gefechten ein umfassendes Waffenstillstandsabkommen geschlossen und einen Fahrplan für die Eingliederung der SDF festgelegt.
Reaktionen aus Washington und historischer Kontext
Die Vereinigten Staaten begrüßten die Entscheidung und die Eingliederung in die syrische Armee ausdrücklich. Der US-Sondergesandte für Syrien und den Irak, Tom Barrack, kommentierte die Eingliederung am Dienstag mit den Worten „So sieht echte Integration aus“. Barrack würdigte die Einigung als diplomatische Lösung zwischen früheren Gegenspielern mit unterschiedlichen Standpunkten, wodurch die Souveränität Syriens gestärkt werde. Von offizieller Seite hieß es zudem, es gebe nun „eine Armee, eine Regierung, einen Staat“.””


Die USA hatten die SDF offiziell im Oktober 2015 gegründet und jahrelang als zentralen Partner im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützt. Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad Ende 2024 wandten sich die USA verstärkt der neuen Führung in Damaskus zu. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht verfügten die SDF über rund 100.000 kurdische und arabische Kämpfer und kontrollierten große Teile des ölreichen Nordens und Nordostens. SDF-Kämpfer hatten einen erheblichen Anteil am militärischen Sieg einer internationalen Koalition über die Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS) im Jahr 2019.
Nach dem Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 hatten die Kurden im Norden des Landes eine Selbstverwaltung mit eigenen Institutionen und Streitkräften aufgebaut. Die Türkei betrachtete die SDF wiederum als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und führte regelmäßig militärische Operationen gegen sie durch, während das Militärbündnis eine wichtige Rolle für das Selbstverständnis der über mehrere Länder verstreuten Kurden spielte.
Übergang in eine neue staatliche Phase
Mit dem Abschluss der institutionellen Integration schließt sich ein kapitelprägender Abschnitt für die Region. Laut den Berichten fanden die Gespräche und die darauffolgende Bekanntgabe direkt im Volkspalast beziehungsweise Präsidentenpalast in Damaskus statt, begleitet von Treffen mit Mitgliedern der Übergangsregierung wie dem Interimsaußenminister Assad al-Schaibani. Abdi betonte, Syrien sei nun in „eine neue Phase unter den Vorzeichen des Friedens und der Teilhabeeingetreten, während die neue Führung unter al-Scharaa darauf drängt, das gesamte Staatsgebiet und alle Gebiete unter staatliche Kontrolle zu bringen.