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Technik und Wissenschaft

Margaret Hamilton im Alter von 90 Jahren gestorben

Margaret Hamilton, die Informatikerin und Pionierin der Softwareentwicklung für die Apollo-Missionen der NASA, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Ihr an Bord der Apollo 11-Mission laufendes System rettete den historischen Mondflug im Juli 1969 kurz vor der Landung vor einem Systemabbruch.

Abschied von einer Pionierin der Informatik

Die Informatikerin und Ingenieurin Margaret Hamilton ist am 30. September im Alter von 90 Jahren gestorben. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) gab das Versterben der langjährigen Forscherin in einem am 7. Oktober veröffentlichten Nachruf bekannt. Hamilton prägte eine Ära, in der Berufsbezeichnungen wie Softwareingenieurin oder Informatikerin noch nicht im heutigen Sinne existierten. Sie studierte Mathematik am Earlham College, wo sie 1958 ihren Abschluss im Fach Mathematik erwarb. Noch im selben Jahr heiratete sie James Cox Hamilton, mit dem sie eine Tochter namens Lauren bekam; das Paar wurde 1967 geschieden. Später war sie erneut verheiratet. Im Laufe ihrer Karriere verfasste sie mehr als 130 Publikationen, Berichte und Fachartikel und trat auch als erfolgreiche Unternehmerin und Geschäftsführerin in Erscheinung.

Die Universität beschrieb sie als profunde Einflussgröße auf dem Gebiet der Softwareentwicklung, die neue Wege in Informatik und Ingenieurwesen geebnet habe. Olivier de Weck, Apollo Program Professor und interimistischer Leiter der Abteilung für Luft- und Raumfahrttechnik am MIT, fand drastische Worte der Anerkennung für ihre Lebensleistung und erklärte, dass es eine dramatische Untertreibung wäre, sie lediglich als Pionierin zu bezeichnen, die ihrer Zeit voraus gewesen sei. Er betonte, sie sei zu einer Zeit Softwareingenieurin gewesen, als sich das Feld noch in den Kinderschuhen befand.

Von der Meteorologie zum Apollo-Projekt am MIT

Hamilton studierte zunächst Mathematik, bevor sie im Jahr 1959 an das MIT kam, wo sie bis Mitte der 1970er Jahre tätig war.

Margaret Hamilton im Alter von 90 Jahren gestorben
Foto: The Manila Times

Im Jahr 1965 bewarb sie sich auf eine Anzeige des MIT Instrumentation Laboratory, das Programmierer für das Mondprogramm der NASA suchte. Sie wurde als erste Programmiererin für das Projekt sowie als erste Frau in dieser Funktion eingestellt. Das Labor hatte den Auftrag erhalten, die Bordsoftware für die Raumschiffe des Apollo-Programms zu entwickeln, nachdem die Einrichtung einen entsprechenden NASA-Vertrag erhalten hatte. Hamilton leitete schließlich eine Gruppe von 100 Ingenieuren, die die Software für die Apollo-Navigation entwarfen.

Während des Apollo 8-Flugs im Jahr 1968 löschte eine versehentliche Programmauswahl durch Jim Lovell die Navigationsdaten, woraufhin Hamiltons Team hinzugezogen wurde und ihre vorgeschlagenen Änderungen in das Programm einflossen.

Der kritische Moment bei der Mondlandung

Weltberühmt wurde Hamilton durch ihren Einsatz während der Mission Apollo 11 im Juli 1969. Ein Hardware-Schalter hatte einen Fehler ausgelöst und das System überlastet, wodurch das Risiko bestand, dass der Computer den komplexen Landevorgang nicht bewältigen konnte.

Dank der von Hamilton und ihrem Team entwickelten prioritätsgesteuerten Software schaltete das System unnötige Hintergrundprozesse ab und konzentrierte sich ausschließlich auf die für die Landung essenziellen Aufgaben. Die NASA erklärte später, dass dieses Eingreifen es der Mission erlaubte, sicher fortzufahren. Die Software verhinderte einen fehlgeschlagenen Versuch, die primäre Recheneinheit des Computers auf ein Radarsystem umzuschalten. Jerry M. Wohletz, der Geschäftsführer des aus dem MIT ausgegründeten Draper Laboratory, würdigte ihren unbleiblichen Eindruck und erklärte, dass sie durch ihre Führung und ihre Beiträge dazu beigetragen habe, dass die Astronauten sicher landeten und heimkamen.

Margaret Hamilton im Alter von 90 Jahren gestorben
Foto: DW.com

Jerry M. Wohletz, Präsident und CEO von Draper, erklärte: „Durch ihre Führung und ihre Beiträge zur Entwicklung der Bordsicherheitssoftware für den Apollo Guidance Computer der NASA hat sie dazu beigetragen, dass die Apollo-Astronauten sicher auf der Mondoberfläche landeten und sicher nach Hause zurückkehrten. Wir werden ihr Vermächtnis bei Draper für immer in Ehren halten.

Ehrungen und das Fortbestehen ihres Erbes

Für ihre Verdienste um die Raumfahrt und die Informatik erhielt Hamilton im Jahr 2016 die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten, die Presidential Medal of Freedom, überreicht durch Präsident Barack Obama. Bereits 2003 war sie mit dem NASA Exceptional Space Act Award ausgezeichnet worden. Im Jahr 2015 wurde der gesamte Apollo-Quellcode auf GitHub veröffentlicht, im Jahr 2017 folgte die Auszeichnung als Fellow des Computer History Museum. Ebenfalls 2017 wurde sie als offizielle LEGO-Minifigur in einem Set geehrt, das auf einen Entwurf der MIT-Wissenschaftskommunikatorin Maia Weinstock zurückgeht und weltweit verkauft wurde. Sie wurde zudem in die National Aviation Hall of Fame aufgenommen und erhielt den Intrepid Lifetime Achievement Award.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.