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Technik und Wissenschaft

Margaret Hamilton: Softwarepionierin der Mondlandung mit 90 Jahren gestorben

Margaret Hamilton, die Computerpionierin, die das Team leitete, das die Bordflugssoftware für das Apollo-Programm schrieb und den Begriff „Software Engineeringprägte, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Ihre prioritätsgesteuerte Software hielt die Mondlandung von Apollo 11 während einer kritischen Computerüberlastung auf Kurs.

Vom Meteorologie-Labor zum Apollo-Projekt am MIT

Bereits im Jahr 1959 begann die Mathematikerin ihre Laufbahn am Massachusetts Institute of Technology, als sie nach ihrem Abschluss am Earlham College nach Boston gezogen war. Zunächst arbeitete sie unter der Anleitung eines renommierten Meteorologen an der Programmierung von Systemen zur Früherkennung feindlicher Flugzeuge. Als das Institut den Regierungsauftrag erhielt, die Software für das Apollo-Programm zu entwerfen, schloss sie sich als erste Programmiererin und erste Frau dem Team an. Sie wurde schließlich Direktorin der Software Engineering Division und leitete eine Gruppe von rund 100 Ingenieuren im Instrumentation Laboratory.

Lange bevor Software zum Synonym für Silicon-Valley-Präsentationen und überhöhte Bewertungen wurde, bedeutete das Schreiben von Computercode, die volle Verantwortung für Menschenleben im Weltraum zu übernehmen. Sie prägte den Begriff des Software Engineerings, um für ihre Disziplin denselben professionellen Respekt zu fordern, der dem Hardware-Design zuteilwurde, und diese als eigenständigen und gleichwertigen Teil des gesamten Systementwicklungsprozesses zu etablieren.

Margaret Hamilton: Softwarepionierin der Mondlandung mit 90 Jahren gestorben
Foto: economictimes.indiatimes.com

Sie verfasste über 130 Publikationen während ihrer Laufbahn. Als das Apollo-Programm auslief, wurde das Instrumentation Laboratory aus dem MIT ausgegliedert und zu dem unabhängigen Draper Laboratory. Bezüglich dieser Jahre sagte sie, dass sie die glücklichsten Menschen der Welt waren und es keine Wahl gab, als Pionier zu sein, da keine Zeit für Anfänger blieb.

Wie die Lauren-Fehlerschaltung den Weg zum Mond ebnete

Ein entscheidender Vorfall in der Frühzeit des Projekts prägte ihren Ansatz der fehlerresistenten Programmierung nachhaltig. Ihre Tochter aktivierte eines Tages im Labor spielend ein Programm, das die Navigationsdaten löschte, was zu einer Simulation führte, die hätte schwerwiegendere Folgen im All haben können. Danach wurden ihre Korrekturen dauerhaft in die Programme übernommen.

Margaret Hamilton: Softwarepionierin der Mondlandung mit 90 Jahren gestorben
Foto: theguardian.com

Diese prioritätsgesteuerte Software bewährte sich am 20. Juli 1969 bei der historischen Mondlandung von Apollo 11. Minuten vor dem Aufsetzen auf der Mondoberfläche meldete der Bordcomputer einen Alarm und zeigte einen 1202-Fehler an, der auf eine Überlastung durch einen Hardwareschalterfehler hinwies. Die ikonische Aufnahme zeigt sie stehend neben Stapeln des Softwarecodes, der die Raumfahrzeuge steuerte. Dank der von ihrem Team entwickelten prioritätsgesteuerten Software schaltete das System unnötige Hintergrundprozesse ab, um die Landebefehle für Neil Armstrong und Buzz Aldrin rechtzeitig zu sichern.

Es wurde schnell klar, dass die Software nicht nur alle darüber informierte, dass es ein hardwarebedingtes Problem gab, sondern dieses auch kompensierte – indem sie die Aufgaben mit der höchsten Priorität neu startete und wiederherstellte.

Margaret Hamilton, via The Guardian

Präsidentenehrung und das virale Code-Foto

Nach ihrer Zeit am MIT verließ sie die Hochschule in den 1970er Jahren, um als Unternehmerin tätig zu werden und gründete 1976 ihr erstes Unternehmen namens Higher order software, basierend auf ihrer Arbeit am MIT, gefolgt von einem weiteren Unternehmen namens Hamilton Technologies ein Jahrzehnt später. Zu ihren weiteren Ehrungen zählen der NASA Exceptional Space Act Award im Jahr 2003, der Computer History Museum Fellow Award im Jahr 2017, der Intrepid Lifetime Achievement Award im Jahr 2019 sowie die Aufnahme in die National Aviation Hall of Fame im Jahr 2022. Im Jahr 2017 wurde sie zudem eine offizielle Lego-Minifigur, nachdem ein Entwurf der MIT-Wissenschaftskommunikatorin Maia Weinstock weltweit verfügbar wurde.

Sie hinterlässt ihre Tochter Lauren Hamilton, ihren Schwiegersohn Richard Selesnick, zwei Enkelkinder, vier Urenkel sowie ihre Geschwister John, David und Kathryn. Das Massachusetts Institute of Technology gab ihren Tod am 30. September bekannt, nachdem sie in einem Krankenhaus in Cambridge gestorben war, während eine Gedenkfeier für das kommende Frühjahr in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts angesetzt ist.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.