Die britische Kulturministerin Lisa Nandy prüft eine formelle Intervention bei der 1,6 Milliarden Pfund schweren Übernahme des Unterhaltungsarms von ITV durch den US-Konzern Sky. Mit diesem Schritt will die Regierung Medienvielfalt und redaktionelle Unabhängigkeit schützen. Sky und ITV müssen bis zum 20. Oktober auf die Bedenken reagieren.
Lisa Nandy kündigt wettbewerbspolitische Prüfung an
Die britische Medienlandschaft steht vor einer Neuordnung, nachdem die Kulturministerin Lisa Nandy erklärt hat, sie sei minded to intervene
bei der geplanten Übernahme von ITV durch Sky. Der von dem Comcast-Tochterunternehmen Sky im Sommer eingefädelte Deal hat ein Volumen von 1,6 Milliarden Pfund, was umgerechnet etwa 2,1 Milliarden US-Dollar entspricht. Im Fokus der Übernahme stehen die linearen Sender des britischen Broadcasters sowie die Streaming-Plattform ITVX.
Sollte die Ministerin ihre Drohung wahrmachen und eine offizielle Prüfungsmitteilung ausstellen, müssten die Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority sowie die Medienregulierungsbehörde Ofcom formelle Untersuchungen einleiten. Das Ziel dieses Schrittes ist es, die Auswirkungen auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die Meinungsfreiheit im Vereinigten Königreich detailliert zu bewerten.
Öffentliche Interessen und Bedenken zur Medienvielfalt
In ihrem offiziellen Schreiben an die beiden Unternehmen begründete Nandy die Notwendigkeit einer strengeren Überprüfung mit mehreren gesetzlichen Erwägungen zum öffentlichen Interesse. Dazu zählen die freie Meinungsäußerung in den Nachrichtenmedien, eine ausreichende Vielfalt an Standpunkten sowie die Notwendigkeit, dass die Kontrolle über Medienunternehmen auf genügend verschiedene Hände verteilt bleibt.

Die Ministerin verwies darauf, dass Sky News und ITV News gemeinsam bereits rund 26 Prozent des linearen Fernsehnachrichtenmarktes abdecken. Zusammen mit der BBC würde ein fusioniertes Unternehmen etwa 86 Prozent dieses Marktes kontrollieren. Nandy warnte in ihrer Begründung vor möglichen negativen Folgen für Zuschauer aus ärmeren Verhältnissen, den Regionen im Norden Englands sowie den Landesteilen außerhalb Englands, da diese Bevölkerungsgruppen besonders stark auf traditionelle Nachrichtensendungen im Fernsehen angewiesen sind.
Darüber hinaus kündigte Nandy an, im Falle einer tatsächlichen Intervention neue Gesetze einzubringen. Diese sollen Paragraf 58 des geltenden Gesetzes so anpassen, dass die Schutzregeln für eine breite Programmauswahl künftig ausdrücklich auch für On-Demand- und Streaming-Programme gelten.
Reaktionen von Sky und ITV auf die behördliche Hürde
Die beteiligten Konzerne haben bis zum 20. Oktober Zeit, um auf die Bedenken der Ministerin zu antworten. Die Unternehmensseite betont unterdessen die strategische Notwendigkeit des Zusammenschlusses. Sky argumentiert, dass der Deal einen starken britischen Streaming-Champion schaffen soll, der im globalen Wettbewerb gegen Plattformen wie Netflix, YouTube und Amazon Prime Video bestehen kann.

Wir haben bereits klare Zusagen gemacht, um die Identität von ITV, seine werbefinanzierten Free-to-Air-Dienste und seine Verpflichtungen im Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu schützen sowie sicherzustellen, dass ITV News und Sky News eigenständige redaktionelle Stimmen bleiben.
Unternehmenssprecher, Sky
Auch ITV begrüßte die Veröffentlichung des offiziellen Schreibens. Ein Sprecher des Senders bezeichnete den Schritt als einen wichtigen Meilenstein im regulatorischen Prozess und erklärte, man sehe der vollständigen Zusammenarbeit mit den Behörden mit Zuversicht entgegen. Die Produktionssparte von ITV, ITV Studios, soll im Zuge der Transaktion als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen ausgegliedert werden; zudem umfasst das Abkommen die Übernahme der Produktionsfirma Love Productions, die unter anderem für das Format The Great British Bake Off bekannt ist.
Marktumfeld und offene Fragen vor der Frist
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass der Druck auf traditionelle Sendeanstalten durch die anhaltende Abwanderung von Werbegeldern zu digitalen Videoplattformen stetig wächst. Ähnliche Großfusionen prägen derzeit den gesamten Mediensektor, wie etwa die von Paramount abgewickelte Übernahme von Warner Bros. Discovery zeigt. In jenem Fall hatte Nandy ebenfalls mit einer Intervention gedroht, den Zusammenschluss nach vertraglichen Zusicherungen für den britischen Markt jedoch letztlich passieren lassen.
Ob die britische Regierung die Sky-Übernahme von ITV nach Ablauf der Frist am 20. Ob der Oktober formell blockiert wird oder lediglich strenge Auflagen verlangt werden, wird sich zeigen. Die Unternehmen müssen nun darlegen, wie sie die von der Kulturministerin angemahnten Bedenken bezüglich der publizistischen Vielfalt im Zeitalter digitaler Abrufdienste entkräften wollen.
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