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Technik und Wissenschaft

Linus Torvalds testet Claude Code für Linux-Kernel-Speicherverwaltung

Linus Torvalds hat in einem experimentellen Linux-Kernel-Zweig namens noref-filemap-read-with-llm erstmals öffentlich Claude Code von Anthropic zur Entwicklung von Speicherverwaltungspatches eingesetzt, was laut Messungen auf seinem Core i7-8565U-Laptop den Durchsatz bei kleinen Lesezugriffen auf denselben Cache verdreifachte und neue Diskussionen über den Einsatz von KI im Open-Source-Kern auslöst.

Der Schöpfer des Linux-Kernels hat einen ungewöhnlichen Schritt unternommen. In einem experimentellen Zweig seines öffentlichen Repositories tauchte am Wochenende eine Git-Branch auf, deren Name keinerlei Raum für Spekulationen lässt. Die Reihe aus acht Patches trägt den Namen noref-filemap-read-with-llm. Der Zusatz ist kein Scherz, sondern eine präzise Funktionsbeschreibung. Torvalds bestätigte in der Commit-Meldung, dass sowohl der Programmcode als auch die Testprogramme, das Code-Review und der erste Entwurf des Begleitschreibens unter seiner direkten Anleitung von einem KI-Assistenten erstellt wurden.

Das Problem im Linux-Page-Cache und die Funktionsweise des Patches

Im Zentrum der technischen Änderung steht die Art und Weise, wie das Betriebssystem Daten aus dem Page-Cache liest. Wenn zahlreiche Threads gleichzeitig winzige Dateistücke von derselben Speicherseite anfordern, geraten die bisherigen Zählwerke ins Stocken. Das System muss bei jedem einzelnen Lesevorgang einen atomaren Referenzzähler auf dem jeweiligen Cache-Objekt anpassen. Bei hoher Parallelität führt das zu heftigen Konflikten auf den Cache-Zeilen der Prozessoren.

Linus Torvalds used Claude Code to rewrite how Linux reads cached files
Foto: Startup Fortune

Um diese Reibungsverluste zu umgehen, setzt der von der KI entworfene Code auf einen Read-Copy-Update-Mechanismus. Lesevorgänge finden dadurch innerhalb kritischer RCU-Abschnitte statt, wodurch das ständige Hoch- und Herunterzählen der Referenzen entfällt.

  • Einsatz von Claude Code zur Automatisierung von Code, Tests und Entwurf
  • Verwendung von RCU-Abschnitten zur Umgehung von Referenzzählungen
  • Ausrichtung auf die Behebung von Cache-Konflikten bei starker Parallelarbeit

Messungen auf dem Laptop und die Gegenüberstellung der Leistungswerte

Die von Torvalds auf seiner eigenen Hardware ermittelten Leistungswerte dokumentieren einen deutlichen Sprung bei bestimmten Mehrfachanfragen. Getestet wurde auf einem Intel Core i7-8565U-Notebook mit vier Kernen und acht Threads sowie deaktivierten CPU-Schutzmaßnahmen.

Test-Szenario Bisheriger Zustand (Base) Neuer Zweig (Series)
Durchsatz (8 Threads, selbe Datei) 9,9–10,4 Mio. Lesezugriffe/s 30–33 Mio. Lesezugriffe/s
Lese-Kosten (8 Threads, selbe Datei) ca. 2.950 Zyklen ca. 725 Zyklen
Load-HITM-Ereignisse (perf c2c) 30.538 101
Lese-Kosten (einzelner Thread) 452–454 Zyklen 408–409 Zyklen

Den enormen Gewinnen steht allerdings auch ein Kompromiss gegenüber.

Strenge menschliche Kontrolle und der Wandel im Umgang mit KI-Werkzeugen

Der offene Umgang mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz markiert einen bemerkenswerten Wendepunkt für den Chefentwickler, der im Mai 2026 beklagte, dass schlecht gemachte, automatisiert generierte Fehlermeldungen die Sicherheits-Mailinglisten fast unüberschaubar gemacht hatten.

Linus Torvalds uses Claude Code for Linux patches

Gleichzeitig zeigte er sich für zielgerichtete Entwicklerwerkzeuge offener und erklärte am 15. Juli 2026 öffentlich auf der Mailingliste seine Haltung zu entsprechenden Technologien.

Linus Torvalds erklärte: „Linux gehört nicht zu diesen Anti-KI-Projekten, und wenn jemand ein Problem damit hat, kann er das Open-Source-Prinzip nutzen und es forken. Oder sich einfach verziehen.

Linus Torvalds testet Claude Code für Linux-Kernel-Speicherverwaltung
Foto: winfuture.de

Zudem betonte Torvalds, dass die Verantwortung für den Code strikt bei den Menschen verbleibt. Entsprechend steuerte Torvalds das Tool als Assistenten, prüfte die Logik, und die Messungen wurden von ihm auf seiner eigenen Maschine ausgeführt.

Ein experimenteller Zweig und der Blick auf den kommenden Code-Merge

Der am 10. Oktober dokumentierte Commit trägt den Titel „mm: read from the page cache without folio referencesund umfasst acht Patches, die sich mit der Verwaltung der Speicherseiten befassen.

Michael Larabel berichtete am 12. Oktober im Phoronix-Magazin nach der Entdeckung der Branch im Repository von Torvalds über die Details. Es ist noch unklar, ob der Entwickler den Zweig für das anstehende Linux 7.4 Merge Window übernehmen wird.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.