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Le Canon Français: Gigantische Bankette sorgen für linke Kritik

Die Firma Le Canon Français organisiert in Frankreich massive „patriotische“ Bankette, die in Städten wie Colmar und Caen für politische Spannungen sorgen. Während Veranstalter eine harmlose Tradition feiern, wirft die linke Partei La France Insoumise (LFI) den Events vor, als Deckmantel für rechtsextreme Ideologien und rassistische Ausgrenzung zu dienen.

Die Inszenierung von Le Canon Français: Zwischen Folklore und Politik

Die Inszenierung von Le Canon Français: Zwischen Folklore und Politik
cluster (priority): rmc.bfmtv.com
In der elsässischen Stadt Colmar, bekannt für ihr mittelalterliches Zentrum, versammelten sich kürzlich rund 3.500 Teilnehmer zu einem der sogenannten „banquets géants“. Das Bild ist fast klischeehaft: Lange Tafeln, Männer in Baskenmützen und Hosenträgern, Frauen in traditionellen elsässischen Trachten. Es herrscht eine Atmosphäre der Kameradschaft, untermalt von den Liedern älterer Generationen, wie jenen von Michel Delpech oder Joe Dassin, die vor allem von Gästen in ihren 20ern und 30ern mitgesungen werden. Das Geschäftsmodell von Le Canon Français setzt auf eine Mischung aus lokalem kulinarischem Erbe und massenhaftem Gemeinschaftserlebnis. Die Kosten für die Teilnahme variieren leicht je nach Event: Während Yahoo berichtet, dass 81 Euro für ein Vier-Gänge-Menü aus lokaler Gastronomie und unbegrenztem Wein aufgewendet werden, nennt RMC für eine Veranstaltung in Caen einen Preis von 80 Euro. Serviert werden regionale Spezialitäten wie Choucroute, elsässische Käsesorten, Kougelhopf-Pudding oder in der Normandie Cidre und Camembert. Die Veranstalter betonen, dass sie lediglich eine alte französische Tradition wiederbeleben. Historisch gesehen gab es nach der Französischen Revolution sogenannte „banquets républicains“, die das neue System feierten, sowie jährliche „banquets populaires“ in fast jedem Dorf.

Die Vorwürfe der La France Insoumise: Ein „Schaufenster für Exzesse“

Die Vorwürfe der La France Insoumise: Ein „Schaufenster für Exzesse“
cluster (priority): britannica.com
Was für die Teilnehmer eine harmlose Feier ist, bewertet die radikal linke Partei La France Insoumise (LFI) als gefährliches politisches Instrument. Die Partei sieht in den Banketten eine gezielte Strategie zur Ausgrenzung. Ein zentraler Punkt der Kritik ist die Speisekarte: Da Schweinefleisch regelmäßig serviert wird, argumentiert LFI, dass die Feste bewusst so gestaltet seien, dass Muslime und Vegetarier ausgeschlossen werden. Schwerwiegender sind die Vorwürfe bezüglich des Verhaltens bei den Veranstaltungen. Die Euroabgeordnete Emma Fourreau von LFI berichtet von Vorfällen bei früheren Banketten in ganz Frankreich. „Es gab diese Art von Banketten überall in Frankreich, wobei sich jedes Mal Anwohner über Einschüchterungen oder Übergriffe beschwerten, ebenso wie über Nazi-Grüße und Aussagen wie ‚raus mit den Bougnoules‘.“ Emma Fourreau, Mitglied des Europäischen Parlaments (LFI) In Caen führte dies zur Gründung des Kollektivs „Décanoner le banquet normand“, das eine Petition zur Absage der dortigen Veranstaltung einreichte. Die Initiative bezeichnet das Event als „Schaufenster für ideologische Exzesse“.

Der Faktor Pierre-Edouard Stérin: Finanzierung als politisches Signal

"Stop à l’hystérie !" : le Canon Français sort du silence
Im Zentrum der Kontroverse steht nicht nur das Essen, sondern die Finanzierung. Der milliardäre Unternehmer Pierre-Edouard Stérin, der sein Vermögen im Sektor der Erlebnisgutscheine machte, ist Aktionär des Unternehmens. Stérin ist kein neutraler Investor; er leitet einen Think Tank, der ultra-konservative Ideen propagiert, darunter die Einschränkung der Immigration, die Beendigung von Abtreibungen und die Förderung des christlichen Erbes Frankreichs. Für LFI ist die finanzielle Verflechtung der Beweis für eine versteckte Agenda. Die Partei sieht darin einen kulturellen Kampf der extremen Rechten, um diese an die Macht zu bringen. „Wären sie gutgläubig gewesen, hätte Le Canon Français Stérin niemals als Investor akzeptiert. Aber sie haben es getan – sie haben sein Geld genommen. Und das liegt daran, dass sie dasselbe politische Ökosystem teilen, dessen Ziel es ist, die extreme Rechte an die Macht zu bringen.“ Emma Fourreau, Mitglied des Europäischen Parlaments (LFI) Fourreau warnt davor, die Situation naiv zu betrachten, und betont, dass Stérin ein klares Interesse daran habe, die extreme Rechte gewinnen zu lassen.

Die Verteidigung: „Apolitisches Unternehmen“ gegen staatliche Verbote

Die Verteidigung: „Apolitisches Unternehmen“ gegen staatliche Verbote
cluster (priority): yahoo.com
Die Gründer von Le Canon Français weisen sämtliche politische Instrumentalisierung zurück. Géraud de la Tour, einer der Mitbegründer, bezeichnet das Unternehmen explizit als „apolitisch“. Er betont, dass das Unternehmen Herrn Stérin persönlich nicht kenne und die Kritik an diesem ignoriert werden solle. „Unser Thema ist Frankreich: Wenn wir in der Normandie sind, servieren wir Cidre und Camembert. Dass die Leute sagen, das sei beauf oder franchouillard, ist nicht schlimm, aber sie sollen uns nicht diffamieren.“ Géraud de la Tour, Mitbegründer von Le Canon Français Diese Position wird von den lokalen Behörden gestützt. In Caen weigerte sich die Stadtverwaltung, die Veranstaltung zu verbieten. Die Begründung: Das Event finde nicht im öffentlichen Raum statt und es liege keine Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit vor. Die Verwaltung verwies darauf, dass die kommerzielle Entscheidung über die Programmierung beim Betreiber des Messegeländes liege.

Analyse: Die Symbolik des Tellers im Kulturkampf

Die Auseinandersetzung um Le Canon Français ist symptomatisch für die tiefe Polarisierung der französischen Gesellschaft. Es geht hier nicht primär um Gastronomie, sondern um die Definition von „Französischsein“. Während die Veranstalter und Teilnehmer die Bankette als Rückbesinnung auf eine nostalgische, ländliche Identität inszenieren, sieht die linke Seite darin eine bewusste Konstruktion einer exklusiven nationalen Identität, die Minderheiten systematisch ausschließt. Die Reaktion von LFI muss zudem im Kontext der aktuellen politischen Lage der Partei gesehen werden. Wie die BBC beschreibt, rile diese patriotischen Bankette die radikale Linke massiv auf. Gleichzeitig steht LFI selbst unter Druck; Vorwürfe politischer Gewalt und eine zunehmende Isolation im öffentlichen Diskurs prägen das Bild der Partei unter Jean-Luc Mélenchon. Wenn einfache Symbole wie Camembert oder Choucroute zum Politikum werden, zeigt dies, dass in Frankreich derzeit kaum noch ein Raum existiert, der nicht ideologisch besetzt ist. Die Bankette von Le Canon Français fungieren somit als Brennglas für einen größeren Konflikt: die Frage, ob traditionelle Folklore eine verbindende Kraft sein kann oder ob sie in einem pluralistischen Staat zwangsläufig zur Waffe der Ausgrenzung wird.
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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