Ein ungewöhnliches Tauziehen um die Gesundheit und die Ambitionen eines der größten Talente des deutschen Fußballs spaltet derzeit die Bayern-Welt. Auf der einen Seite steht die nüchterne, fast schon strenge Warnung von Oliver Kahn, der Jamal Musiala rät, auf die kommende Weltmeisterschaft zu verzichten. Auf der anderen Seite stehen sein Trainer Vincent Kompany und Experten wie Lothar Matthäus, die diesen Rat nicht nur für falsch, sondern schlichtweg absurd halten. Mitten in diesem Diskurs steht der 23-jährige Musiala selbst, der gerade erst versucht, nach einer verheerenden Verletzung wieder zu seiner alten Stärke zurückzufinden.
Musialas Antwort auf dem Rasen
Die beste Antwort auf die Zweifel der Kritiker lieferte Jamal Musiala am vergangenen Spieltag. Im 5:0-Sieg gegen den FC St. Pauli zeigte der Offensivstar, warum er für jede Mannschaft unverzichtbar ist. Musiala traf zum 1:0 und bereitete zudem den Treffer von Nicolas Jackson in der zweiten Halbzeit vor. Es war ein Auftritt, der wie eine Trotzreaktion wirkte und den Fans Hoffnung gab, dass der „Starboy“ zurückkehrt.
Für den FC Bayern war das Spiel zudem ein historischer Moment. Mit dem 5:0 knackten die Münchner einen Torrekord. Leon Goretzka steuerte das 102. Tor bei und schrieb damit Geschichte, auch wenn er es in dem Moment wohl gar nicht bemerkt hatte. Doch im Schatten dieses Rekords blieb die Diskussion um Musialas Fitness das dominierende Thema.
Die Warnung des Titans
Oliver Kahn, der ehemalige Vorstandsvorsitzende und legendäre Torhüter, sieht die Situation anders. In der Sky-Sendung „Triple – der Hagedorn Fußballtalk“ sprach er sich klar dafür aus, dass Musiala die WM sausen lassen sollte. Kahns Logik ist simpel: Wer nicht zu einhundert Prozent fit ist, schadet sich und dem Team. Er plädierte dafür, dass Musiala aus freien Stücken auf das Turnier verzichtet, um sich vollständig zu regenerieren und bereit für die Saison 2026/27 zu sein.
Kahn ist mit dieser Einschätzung nicht allein. Auch Sky-Experte Dietmar Hamann äußerte Bedenken. Er kritisierte, dass Musiala noch nicht in Form sei und fragte, ob es dem Spieler oder der Nationalmannschaft überhaupt helfe, ihn derzeit immer wieder einzusetzen. Hamann betonte, dass die Zeit dränge – es blieben nur etwa sieben Wochen bis zum Turnierstart.
Kompany lacht über die Skepsis
Vincent Kompany, der Trainer des FC Bayern, reagierte auf die Aussagen von Kahn mit einem lautstarken Lachen. Für den Belgier ist die Vorstellung, Musiala würde aufgrund von Fitnessbedenken zu Hause bleiben, undenkbar. Kompany erinnerte sich an Kahns eigene Mentalität während seiner aktiven Zeit: „Ich habe Oliver Kahn einmal im Training gesehen. Das war Wahnsinn. Der wäre mit einem gebrochenen Arm und gebrochenem Fuß zur WM geflogen.“
Damit übermittelte Kompany nicht nur ein Kompliment an den „Titanen“, sondern stellte klar, dass genau dieser unbedingte Wille auch bei Musiala vorhanden ist. Der Coach mahnte jedoch zur Geduld. Da Musiala von Juli bis Januar schwer verletzt fehlte, sei es normal, dass er noch nicht auf seinem absoluten Top-Niveau agiere. Ein guter Schritt sei gegen St. Pauli gemacht worden, doch der Weg zurück koste Zeit.
Matthäus schießt gegen Kahn
Während Kompany die Sache mit Humor nahm, wurde Lothar Matthäus deutlich schärfer. Der Sky-Experte bezeichnete Kahns Aussagen als „unverständlich“ und „überflüssig“. Matthäus erinnerte daran, dass Kahn als ehemaliger Boss des Vereins die Aufgabe hatte, sich vor seine Spieler zu stellen – und nicht, ihnen kurz vor einem Weltereignis zu raten, darauf zu verzichten.
Matthäus ist überzeugt, dass Musiala für die deutsche Nationalmannschaft in den USA, Kanada und Mexiko eine Schlüsselrolle spielen wird. Er betonte, dass Musiala aufgrund seines Ehrgeizes und seiner Qualität die nötige Form rechtzeitig finden werde. Dass er und Kahn unterschiedliche Meinungen hätten, sei übrigens nichts Neues.
Musiala selbst scheint die öffentliche Debatte weitgehend auszublenden. Auf die Frage, ob ein WM-Verzicht eine Option sei, antwortete er kurz und knapp: „Für mich nicht, nein.“ Er gab an, die Aussagen von Kahn nicht einmal gelesen zu haben. Sein Fokus liege darauf, erst den FC Bayern zu helfen und anschließfinish die Nationalmannschaft zum Weltmeister zu machen.
Wird Jamal Musiala tatsächlich zur Weltmeisterschaft reisen?
Alles deutet darauf hin. Sowohl der Spieler als auch sein Trainer Vincent Kompany befürworten die Teilnahme ausdrücklich. Sofern die körperliche Verfassung stabil bleibt, wird Bundestrainer Julian Nagelsmann ihn aufgrund seiner Qualität mit hoher Wahrscheinlichkeit nominieren.
Was genau war die Ursache für Musialas lange Ausfallzeit?
Musiala erlitt im vergangenen Sommer bei der Klub-WM in einem Spiel gegen PSG eine schwere Verletzung durch eine Kollision mit Torhüter Gianluigi Donnarumma. Er zog sich dabei einen Wadenbeinbruch sowie Bänderrisse im Sprunggelenk zu, was ihn von Juli bis Januar außer Gefecht setzte.
Welche Auswirkungen hat dieser Streit auf das Teamgefüge beim FC Bayern?
Es scheint weniger ein interner Konflikt als vielmehr eine externe Debatte zu sein. Während Kahn von außen rät, bilden Trainer Kompany und die Mannschaft eine geschlossene Front hinter Musiala. Die Reaktion von Kompany zeigt, dass die Kritik aus der Öffentlichkeit eher belächelt als ernst genommen wird.