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Technik und Wissenschaft

Klimawandel: Forscher melden zweitwärmsten Mai seit Beginn der Messungen

Der EU-Klimadienst Copernicus meldete am Mittwoch, dass der Mai 2026 weltweit der zweitwärmste Mai seit Beginn der Aufzeichnungen war. Die globale Durchschnittstemperatur lag bei 15,79 Grad und damit 1,4 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Besonders Europa litt unter einer extrem frühen und intensiven Hitzewelle mit zahlreichen Temperaturrekorden.

Die Daten zeichnen ein Bild, das weit über eine bloße statistische Abweichung hinausgeht. Zwar wurde die symbolisch bedeutsame 1,5-Grad-Schwelle erstmals seit 21 Monaten nicht überschritten, doch Klimawissenschaftler werten dies nicht als Entspannung. Es ist vielmehr ein kurzes Plateau in einem steilen Aufwärtstrend.

Die 1,5-Grad-Schwelle und das Risiko eines „Gangwechsels“

Mit einer globalen Durchschnittstemperatur von 15,79 Grad bewegt sich die Erde laut Berichten von stern.de weiterhin auf einem besorgniserregenden Niveau. Die Tatsache, dass die 1,5-Grad-Marke im Mai nicht geknackt wurde, bezeichnete Copernicus-Direktor Carlo Buontempo lediglich als „kurzen Durchschnaufen“ für den Planeten. Ein erneutes Überschreiten der Marke wird bereits für die nahe Zukunft erwartet.

„…nach dem wärmenden Effekt des Klimaphänomens El Niño im vergangenen Jahr nun eigentlich wieder mit niedrigeren Temperaturen zu rechnen gewesen wäre.

Die 1,5-Grad-Schwelle und das Risiko eines „Gangwechsels“
Photo: stern.de
Johan Rockström, Co-Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), via AFP

Diese Analyse rückt die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 in ein kritisches Licht. Während die internationale Gemeinschaft vereinbart hatte, die Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber 1,5 Grad zu begrenzen, scheint diese Grenze durch die anhaltende Nutzung fossiler Energieträger kaum noch haltbar. Die Projektionen sind drastisch: Basierend auf den Temperaturanstiegen der letzten 30 Jahre steuert die Erde darauf zu, die 1,5-Grad-Grenze ab Juni 2029 dauerhaft zu überschreiten.

Samantha Burgess vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage betonte die Dringlichkeit dieser Zeitlinie. Sie warnte, dass es nun nur noch vier Jahre bis zu diesem dauerhaften Durchbruch seien und man sich daher „nicht auf die zwei Grad zu verfallen, sondern sich auf die 1,51 Grad zu konzentrieren“ müsse, da jedes Zehntelgrad weitreichende Folgen für die globale Stabilität habe.

Rekordhitze in Europa und regionale Wetterextreme

In Europa manifestierte sich die Erwärmung im Mai 2026 durch einen abrupten Wechsel von unterdurchschnittlichen Temperaturen hin zu einer der intensivsten Hitzewellen, die jemals so früh im Jahr in Westeuropa beobachtet wurden. Laut Daten von zeit.de war der Mai in Europa der siebtwärmste seit Beginn der Messungen.

Copernicus climate report: Global temperature streak continues • FRANCE 24 English

Besonders hart traf es Frankreich, Großbritannien, Irland und Portugal. In Frankreich, England und Wales lagen die täglichen Temperaturen in der zweiten Monatshälfte im Schnitt mehr als zehn Grad über dem üblichen Durchschnitt. Frankreich verzeichnete damit den heißesten Mai seiner Geschichte.

Die gefühlte Temperatur, welche die Luftfeuchtigkeit einbezieht, erreichte in weiten Teilen Europas bis zu 40 Grad. Diese Entwicklung ist symptomatisch für eine neue Normalität, in der Klimaextreme nicht mehr die Ausnahme bilden.

  • Extreme Trockenheit: Weite Teile von West-, Mittel- und Osteuropa, einschließlich Italien und Spanien.
  • Starke Überschwemmungen: Türkei, Bulgarien und Moldau.
  • Überdurchschnittliche Feuchtigkeit (global): Nordamerika (Norden und Südosten), Asien (nördlich von Indien), Westchina, Teile Brasiliens, Südliches Afrika und Teile Australiens.
  • Extreme Trockenheit (global): Zentrale USA, Zentralasien, Madagaskar, Südwest-Australien und weite Teile Südamerikas.

Ozeanerwärmung und die Rückkehr von El Niño

Die Erwärmung beschränkt sich nicht auf das Festland. Die Meeresoberfläche verzeichnete im Mai einen globalen Durchschnitt von 20,79 Grad, den zweithöchsten Wert der Geschichte. Besonders kritisch sind die Messungen in „weiten Teilen des Nordostatlantik“, wo Rekordwerte gemessen wurden, sowie im Mittelmeer, das ebenfalls wärmer als im Durchschnitt war.

Ozeanerwärmung und die Rückkehr von El Niño

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem tropischen Pazifik. Dort wurden außergewöhnlich hohe Oberflächentemperaturen gemessen, was laut Copernicus darauf hindeutet, dass sich nahezu sicher ein neues El-Niño-Klimasystem zusammenbraut. Die Weltwetterorganisation (WMO) stützte diese Prognose bereits in der Vorwoche.

Die Auswirkungen eines El Niño sind global und oft gegensätzlich: Während Südamerika häufig mit mehr Regen und Überschwemmungen kämpft, neigen Australien und Indonesien zu extremer Trockenheit und Hitze.

Das Schmelzen Grönlands und die Geschwindigkeit des Verfalls

Ein alarmierendes Signal kommt aus der Arktis. Das Wissenschaftsnetzwerk World Weather Attribution (WWA) berichtete über einen massiven Rückgang des Eisschildes auf Grönland. Die Geschwindigkeit des Schmelzens erreichte zwischen dem 15. und 21. Mai ein Niveau, das weit über historischen Normen liegt.

Zeitraum Beobachtung (Grönland) Vergleichswert (1980–2010)
15. bis 21. Mai 2026 Massives Abschmelzen des Eisschildes 17-mal schneller als im Durchschnitt
Beschleunigung des Eisschild-Verfalls in Grönland im Mai 2026, laut WWA-Bericht via stern.de

Friederike Otto vom Londoner Imperial College und Co-Autorin des Berichts erklärte, dass diese Entwicklung ohne den menschengemachten Klimawandel „unmöglich“ gewesen wäre. Das Zusammenspiel aus steigenden globalen Durchschnittstemperaturen und regionalen Hitzepeaks beschleunigt den Verlust von Eismassen in einer Geschwindigkeit, die kaum noch durch natürliche Zyklen zu erklären ist.

Die Kombination aus einem neuen El Niño, Rekordtemperaturen in den Ozeanen und dem beschleunigten Schmelzen der Pole deutet darauf hin, dass die Erde in einem Zustand permanenter Instabilität verharrt. Die kommenden vier Jahre bis 2029 werden entscheidend sein, ob die Welt die 1,5-Grad-Marke als temporäres Ereignis oder als dauerhaften neuen Standard akzeptiert.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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