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Welt

Kim Jong-un besucht überraschend chinesische Grenzstadt Dandong

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat am Samstag überraschend die chinesische Grenzstadt Dandong besucht und ist dabei über die neu eröffnete Neue Yalu-Brücke gereist. Es handelt sich um seine erste bekannte Auslandsreise seit mehr als einem Jahr, die im Vorfeld des Jahrestags des chinesischen Koreakriegseintritts stattfand.

Überraschende Reise nach Dandong und die Nutzung der Neuen Yalu-Brücke

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un kehrte nach Angaben staatlicher chinesischer Medien am Samstag nach einem eintägigen Arbeitsbesuch in der chinesischen Grenzstadt Dandong in der Provinz Liaoning in seine Heimat zurück. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf Berichte aus Peking über die Visite, die weder von Pjöngjang noch von Peking im Voraus angekündigt worden war. Nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministeriums nutzte Kim für die Anreise seinen Sonderzug und überquerte dabei die erst kürzlich freigegebene Neue Yalu-Brücke.

Das 3.026 Meter lange Bauwerk verbindet Dandong mit der nordkoreanischen Stadt Sinuiju und war bereits im Jahr 2014 fertiggestellt worden. Wegen fehlender Anschlussstraßen und Zollanlagen auf nordkoreanischer Seite blieb die vierspurige Verbindung jedoch ein Dutzend Jahre lang ungenutzt, wie Türkiye Today anmerkt. Erst am 15. Oktober 2026 wurde die Brücke offiziell für den Güterverkehr freigegeben. Laut Xinhua kostete das Bauwerk China etwa 310 Millionen US-Dollar. Berichten zufolge reiste Kim von Pjöngjang in die nordkoreanische Grenzstadt Sinuiju, bevor er den Fluss überquerte. Laut Angaben des südkoreanischen Rundfunksenders KBS World markiert der Ausflug Kims erste Visite in der Volksrepublik seit mehr als zwölf Monaten. Regierungsangaben zufolge ließ der südkoreanische Geheimdienst (NIS) gegenüber einem parlamentarischen Ausschuss verlauten, dass im Internet kursierende Spekulationen über einen angeblichen Tod des Machthabers gänzlich unbegründet seien.

Kim Jong-un besucht überraschend chinesische Grenzstadt Dandong
Foto: ABC News & Headlines

Treffen mit Wang Huning und das Gedenken an den Koreakrieg

Während chinesische Staatsmedien wie Xinhua den Besuch bestätigten, gab es in den offiziellen Meldungen keine Erwähnung von direkten Gesprächen mit Staatschef Xi Jinping. Stattdessen begleitete der ranghohe chinesische Politiker Wang Huning den Gast aus Nordkorea vor Ort und verabschiedete ihn am Grenzübergang. Südkoreanische Parlamentsabgeordnete wie Youn Kun-young erklärten zudem, Kim sei mit dem chinesischen Premierminister Li Qiang zusammengekommen. Auch Chinas oberster Diplomat Wang Yi nahm nach Angaben von Xinhua an den Veranstaltungen teil.

Der Zeitpunkt der Visite fiel direkt vor den Jahrestag des Eintritts chinesischer Truppen in den Koreakrieg im Oktober 1950. Gemeinsam mit Wang Huning besuchte Kim einen lokalen Gedenkort für gefallene Soldaten sowie ein Auto-Werk in Dandong, um die historischen Bande zwischen den beiden Nachbarn zu betonen. Laut Berichten der amtlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA hielt Kim zuvor in Pjöngjang eine Versammlung von Kompanieleitern der Koreanischen Volksarmee ab, auf der er den Aufbau der stärksten Streitkräfte der Welt forderte.

North Korea’s Kim Jong Un visits China via newly opened bridge
Foto: Al Jazeera

Pyongyang steht bereit, gemeinsam mit China die historische Freundschaft fortzuführen und die praktische Zusammenarbeit auszubauen.

Kim Jong-un, via Xinhua

Handelswachstum, Sanktionen und geopolitische Verflechtungen

Experten werten die Öffnung der Brücke und Kims Visite als wichtigen Schritt zur Entlastung des bisherigen Engpasses an der alten Freundschaftsbrücke. Lu Chao von der Liaoning-Akademie der Sozialwissenschaften betonte gegenüber Reuters, dass damit ein zentrales Logistikhindernis im bilateralen Handel beseitigt sei. Chinesischen Zolldaten zufolge belief sich das bilaterale Handelsvolumen im Zeitraum der ersten neun Monate des Jahres 2026 auf 2,3 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 18,6 Prozent im Jahresvergleich entspricht. Dabei stiegen die Ausfuhren Chinas nach Nordkorea um 12,1 Prozent auf 1,8 Milliarden US-Dollar, während die Einfuhren aus dem Nachbarland um 50,4 Prozent auf 483,6 Millionen US-Dollar kletterten.

Gleichzeitig bleibt das Verhältnis von den engen Beziehungen Pjöngjangs zu Moskau geprägt. Nach Angaben aus diplomatischen Berichten eröffnete Nordkorea im September gemeinsam mit Russland die erste Straßenbrücke an ihrer gemeinsamen Grenze, womit das Land seither direkt an seine beiden wichtigsten Verbündeten angebunden ist. Experten wie Yang Moo-jin, ehemaliger Präsident der südkoreanischen Universität für nordkoreanische Studien, erklärten gegenüber AFP, dass Kim mit dem aktuellen Besuch möglicherweise darauf abgezielt habe, Peking zu schnelleren Fortschritten bei den Vereinbarungen zu drängen, die zuvor bei Xi Jinpings Nordkorea-Besuch getroffen worden waren. Yang fügte hinzu, Kim habe zudem versuchen können, Chinas aktive Unterstützung und Kooperation im Vorfeld eines möglichen Gipfeltreffens mit US-Präsident Donald Trump zu gewinnen.

Kim Jong-un besucht überraschend chinesische Grenzstadt Dandong
Foto: The Diplomat

Spekulationen über mögliche Gipfeltreffen und Spekulationsgerüchte

Der öffentliche Auftritt diente in Südkorea auch dazu, haltlose Gerüchte über den angeblichen Tod des Machthabers im Internet zu zerstreuen, welche der südkoreanische Geheimdienst NIS zuvor entschieden zurückgewiesen hatte. Zudem spekulieren südkoreanische Beobachter, dass der Besuch ein positives Signal für einen möglichen neuen Anlauf zu Gesprächen mit den Vereinigten Staaten sein könnte, insbesondere im Vorfeld des APEC-Gipfels im November im chinesischen Shenzhen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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