Ryanair-Chef Michael O’Leary warnt vor dem historisch stärksten Anstieg der Flugpreise in Europa für das kommende Jahr. Aufgrund drastisch steigender Kerosinkosten und schwindender Absicherungen könnten Tickets 2027 um bis zu 20 Prozent teurer werden. Gleichzeitig reduziert die Airline ihr Angebot in Belgien als Reaktion auf dortige Steuererhöhungen.
Historischer Preisanstieg bei Flugtickets ab 2027
Flugreisende müssen sich auf eine deutliche Verteuerung einstellen. Michael O’Leary, Vorstandsvorsitzender von Ryanair, prognostiziert für die kommenden zwölf Monate den „stärksten Anstieg der Flugpreise, den es jemals in Europa gegeben hat“. Die Preise könnten gegenüber 2026 um 10 bis 20 Prozent anziehen, so die Einschätzung des Managers bei einer Pressekonferenz in Brüssel. Dieser Anstieg, so O’Leary, sei keine angekündigte Pauschalerhöhung, sondern eine Prognose auf Basis der Marktlage.”
Laut Daten des Airlineverbandes IATA stiegen die Preise in Europa zuletzt auf 207,61 Dollar je Barrel. Zum Vergleich: Vor Ausbruch des Iran-Kriegs kostete ein Barrel Kerosin noch weniger als 100 Dollar. Während viele Fluggesellschaften im Jahr 2026 noch von langfristigen Preissicherungen, sogenannten Hedging-Kontrakten, profitierten, laufen diese Schutzmechanismen nun aus. Ryanair ist für den Zeitraum ab April 2027 nur noch zu 15 Prozent gegen Preisschwankungen abgesichert, zu einem Preis von 85 US-Dollar pro Barrel. Zum Vergleich: Im laufenden Zeitraum bis März 2027 waren noch 80 Prozent des Bedarfs zu rund 67 US-Dollar pro Barrel abgesichert.
Belgien-Kürzungen als Reaktion auf Steuerpolitik
Parallel zur globalen Preisentwicklung verschärft Ryanair ihr Angebot in Belgien. Das Unternehmen kündigte am 20. Oktober 2026 an, 20 Flugverbindungen zu streichen und sechs Flugzeuge aus dem Winterflugplan abzuziehen. Der unmittelbare Auslöser ist die Entscheidung der belgischen Regierung unter Premierminister Bart De Wever, die staatliche Luftverkehrsteuer im Januar 2027 von 2,00 Euro auf 7,00 Euro pro Fluggast anzuheben – eine Steigerung um 250 Prozent.
Die Airline bezeichnet diesen Schritt als schädlich für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und verlagert die Kapazitäten in wirtschaftlich attraktivere Märkte. Durch den Wegfall von 1,1 Millionen Sitzplätzen sind insbesondere die Flughäfen Brüssel-Charleroi und Zaventem betroffen. Zu den gestrichenen Strecken gehören unter anderem Verbindungen nach Sarajevo, Dubrovnik, Béziers, Genua, Reggio Calabria, Trapani, Essaouira, Nador, Oujda, Tétouan, Łódź, Poznań, Warschau-Modlin und Newcastle. Nach Angaben von Ryanair sollen die Änderungen die Treibstoffkosten um bis zu 100 Millionen Euro senken. Die Verlagerung der sechs Flugzeuge wird vom Unternehmen als eine Investition von 600 Millionen US-Dollar bewertet.
Branchenweiter Druck und Konsolidierung
Die Belastung durch Kerosinpreise betrifft die gesamte europäische Luftfahrtbranche. Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr deutete Ende September 2026 an, dass der Konzern bereits im laufenden Jahr mehr für Treibstoff ausgeben wird als noch im Sommer prognostiziert. Er wäre froh, wenn es bei den zuletzt genannten Mehrkosten von 1,5 Milliarden Euro bliebe.

Der Branchenverband IATA registriert, dass die Kerosinpreise in Europa um 2,5 Prozent auf 207,61 Dollar zulegten. Diese Entwicklung hat bereits zu ersten Marktaustritten geführt: Die US-Billigfluggesellschaft Spirit Airlines ist zusammengebrochen, während die lettische AirBaltic und die spanische Volotea Gläubigerschutz beantragen mussten. Condor-Chef Gerber unterstrich, dass es zwar keine Lieferengpässe gebe, die hohen Preise aber die Margen unter Druck setzen.
Ausblick für Passagiere und Investoren
Ryanair-Aktien notierten am 20. Oktober 2026 nach der Ankündigung der Belgien-Kürzungen bei 22,41 Euro, was einem Rückgang von 2,14 Prozent gegenüber dem Xetra-Schluss vom Vortag entspricht.

Für Reisende bleibt die Situation unsicher.
| Kennzahl | Entwicklung/Prognose |
|---|---|
| Erwarteter Preisanstieg (Tickets) | 10 bis 20 Prozent |
| Ryanair-Absicherung (ab April 2027) | 15 Prozent des Bedarfs |
| Belgische Ticketsteuer (ab Jan. 2027) | 7,00 Euro (zuvor 2,00 Euro) |
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