US-Anleiherenditen steigen nach der Bestätigung von Kevin Warsh als Fed-Chef und neuen Inflationssorgen stark an. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 5,337 Prozent. Gleichzeitig belasten geopolitische Spannungen und Zinserwartungen die internationalen Finanzmärkte und Aktienindizes.
Die internationalen Finanzmärkte geraten massiv unter Druck. Nach der Bestätigung von Kevin Warsh als nächster Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve und im Zuge neuer Inflationsdaten haben die Anleiherenditen in den Vereinigten Staaten historische Marken erreicht. Wie aus offiziellen Daten hervorgeht, erzielte das US-Finanzministerium bei einer Auktion von 30-jährigen Anleihen einen hohen Ertrag von 5,337 Prozent, während das Volumen beträchtlich war. Damit kletterten die langfristigen Kreditkosten in den USA auf ein Niveau, das seit der Zeit vor der globalen Finanzfinanzkrise im Jahr 2007 nicht mehr verzeichnet wurde. Zum Zeitpunkt des Berichts am Donnerstag handelten US-30-Jahres-Bonds bei 5,337 Prozent, während zehnjährige Noten mit einer hohen Rendite verkauft wurden.
Kevin Warsh übernimmt die Fed in einer schwierigen Phase
Der Zeitpunkt der Anleiheauktion und die damit verbundenen Marktreaktionen fallen unmittelbar mit personellen Veränderungen an der Spitze der amerikanischen Zentralbank zusammen. Wenige Stunden vor dem Verkauf wählte der US-Senat den ehemaligen Notenbankgouverneur Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell zum neuen Fed-Vorsitzenden. Die Marktentwicklungen unterstreichen den enormen Druck, unter dem die politischen Entscheidungsträger angesichts steigender Teuerungsraten stehen. Kevin Warsh nimmt die Federal Reserve in einem kritischen Moment für die US-Wirtschaft in Empfang. Der ehemalige Morgan-Stanley-Banker und Fed-Gouverneur hat sich in der Vergangenheit dafür ausgesprochen, die Glaubwürdigkeit der Zentralbank in Bezug auf die Inflation zu wahren, und gleichzeitig Unterstützung für Reformen der Kommunikationsstrategie und der Bilanzpolitik des Instituts signalisiert.
Analysten zufolge sehen sich Marktteilnehmer mit einer Gemengelage aus robuster Wirtschaftsdynamik, hohen Energiepreisen und anhaltender staatlicher Neuverschuldung konfrontiert. Angesichts einer Staatsverschuldung nähert sich die Bundesfinanzierung erheblichen Belastungen. Investoren zeigen sich zunehmend besorgt, dass eine Kombination aus resilientem Wirtschaftswachstum, erhöhten Energiepreisen und anhaltender staatlicher Kreditaufnahme den Inflationsdruck trotz zweier Jahre restriktiver Geldpolitik aufrechterhalten könnte.
Gewerbliche und geopolitische Preistreiber heizen die Inflation an
Haupttreiber für die gestiegene Teuerung sind die anhaltenden Störungen auf den globalen Energiemärkten. Die Auswirkungen neuer Kampfhandlungen im Iran trieben die Energiepreise in die Höhe und entfernten die Inflationsrate deutlich von der Zwei-Prozent-Zielmarke der Notenbank. Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise in den USA. Auch Erzeugerpreisdaten verwiesen auf anhaltende zugrundeliegende Kostenbelastungen in der gesamten Wirtschaft, was die Erwartungen verstärkte, dass die Zentralbank Schwierigkeiten haben könnte, die Geldpolitik rasch zu lockern.

Zusätzlich sorgte eine Rede von Warsh kurz vor dem Notenbankertreffen in Jackson Hole für neue Zinsspekulationen, in der er sich als Kämpfer gegen die weiter hohe Inflation positionierte und sich von der Praxis der „Forward Guidance“ verabschiedete. Daten der Terminbörse Chicago zeigten, dass fast 62 Prozent der Händler mit Zinserhöhungen rechneten, während 38 Prozent von gleichbleibenden Zinsen ausgingen; vor einer Woche waren die Wahrscheinlichkeiten noch umgedreht. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen kletterte zeitweise um sechs Basispunkte auf 4,73 Prozent, während dreißigjährige Papiere sich der Marke von 5,34 Prozent näherten. Kurz laufende US-Staatsanleihen fielen stark im Kurs, wodurch die Rendite zeitweise um 14 Basispunkte auf 4,37 Prozent stieg, ehe die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen am Montag auf 4,33 Prozent fiel.”

„Warsh hat ein wichtiges Signal gesendet: Die Fed ist bereit, die Geldpolitik weiter zu straffen, sollte die Kerninflation ins Stocken geraten“, sagte Elwin de Groot, Chef-Anlagestratege der Rabobank. Mark Haefele, Chef-Anleger der Vermögensverwaltung der Bank UBS, betonte dagegen, er gehe weiterhin davon aus, dass die Fed den Leitzins im laufenden Jahr nicht antasten werde, da jüngste Konjunkturdaten auf einen nachlassenden Inflationsdruck hindeuteten. Investoren taxierten die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung im September inzwischen auf 60 Prozent – etwa doppelt so hoch wie vor Warshs Rede am Freitag.”
Auswirkungen auf europäische Anleihemärkte und die EZB
Der Zinsdruck aus den Vereinigten Staaten strahlt spürbar auf Europa aus. Commerzbank-Anleihestratege Rainer Guntermann erklärte: „Insgesamt können sich Bundesanleihen dem Gegenwind aus den USA nicht entziehen.“ Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte bis auf 3,29 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2011, während die zweijährige Anleihe mit 2,90 Prozent den höchsten Wert seit Juli 2024 erreichte. Die richtungweisenden 30-jährigen deutschen Papiere kletterten auf ein 15-Jahres-Hoch von 3,797 Prozent.”
Im Euroraum gehen Experten von einer Teuerungsrate von 2,9 Prozent aus, die damit deutlich über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank von 2,0 Prozent liegt. Dies sollte die Währungshüter in ihrem Vorhaben bestärken, kommende Woche den Leitzins anzuheben, was am Markt allerdings schon „fast vollständig eingepreist“ ist.”
Reaktionen an den Aktienmärkten und Branchen im Fokus
Neue Kampfhandlungen im Iran und Spekulationen auf steigende Zinsen bereiteten der Rally an den europäischen Aktienmärkten ein vorläufiges Ende. Der deutsche Leitindex fiel bis zum Handelsschluss um 1,2 Prozent auf 26.258 Zähler, nachdem er erst am Freitag ein Rekordhoch bei 26.619 Punkten markiert hatte. Auch MDax und Euro Stoxx 50 wurden durch gestiegene Ölpreise ins Minus gedrückt, während Anleger mit Verkäufen auf die hohen Ölpreise und Zinsspekulationen reagierten.

Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst bei der Consorsbank, schrieb: „Gleich zu Wochenbeginn haben es Anleger mit genau den Themen zu tun, die sie seit Wochen umtreiben: den Sorgen vor steigender Inflation und ungelösten geopolitischen Fragen sowie der Angst, dass die amerikanische Notenbank bald die Zinsen anheben könnte.“ Mit dem September als historisch schwächstem Börsenmonat des Jahres werde sich noch zeigen müssen, ob sich der Dax auch dann gegen den typischen saisonalen Trend stemmen kann. Am Montag war Siemens Energy nach Verlusten der KI-Branche an der Wall Street und in Asien mit einem Abschlag von fast 5 Prozent schwächster Wert im Dax, und auch Aixtron verzeichnete Verluste. Dagegen gab ein Großauftrag dem Raumfahrtkonzern OHB Rückenwind.”
Auch interessant