Zwei katholische Bischöfe haben sich nach einem unangekündigten Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Oval Office öffentlich distanziert. Sie erklärten, dass die von der Verwaltung im Wahlkampf veröffentlichten Aufnahmen ohne ihre Zustimmung entstanden seien und als politisches Manöver missbraucht wurden.
Das Oval-Office-Treffen und die umstrittene Video-Veröffentlichung
Ein unangekündigter Besuch von zwölf katholischen Bischöfen und Erzbischöfen im Weißen Haus hat heftige Reaktionen ausgelöst. Das Treffen fand am 22. Oktober statt. Die Aufnahme zeigte die Geistlichen im Oval Office, wie sie den sitzenden US-Präsidenten Donald Trump umringten und über ihm beteten.
Catholic Archbishops and Bishops pray with President Trump in the Oval Office ❤️ pic.twitter.com/facV5wTGQQ
Die Veröffentlichung des Videomaterials erfolgte nur knapp zwei Wochen vor den bevorstehenden Midterm-Wahlen am 3. November, die über die Kontrolle des Kongresses entscheiden. Während das Weiße Haus das Treffen in den Vordergrund stellte, reagierten mehrere Kirchenvertreter mit deutlicher Distanzierung. Sie betonten, dass der Termin ursprünglich als nicht-öffentliche und vertrauliche Gesprächsrunde zu politischen Anliegen geplant war. Die Einladung an die Bischöfe war im September ausgesprochen worden, und das Treffen wurde vom White House Faith Office organisiert, nicht von der United States Conference of Catholic Bishops.
Die Reaktionen von Erzbischof Grob und Bischof Joensen
Der Erzbischof von Milwaukee, Jeffrey Grob, veröffentlichte am Sonntag eine öffentliche Entschuldigung. Er erklärte, dass er und seine Mitbrüder in gutem Glauben gekommen waren, um über Sorgen wie die Einwanderungspolitik, religiöse Visa, die Nutzung von Steuergutschriften für Privatschulen und den Schutz des Lebens zu sprechen. Stattdessen seien sie hinter den Schreibtisch des Präsidenten dirigiert und ohne ihr Wissen gefilmt worden.
Not politics. This is policy in action ending with meaningful Prayer with & for the President. He welcomes prayer in the Oval Office regularly- on & off camera. People of faith have a VOICE @potus @whitehouse Faith Office. This is not just a “photo op” These are Catholic… pic.twitter.com/8Tt3TjDU8C
Ich verspüre eine schwere Traurigkeit, nicht nur über den Schmerz, den ich verursacht habe, sondern auch über die Tatsache, dass etwas so Heiliges für eine Gruppe religiöser Führer, das Gebet zu unserem Himmlischen Vater, auf diese Weise manipuliert wurde.
Erzbischof Jeffrey S. Grob, Milwaukee
Auch der Bischof von Des Moines, William Joensen, äußerte sich kritisch und bedauerte seine Teilnahme. An dem rund dreistündigen Termin im Weißen Haus nahmen neben den zwölf Bischöfen auch Stabschefs und Berater der Regierung sowie die langjährige Glaubensberaterin des Präsidenten, Paula White-Cain, und Mario Enzler als katholischer Verbindungsmann zu den Bischöfen in Washington, D.C. teil.
Verteidigung durch das Weiße Haus und das Argument des Gebets
Die Regierungszentrale wies die Vorwürfe einer rein kalkulierten Inszenierung zurück. Auf entsprechende Anfragen äußerte sich die Sprecherin des Weißen Hauses, Taylor Rogers, und betonte die Verdienste des Präsidenten für die katholische Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten.
Es hat nie einen großartigeren Präsidenten für katholische Amerikaner gegeben als Präsident Trump, und seine starke Bilanz beweist es.
Taylor Rogers, Sprecherin des Weißen Hauses
Der Denverer Erzbischof James Golka, der das Gebet im Oval Office angeführt hatte, verteidigte seine Teilnahme ebenfalls und betonte, dass es die Pflicht von Katholiken sei, für ihre politischen Führer zu beten, unabhängig von eventuellen Meinungsverschiedenheiten.
Politische Spannungen und sinkende Zustimmungswerte bei katholischen Wählern
Aktuelle Umfragen des Pew Research Center zeigen, dass die Zustimmungswerte für Donald Trump unter katholischen US-Bürgern seit Beginn seiner zweiten Amtszeit von 47 Prozent auf rund 30 Prozent im Oktober 2026 gesunken sind. Bei weißen Katholiken sank die Zustimmung im selben Zeitraum von 59 auf 39 Prozent, bei hispanischen Katholiken von 31 auf 18 Prozent. Die Wählerschaft zeigt sich vor den Wahlen gespalten; laut derselben Erhebung bevorzugten 42 Prozent der befragten katholischen registrierten Wähler demokratische Kandidaten für das Repräsentantenhaus, während 39 Prozent republikanische Kandidaten favorisierten.
Analysten wie der Politikprofessor John White von der Catholic University of America weisen darauf hin, dass die Bilder im Wahlkampf den Eindruck einer stillschweigenden Unterstützung erwecken konnten. Die Bischöfe der Vereinigten Staaten lehren, dass die Kirche keinen Kandidaten oder keine Partei unterstützen darf.