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Welt

Kaliningrad: Russland baut massives Überhorizont-Radar

Russland baut in der Ostsee-Enklave Kaliningrad ein gewaltiges Over-the-Horizon-Radarsystem auf, das nach Auswertung von Satellitenbildern weite Teile des europäischen Luftraums überwachen kann. Die neuen Antennenanlagen bei Gwardejsk erreichen Längen von über 500 Metern und ergänzen ein bereits bestehendes Netzwerk militärischer Aufklärung und elektronischer Kriegsführung an der Nato-Ostflanke.

Das neue Fernradar bei Gwardejsk und seine Reichweite über Europa

Nahe der Stadt Gwardejsk entsteht ein strategischer Überwachungskoloss. Die Anlage im zentralen Teil der russischen Exklave besteht aus drei sternförmig angeordneten Reihen von Antennenmasten, die jeweils mehr als 500 Meter lang sind und von einem doppelten Zaun gesichert werden. Satellitenbilder des finnischen Erdbeobachtungsdienstleisters Iceye dokumentieren den Baufortschritt des Überhorizont-Radars.

Das System arbeitet mit Funkwellen, die an der oberen Atmosphäre reflektiert werden. Dadurch lassen sich Ziele weit hinter der normalen Sichtlinie orten. Berichten zufolge ermöglicht diese Technik Erfassungsbereiche von 900 bis 3.000 Kilometern. Damit geraten neben Polen und Deutschland auch Frankreich und Großbritannien in den Radius der Anlage.

Strategischer Ausbau der Exklave zum Aufklärungsknoten

Die Radaranlage ist Teil einer umfassenden Aufrüstung des gesamten Gebietes. Nach Angaben aus Auswertungen von Iceye-Daten stehen in Kaliningrad bereits mehr als 20 Standorte für Signalaufklärung und elektronische Kriegsführung. In der Nähe von Tschernjachowsk befindet sich zudem eine große kreisförmige Antennenanlage. Diese Systeme dienen dem Abfangen von Satellitenkommunikation, der Erkennung von Flugbewegungen und ballistischen Raketen sowie dem Stören von Funksignalen.

Auch an anderen Punkten der russischen Westgrenze wird die Infrastruktur modernisiert. In Karelien an der finnischen Grenze entstehen neue Kasernen und Ausbildungsanlagen, während ein Ausrüstungsdepot nördlich von Petrosawodsk reaktiviert wurde. Am Militärflugplatz Kaliningrad-Tschkalowsk wurden geschützte Unterstände für Kampfflugzeuge errichtet, um Maschinen gegen Drohnenangriffe abzusichern.

Einschätzungen zur militärischen Bedeutung und Störung des zivilen Verkehrs

Geopolitik-Experten ordnen das Vorhaben als weitreichende Machtdemonstration ein. Die strategischen Anlagen dienen als tägliche Machtdemonstration, erklärt der Experte Klemens Fischer mit Blick auf die Lage der Exklave zwischen den Nato-Staaten Polen und Litauen. Zwar seien Überhorizont-Radarsysteme nicht so präzise wie klassische Radaranlagen und könnten keine eigenen Waffen steuern, doch hebeln sie durch den Einfallswinkel von oben ein fundamentales Limit herkömmlicher Systeme aus. Dadurch werden auch tieffliegende Objekte und Tarnkappenflugzeuge wieder sichtbar.

Kaliningrad: Russland baut massives Überhorizont-Radar
Foto: Tagesspiegel

Dadurch, dass die Radarsignale bei OTH-Systemen von oben auf das Ziel fallen, können auch tieffliegende Ziele erfasst werden, die ansonsten im Radarschatten der Erde oder hinter Gebirgsketten verschwinden.

Klemens Fischer, Geopolitik-Experte, via Blick

Parallel dazu belastet die elektronische Kriegsführung in der Region den zivilen Verkehr. Litauischen Behörden zufolge betreibt Russland in der Region mindestens 36 Antennen für sogenanntes Spoofing. Dabei werden GPS-Signale und Navigationsdaten verfälscht, was den Schiffsverkehr und die zivile Luftfahrt im Nordosten Europas beeinträchtigt.

Geheime Schiffskonvois und maritime Überwachung in der Ostsee

Die Satellitenüberwachung erfasst zudem maritime Transportwege. Iceye-Daten belegen regelmäßig Konvois mit militärischer Fracht durch die Ostsee. Schiffe schalten demnach auf bestimmten Routen ihr automatisches Identifikationssystem aus oder geben falsche Ziele an, um ihre Wege zu verschleiern. So fuhr das sanktionierte Frachtschiff Sparta mit mutmaßlichen Militärfahrzeugen von Baltijsk nach Syrien, begleitet von Kriegsschiffen der russischen Marine wie dem Zerstörer Admiral Lewtschenko.

Satellitendaten russland ruestet im ostseeraum auf
Foto: tixio
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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