Das belgische Unternehmen Ardo schließt sein Tiefkühlgemüse-Werk im niederösterreichischen Groß-Enzersdorf im August 2027 endgültig. Betroffen sind rund 190 feste Mitarbeiter und 50 Leiharbeitskräfte sowie hunderte Landwirte im Marchfeld, die rund 80 Prozent des österreichischen Tiefkühlgemüses erzeugen und nun um ihre wirtschaftliche Existenz bangen.
Die geplante Schließung des Standorts im Bezirk Gänserndorf markiert das vorläufige Ende einer jahrzehntelangen landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette in der Region. Im Frühling 2027 folgt die Nudel-Linie, ehe die Logistik bis Sommer heruntergefahren wird und die Tore im August schließen.
Streit um Bilanzen und verweigerte Hilfsangebote
Ardo begründete den Schritt mit anhaltenden wirtschaftlichen Verlusten von im Schnitt rund fünf Millionen Euro jährlich seit 2023, trotz Investitionen von rund 50 Millionen Euro seit der Übernahme im Jahr 2008 laut dem Schweizer Bauern. Angebote der österreichischen Politik sowie finanzielle Unterstützungen von Bund und Land wurden vom Konzern abgelehnt, da man den Standort nicht mehr in die Gewinnzone führen könne wie der ORF berichtete.
Folgen für den Handel und drohende Spinatlücke
Die Auswirkungen treffen nicht nur die 190 Beschäftigten und 50 Leiharbeitskräfte unmittelbar gemäß Angaben von oe24, sondern auch rund 500 bäuerliche Betriebe im Marchfeld, die auf etwa 3.300 Hektar Rohware anbauen wie das Portal Exxpress anmerkt. Da das Werk in Groß-Enzersdorf über die einzige Anlage Österreichs für Blattgemüse verfügt, hat der Stopp bereits spürbare Folgen auf den Feldern hinterlassen.
Der Herbstanbau von Winterspinat für die Ernte im kommenden Frühjahr wurde von vielen Landwirten aus Sorge vor fehlenden Abnehmern gestrichen wie die Tageszeitung Heute festhält. Der Kurier betonte, dass heimischer Tiefkühlspinat dadurch voraussichtlich nur noch bis Oktober 2027 in den Kühlregalen verfügbar sein wird.
Supermarktketten und Markenhersteller suchen Alternativen
Die heimischen Handelskonzerne reagieren auf das Aus und bauen neue Bezugsquellen auf. So erklärte Spar, dass man kein ausländisches Tiefkühlgemüse des belgischen Unternehmens für Eigenmarken beziehen will und stattdessen die Partnerschaft mit Schneider’s Gemüseland in Groß-Enzersdorf massiv ausbaut Wir konnten mit Schneider’s Gemüseland bereits fix vereinbaren, dass sie in Zukunft beinahe alle Spar-Tiefkühl-Gemüseprodukte produzieren werden
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Auch andere große Marktteilnehmer wie die Billa-Mutter Rewe wollen weiterhin konsequent auf Tiefkühlgemüse aus Österreich setzen. Die Marke Iglo, die seit mehr als 60 Jahren Gemüse aus dem Marchfeld bezieht, führt erste Gespräche mit potenziellen Partnern, um die regionale Verarbeitung langfristig vor Ort zu sichern.
Politische Rettungsversuche und offene Sozialplanverhandlungen
Parallel zu den Anpassungen im Handel laufen intensive Gespräche zwischen Bund, Land und potenziellen Investoren an einer alternativen Produktionslösung berichtet Heute. Agrana-Chef Stephan Büttner brachte in diesem Zusammenhang das Areal der ehemaligen Zuckerfabrik in Leopoldsdorf als Logistik- und Infrastrukturstandort ins Spiel wie die BauernZeitung ausführt, während eine Online-Petition zur Rettung der heimischen Tiefkühlgemüse-Produktion bereits mehr als 100.000 Unterschriften zählt bestätigte der Betriebsrat.

Unterdessen beraten Gewerkschaften wie PRO-GE und GPA mit dem Unternehmen über einen verbesserten Sozialplan für die betroffenen Arbeitnehmer wie Austria.com meldet. Die heurige Ernte soll laut Unternehmensangaben noch vollständig verarbeitet und teilweise bis weit in das kommende Jahr eingelagert werden bestätigte ein Unternehmenssprecher.
Die Gewerkschaften fordern zudem die Einrichtung einer permanenten Arbeitsstiftung in Niederösterreich, um die Betroffenen bei der Arbeitssuche optimal zu unterstützen. Laut den Vorsitzenden Reinhold Binder und Barbara Teiber trage das Unternehmen trotz des Schließungsbeschlusses die Verantwortung für die Belegschaft. In den laufenden Verhandlungen über den Sozialplan wird eine spürbare Nachbesserung des ersten Angebots verlangt.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig kritisierte die Pläne des Konzerns scharf als schweren Schlag für den Wirtschaftsstandort Österreich. Es sei völlig unverständlich, dass Ardo die angebotene Hilfe ausschlage und die Produktion stattdessen aus dem Ausland beliefern wolle, statt kurze Wege zu nutzen. Die Bundesregierung arbeite mit Hochdruck an Alternativen, um den heimischen Gemüsebau langfristig abzusichern.
Auch Vertreter der Zivilgesellschaft und kirchliche Organisationen schalten sich in die Debatte ein. So forderte der Präsident der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien, Reinhard Bödenauer, die ernsthafte Prüfung einer Genossenschaftslösung, um bäuerliche Familienbetriebe vor dem Ruin zu bewahren. Angesichts der ungesicherten Zukunft für die 500 Zulieferbetriebe drängt die Zeit, da die Planungen für die kommenden Anbauzyklen bereits jetzt vorgenommen werden müssen.
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