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Welt

Nato-General: Bündnis wäre Russland im Ernstfall deutlich überlegen

Nato-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich hat in Warschau eine neue dreistufige Verteidigungsstrategie vorgestellt. Der US-General betonte, dass die Allianz Russland im konventionellen Ernstfall deutlich überlegen ist. Das Konzept soll mit klaren Phasen von der Abwehr bis zum Gegenschlag auf dem Territorium des Angreifers abschrecken.

Die Sicherheitsarchitektur an der europäischen Ostflanke bekommt ein neues, öffentlich kommuniziertes Fundament. Bei einer stark beachteten Rede auf dem Sicherheitsforum in Warschau präsentierte US-General Alexus Grynkewich am Montag eine bisher in wesentlichen Teilen geheime Vereinbarung des Bündnisses aus rund drei Monaten zuvor. Unter dem Titel theory of victory legt das Militärbündnis dar, wie auf einen großangelegten Angriff reagiert werden soll gemäß den Ausführungen des Oberbefehlshabers.

Die dreistufige Abwehrstrategie von Block, Blunt und Break

Das Konzept gliedert sich in drei präzise Phasen, die im Ernstfall naht- und rücksichtslos ineinandergreifen sollen. Ziel der ersten Stufe mit der Bezeichnung Block ist es, feindliche Formationen direkt an der Grenze durch schnelle Manöver zu binden und im Idealfall zu vernichten. Kein alliiertes Territorium darf besetzt und als Verhandlungsmasse missbraucht werden, wie die Planungen vorsehen.

Sollte der Gegner dennoch weiter vorrücken, greift die zweite Phase namens Blunt. Dabei sollen fortschrittliche Sensoren, autonome Systeme und Drohnen über kurze sowie mittlere Distanzen den Schwung des Angreifers dämpfen laut der strategischen Einordnung. Grynkewich orientiert sich hierbei an den klassischen Lehren des Militärtheoretikers Carl von Clausewitz, wonach der Angreifer an einen Kulminationspunkt gebracht werden muss, an dem er operativ handlungsunfähig ist.

Als letztes Mittel folgt die Phase Break. Greift der Gegner weiter an, werden Kommandoposten, Nachschubwege und das gesamte feindliche Hinterland attackiert erläuterte der General im Interview. Obwohl Grynkewich es bei seiner Präsentation in Warschau nicht im Detail explizit ausführte, umfasst das Konzept damit operativ auch Angriffe auf dem Territorium des Gegners berichten Beobachter.

Konventionelle Überlegenheit und der Schattenkrieg im Bündnisgebiet

In Interviews mit Medien betonte Grynkewich unmissverständlich die militärische Stärke des Bündnisses gegenüber Moskau.

Nato-General: Bündnis wäre Russland im Ernstfall deutlich überlegen
Foto: FOCUS online

Moskau verfüge weder über moderne F-35-Kampfjets noch über die Masse an modernen Zerstörern oder U-Booten, die dem Bündnis zur Verfügung stehen erklärte der Vier-Sterne-General. Weil diese konventionelle Abschreckung wirkt, suche Kremlchef Wladimir Putin keinen direkten militärischen Konflikt. Stattdessen setze er auf andere Methoden wie Sabotage, Brandstiftungen oder Terrorattacken, um die Bevölkerung zu verunsichern.

Angesichts jüngster Vorfälle wie dem vereitelten Brandanschlagversuch auf ukrainische Frachtmaschinen am Flughafen Leipzig warnte der General vor Verharmlosungen. Allein der Versuch sei eine gravierende Grenzüberschreitung gewesen bemerkte der US-Militärkommandeur. Gleichzeitig stellte er klar, dass die Allianz keinerlei politischen Umsturz oder eine strategische Niederlage Russlands insgesamt anstrebe. Die Schutzmaßnahmen blieben auf die Verteidigung des eigenen Territoriums beschränkt wie in Warschau bekräftigt wurde.

Politische Einordnung zwischen Abschreckung und Entwarnung

Die Veröffentlichung der Strategie dient einem doppelten Zweck: Der Beruhigung der verunsicherten Bevölkerung an der Ostflanke und der unmissverständlichen Abschreckung Moskaus analysierte der ehemalige Nato-General Erhard Bühler. Im Ernstfall müssten die Truppen dabei nicht auf langwierige Beschlüsse zur Aktivierung von Artikel 5 warten, sondern könnten direkt aus dem Stand agieren bestätigen die operativen Planungen.

Während das Militär mit dem Konzept Handlungsfähigkeit demonstriert, gibt es auf politischer Ebene teils differenzierte Töne zur aktuellen Akuteinschätzung. So erklärte Nato-Generalsekretär Mark Rutte bei Auftritten, dass derzeit keine unmittelbare Bedrohung durch einen russischen Angriff auf Bündnisterritorium bestehe berichteten Medien über seine Aussagen. Geheimdienste kalkulieren jedoch weiterhin, dass Moskau spätestens um das Jahr 2030 wieder militärisch zu einem größeren Krieg in der Lage sein könnte weshalb die Vorbereitungen an der Ostgrenze unter Leitung von Staaten wie Polen und mit Unterstützung der Bundeswehr konsequent vorangetrieben werden.

FULL DISCUSSION: NATO General on Russia Threat, Ukraine War and Article 5 Commitment | AH1C
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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