Die Internationalen Filmfestspiele von Venedig haben ihre ursprünglich gestrichene Eröffnungs-Pressekonferenz nach heftigen Irritationen in der Branche doch wieder in den Zeitplan aufgenommen. Das Festival steht vor seiner 83. Ausgabe, die vom 2. bis zum 12. September auf dem Lido stattfindet und von intensiven politischen Debatten über den Gaza-Krieg begleitet wird.
Kehrtwende beim Festival in Venedig: Jury-Pressekonferenz findet statt
Kurz vor dem Start der 83. Internationalen Filmfestspiele von Venedig sorgte eine organisatorische Änderung für Aufsehen in der internationalen Filmbranche wie das Schweizer Radio und Fernsehen berichtete. Zunächst hatten Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das US-Magazin Deadline
gemeldet, dass die traditionelle Eröffnungs-Pressekonferenz der Jury gestrichen worden sei. Ein solcher Schritt ist bei einem Filmfestival dieser Größenordnung äußerst unüblich.
Die Festivalleitung begründete den Schritt zunächst mit Terminkonflikten, was in der Filmwelt jedoch auf Skepsis stoss. Branchenkenner spekulierten prompt, ob die Entscheidung vielmehr mit den politisch hochgradig aufgeladenen Pressekonferenzen bei zurückliegenden Filmfestivals zusammenhängen könnte. Bereits am folgenden Tag vollzog das Festival jedoch eine Kursänderung.
Die Schatten der Berlinale und die Sorge vor politischen Eklats
Die kurzfristige Absage und das schnelle Einlenken der Festivalleitung beleuchten die angespannte Atmosphäre auf großen Filmfestivals, bei denen der Nahostkonflikt und der Gaza-Krieg zunehmend im Mittelpunkt stehen.

Besonders die Berlinale im Februar geriet in die Schlagzeilen, als Jury-Präsident Wim Wenders auf eine Frage zum Gaza-Krieg antwortete, Filmschaffende müssten sich aus der Politik heraushalten, da sie ein Gegengewicht dazu bildeten. Die Aussagen lösten tagelange Kontroversen, offene Briefe und Proteste aus. Auch in Venedig war der Konflikt im vergangenen Jahr bereits ein zentrales Thema, insbesondere durch den Film The Voice of Hind Rajab
über ein getötetes palästinensisches Mädchen, dessen Regisseurin Kaouther Ben Hania den zweitwichtigsten Preis gewann. In diesem Jahr sitzt Ben Hania selbst in der Wettbewerbsjury, die von der US-Schauspielerin und Regisseurin Maggie Gyllenhaal angeführt wird.
Der Wettbewerbsfilm „Naza“ und der Druck von Aktivisten
Zusätzliche Brisanz erhält das Programm durch den spät in den Wettbewerb aufgenommenen Film Naza
. Im Programmverzeichnis wird der Film mit der Beschreibung angekündigt, er zeige im Detail die Mechanismen hinter Israels Kriegführung in Gaza.

Parallel dazu macht sich die Initiative Venice4Palestine
auf dem Festivalgelände bemerkbar.
Stars, Eröffnung und Ausblick auf das Festivalprogramm
Ungeachtet der politischen Spannungen verspricht das Festival auf dem Lido auch in diesem Jahr hochkarätige Premieren und prominente Gäste. Die 83. Filmfestspiele beginnen am Mittwoch, dem 2. September, mit der Weltpremiere des Boulevardmedien-Dramas Ink
von Regisseur Danny Boyle. Auf dem roten Teppich werden zahlreiche internationale Stars wie Robert Pattinson, Rooney Mara, George Clooney und Penélope Cruz erwartet. Clooney und die US-Schauspielerin Ellen Burstyn erhalten jeweils einen Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk, der an George Clooney bereits während der Eröffnungszeremonie überreicht wird.
Das Festival bietet neben dem Hauptwettbewerb zahlreiche Sektionen wie Orizzonti, Venice Spotlight, Venice Classics und Venice Immersive.
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