Zehn Jahre lang war Steffy Goldner die einzige Frau im Orchester der New Yorker Philharmoniker. Nun zeigt das Jüdische Museum Wien eine multimediale Installation der Künstlerin Nives Widauer, die vom 20. Oktober 2026 bis zum 22. März 2027 im Project Space an die Wiener Harfenistin erinnert.
Vom Wiener Musikerinnendasein zum amerikanischen Traum
Steffy Goldner wurde im Jahr 1896 in einer jüdischen Familie in Wien geboren, wobei alle Geschwister ebenfalls Musiker wurden.
Im Jahr 1921 brach die Künstlerin, gerade einmal Mitte 20, mit großem Gepäck, einer Harfe und ein paar Empfehlungsschreiben in ihrer Heimat als gefeierter Star zu einem Passagierschiff nach New York auf, um dort den amerikanischen Traum zu verwirklichen. Bereits ein Jahr später, 1922, wurde sie als erste Musikerin in das Orchester der New Yorker Philharmoniker aufgenommen. Als einzige Frau gehörte sie dem renommierten Ensemble zehn Jahre lang an. Im Jahr 1930 nahm sie an der ersten internationalen Tournee des Orchesters teil, die sie als erste Station auch nach Wien führte und bei der der eigens für den Transport gefertigte Harfenkasten als Reiseobjekt mitreiste.
Karriereende für die Ehe und ein traditionelles Schicksal
Später beendete Steffy Goldner ihre Karriere, um stattdessen Hausfrau und Managerin ihres Mannes, des Dirigenten Eugene Ormandy, zu werden. Dieser Weg endete mit einem Schicksal, das für Frauen allzu typisch war, und die Installation nutzt diese Geschichte, um auf die Ungleichheiten hinzuweisen, mit denen Frauen im Kunst- und Kulturbereich damals wie heute zu kämpfen haben. Nach ihrem Ausscheiden dauerte es 25 bis 34 Jahre, bis die New York Philharmoniker wieder weibliche Mitglieder in ihr Ensemble aufnahmen. In dieser späteren Zeit reiste das Ehepaar oft nach Wien, um die Familie Goldner zu besuchen.
Der originale Harfenkasten als Projektionsfläche im Jüdischen Museum Wien
Die in Basel geborene Künstlerin Nives Widauer, die seit den 1980er-Jahren in den Bereichen Installations- und Videokunst, Malerei und Skulptur arbeitet und heute in Wien lebt, stieß im Rahmen früherer Projekte auf die Geschichte. Nach einer Begegnung mit einem Philharmoniker-Vorstand auf einer Hütte im Juragebirge durfte Widauer das Orchester mit der Kamera auf Reisen begleiten, woraufhin 2017 der Band „Special Cases“ bei Hatje Cantz erschien. Im selben Jahr erwartete sie vor dem Österreichischen Kulturforum New York die Lieferung von Instrumentenkisten zum gemeinsamen 175-Jahr-Jubiläum der Wiener und der New Yorker Philharmoniker. Da ein Kasten nicht rechtzeitig eintraf, überließen die New York Philharmonic Archives als Kooperationspartner den Harfenkasten von Steffy Goldner als Leihgabe, was den Ausgangspunkt für das aktuelle Werk bildete.”
Der Weg vom Projekt ‚special cases‘ mit den Wiener Philharmonikern zur Installation ‚The special case of Steffy Goldner‘ war und ist voller Entdeckungen und interessanter Begegnungen.
Foto: DiePresse.com
Nives Widauer, Künstlerin
Das Jüdische Museum Wien, ein Museum der Wien Holding, zeigt die Ausstellung „The Special Case of Steffy Goldner: Die erste Frau der New Yorker Philharmonikerim Project Space in der Dorotheergasse 11 im 1010 Wien.
Der namensgebende „Special Case“ fungiert in der Installation im Doppelsinn als Spezialfall sowie als spezieller Kasten, den die Künstlerin als Projektionsfläche für historische Fotos der Musikerin sowie für Videos nutzt, in denen Ausschnitte aus ihren Briefen und Tagebüchern über die hölzerne Hülle und das Futteral huschen. Darüber hinaus dient der Kasten als Behausung einer Person mit Perlenkette, einem Paar Schuhe und einem immer wieder erneuerten Hauch Chanel No. 5, was laut Widauer darauf anspielt, dass Goldner den lebensgroßen Kasten tatsächlich als Umkleidekabine benutzen musste, da eine eigene Garderobe für die bis dahin nicht vorhandenen Musikerinnen natürlich ebenfalls fehlte.”
Sophie Krueger leitet das Unterhaltungsressort von Germanic Nachrichten. Ihr Schwerpunkt liegt auf Film, Streaming, Popkultur und prominenten Entwicklungen mit redaktioneller Einordnung und sauberer Quellenlage.
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