Der Finanzchef der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB), Luca Pertoldi, tritt per 30. Juni 2026 aus der Geschäftsleitung zurück. Wie die Bank am 25. Juni mitteilte, übernimmt Pascal Berli die Funktion interimistisch. Pertoldi bleibt als interner Berater für strategische Projekte tätig und begleitet die geplante Liquidation der Nachhaltigkeits-Tochter Radicant als Verwaltungsrat.
Der Abschied von Luca Pertoldi und die Interimslösung
Nach rund fünf Jahren in der Geschäftsleitung beendet Luca Pertoldi seine Tätigkeit als CFO der Basellandschaftlichen Kantonalbank. Der Rücktritt erfolgt zum 30. Juni 2026. Laut einer Mitteilung von finews.ch übernimmt Pascal Berli, bisher stellvertretender Leiter des Geschäftsbereichs Finanz- & Riskmanagement, die Aufgabe interimistisch. Berli ist seit etwa fünf Jahren bei der BLKB tätig und bringt Erfahrung im Risikomanagement mit.

Die Bank hat den offiziellen Nachfolgeprozess für die CFO-Position bereits gestartet. In der Struktur einer Kantonalbank ist die Rolle des Chief Financial Officer (CFO) zentral, da er nicht nur die finanzielle Steuerung übernimmt, sondern auch die Einhaltung regulatorischer Vorgaben und die Überwachung der Risikopositionen verantwortet. Während die offizielle Kommunikation den Schritt als Chance zur beruflichen Neuorientierung nach intensiven Monaten darstellt, zeichnet sich im Hintergrund ein deutlich schärferes Bild der Ereignisse ab.
Das Radicant-Debakel: 200 Millionen Verlust und die Numarics-Affäre
Hinter dem Rücktritt steht eines der größten finanziellen Fiaskos in der jüngeren Geschichte der Kantonalbank: die Nachhaltigkeits-Tochter Radicant. Laut der Berichterstattung von Inside Paradeplatz hat die BLKB mit Radicant fast 200 Millionen Franken versenkt.

Radicant wurde als digitale Plattform für nachhaltiges Banking positioniert, um eine jüngere, ESG-orientierte (Environmental, Social, and Governance) Zielgruppe zu erschließen. Ein zentraler Auslöser für den Absturz war jedoch die Übernahme des Zürcher Fintechs Numarics. Die Vorwürfe wiegen schwer: Numarics soll in einem sogenannten Excel-Sweatshop in Pristina, Kosovo, ein modernes Fintech-Image vorgetäuscht haben. Von Tausenden Treuhandkunden seien nur wenige Hundert echt gewesen.
In einem Akquisitionsprozess dieser Größenordnung ist die Due-Diligence-Prüfung – die detaillierte Untersuchung der finanziellen und operativen Substanz des Zielunternehmens – entscheidend. Pertoldi, der als Finanzchef die Bücher hätte prüfen müssen, empfahl seinen Vorgesetzten den Kauf von Numarics. Diese Entscheidung führte dazu, dass die Verluste von Radicant massiv anstiegen, da die erwartete technologische Basis und Kundenbasis nicht existierten.
Vor einem Jahr reagierte die Regierung mit drastischen Maßnahmen: Der Präsident und der CEO der BLKB mussten gehen, und die Abwicklung von Radicant wurde eingeleitet. Da die BLKB eine öffentlich-rechtliche Anstalt ist, haben solche Verluste nicht nur Auswirkungen auf die Bilanz, sondern stehen unter besonderer politischer Beobachtung, da die Bank durch die Staatsgarantie des Kantons Basel-Landschaft abgesichert ist.
Die Rolle als interner Berater: Strategischer Fokus oder Gesichtsrettung?
Trotz der massiven Verluste verlässt Pertoldi die Bank nicht vollständig. Er wird als interner Berater für die BLKB tätig sein, mit einem Schwerpunkt auf strategischen Projekten zur Profitabilität und Ertragssteigerung. In dieser neuen Funktion berichtet er direkt an CEO Alexandra Scriba. Zudem bleibt er im Verwaltungsrat der Radicant Holding, um die geplante Liquidation der Tochtergesellschaft zu begleiten.

Diese Konstruktion wirkt aus analytischer Sicht wie ein gesichtswahrender Abgang. Die Beibehaltung einer beratenden Funktion nach einem massiven finanziellen Fehlgriff ist in der Schweizer Bankenbranche unüblich, insbesondere wenn die Person direkt für die Empfehlung der problematischen Akquisition verantwortlich war. Während die Geschäftsleitung Pertoldi für seine Beiträge zum finanziellen Erfolg der Bank in den vergangenen Jahren lobt, hinterfragt Inside Paradeplatz, warum eine der zentralen Figuren des Radicant-Debakels weiterhin in einer beratenden Funktion bezahlt wird.
„Nach zuletzt intensiven Monaten ist für Luca Pertoldi der richtige Moment gekommen, sich Zeit für eine berufliche Neuorientierung zu nehmen.“
Alexandra Scriba, CEO der BLKB, via finews.ch
Reaktion der Märkte und die SIX-Notierung
Die Nachricht über den abrupten Rücktritt schlug unmittelbar auf den Aktienkurs nieder. Wie finanzen.ch berichtete, notierte die BLKB-Aktie an der SIX zeitweise 1,38 Prozent tiefer bei 1.075 Franken.
Der Kursrückgang spiegelt die Unsicherheit der Anleger wider, die nun beobachten, wie die Bank die Aufarbeitung der Radicant-Verluste vorantreibt. Aktien von Kantonalbanken gelten im Vergleich zu kommerziellen Banken oft als stabil, da sie stark regional verankert sind und durch staatliche Garantien gestützt werden. Ein plötzlicher Rückgang in Verbindung mit personellen Wechseln in der Finanzleitung signalisiert dem Markt jedoch ein erhöhtes Governance-Risiko.
Die strategische Neuausrichtung unter CEO Scriba steht nun vor der Herausforderung, das Vertrauen in die finanzielle Aufsicht des Instituts wiederherzustellen. Die kommenden 30 Tage werden entscheidend sein: Die Bank muss nicht nur eine permanente Nachfolge für den CFO finden, sondern auch beweisen, dass die internen Kontrollmechanismen nach dem Numarics-Fehlgriff ausreichend verschärft wurden. Dass Pertoldi die Liquidation von Radicant begleitet, ist operativ sinnvoll, um Wissen über die komplexen Strukturen der Tochtergesellschaft zu bewahren, unterstreicht aber gleichzeitig die tiefe Verflechtung der Verantwortlichen mit dem gescheiterten Projekt.
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