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Iranischer WM-Auftakt in USA – Aufwühlendes Remis, Infantino-Kabinenbesuch, sofortige Ausreise

Die iranische Nationalmannschaft trennte sich am 16. Juni 2026 in Los Angeles 2:2 von Neuseeland. Das Spiel im SoFi Stadium war geprägt von massiven Protesten der iranischen Diaspora und logistischen Schwierigkeiten, die dazu führten, dass das Team unmittelbar nach dem Abpfiff nach Mexiko ausreisen musste, während FIFA-Präsident Gianni Infantino die Kabine besuchte.

Logistik-Chaos und das „unterdrückteste Team der Welt“

Der sportliche Ausgang des Spiels gegen Neuseeland trat in den Hintergrund, als die iranische Delegation die Bedingungen ihres Aufenthalts in den USA kritisierte. Laut einem Bericht von SRF mussten die Spieler unmittelbar nach dem Spiel den etwa 250 Kilometer langen Flug nach Tijuana in Mexiko antreten. Eine geplante Regenerationseinheit in Los Angeles wurde nicht gestattet. Nationaltrainer Amir Ghalenoei äußerte sich auf der Pressekonferenz frustriert über die mangelnde Kontrolle über die eigenen Abläufe. Er gab an, dass man nicht wisse, warum die Mannschaft sofort zurückgeschickt werde, und bezeichnete die Situation als befremdlich.

Wir sind das am meisten unterdrückte Team der Welt.

Amir Ghalenoei, Nationaltrainer des Iran Die Frustration betrifft nicht nur die Reisepläne. Ghalenoei wies darauf hin, dass der Verbandspräsident sowie mehrere Funktionäre und Journalisten nicht vor Ort sein konnten. Kapitän Mehdi Taremi ergänzte gegenüber den Medien, dass die Rahmenbedingungen ein „Desaster“ seien. Er forderte mehr Unterstützung von der FIFA, nachdem FIFA-Präsident Gianni Infantino die Kabine besucht und Hilfe zugesagt hatte.

Die Schlacht der Symbole im SoFi Stadium

Die Schlacht der Symbole im SoFi Stadium
Photo: Watson
Bereits vor dem Anpfiff verwandelte sich das Umfeld des Stadions in Inglewood in eine politische Arena. Während ein Teil der Fans die aktuelle Flagge der Islamischen Republik trug, schwenkten zahlreiche Exil-Iraner die historische Flagge mit dem Löwen- und Sonnenmotiv, die vor der Revolution von 1979 verwendet wurde. Die Verwendung dieser historischen Flagge war laut Watson gerichtlich untersagt. Der Oberste Gerichtshof des Bezirks Los Angeles hatte kurz vor dem Spiel entschieden, dass das Verbot bestehen bleibt. Richter Curtis A. Kin begründete dies damit, dass die Meinungsfreiheit zwar „heilig“ sei, aber auf privatem Grund in angemessener Weise geregelt werden müsse. Trotz des Verbots waren die Löwen-Flaggen im Stadion omnipräsent. Die politische Spannung entlud sich während der Nationalhymne in lautstarken Pfiffen und Buhrufen, während viele Zuschauer sich demonstrativ vom Spielfeld abwandten.

Mohebis Pistolen-Geste und die gespaltene Diaspora

Die Konfrontation zwischen dem Team und den Regimegegnern erreichte einen Höhepunkt nach dem Ausgleichstreffer zum 2:2. Mohammad Mohebi, Stürmer vom russischen Erstligisten Rostow, bejubelte sein Tor mit einer Pistolen-Geste. Wie Blick berichtet, wurde diese Geste in den sozialen Medien als gezielter Angriff auf die Tribünen interpretiert, auf denen die Oppositionsflaggen wehten. Außerhalb des Stadions war die Stimmung noch aggressiver. Demonstranten bezeichneten die Nationalmannschaft als verlängerten Arm der Revolutionsgarde, die von den USA und der EU als terroristische Vereinigung eingestuft wird.

Das Mullah-Team ist nicht unser Team. Das Mullah-Team ist ein Terrorist. Die Revolutionsgarde ist ein Terrorist. Nieder mit dem terroristischen Regime der Islamischen Republik. Regimewechsel im Iran. Terroristen raus aus dem Iran!

Mohebis Pistolen-Geste und die gespaltene Diaspora
Photo: Ntv
Vorsängerin einer Demonstration vor dem SoFi Stadium, via n-tv.de Payam, ein Anführer der Proteste, erklärte gegenüber n-tv.de, dass die Mannschaft nicht das iranische Volk repräsentiere, sondern von der Revolutionsgarde aufgestellt worden sei. Die Demonstranten forderten von der FIFA den Ausschluss des Teams, um zu verhindern, dass sich das Regime durch den Sport „reinwasche“.

Infantinos Diplomatie im Schatten des Friedensabkommens

Die Anreise des Teams war bis kurz vor dem Turnier ungewiss, nachdem es Ende Februar zu US-amerikanischen Angriffen auf den Iran gekommen war. FIFA-Präsident Gianni Infantino präsentierte sich dabei als zentraler Vermittler. Er behauptete vor dem Turnier, er habe dem Land die Teilnahme versprochen und sein Wort gehalten. Die sportliche Reise fand zeitgleich mit einer politischen Annäherung statt: Am Sonntag wurde ein Friedensabkommen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Iran bekannt. Während Infantino versuchte, die Wogen in der Kabine zu glätten, stieß dieser Deal bei den Regimegegnern auf Ablehnung. Payam kritisierte den Vertrag als naiv und warnte, dass das Regime ein „verletztes Wesen“ sei, das zurückbeißen werde. Die Diskrepanz zwischen der offiziellen Diplomatie und der Realität vor Ort zeigt sich in der Logistik. Trotz des Friedensabkommens erhielten einige Teammitglieder keine Visa, und die Mannschaft musste auf Unterkünfte in Mexiko ausweichen, obwohl alle drei Gruppenspiele in den USA ausgetragen werden. Für den Iran bleibt die Situation prekär. In Gruppe G stehen alle vier Teams nach dem ersten Spieltag mit einem Punkt gleichauf. Die kommenden Begegnungen gegen Belgien in Los Angeles und Ägypten in Seattle werden unter ähnlichen politischen Vorzeichen stehen. Die Mannschaft muss nun beweisen, ob sie die psychische Belastung der „Unterdrückung“, wie Trainer Ghalenoei es nennt, in sportlichen Erfolg ummünzen kann.

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Photo: Blick
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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