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Welt

Iran sperrt Straße von Hormus erneut – USA-Verstöße und israelische Angriffe als Begründung

Das iranische Militär hat die Straße von Hormus am Samstag, den 20. Juni 2026, erneut für den Schiffsverkehr gesperrt. Teheran begründet diesen Schritt mit israelischen Angriffen im Libanon und wirft den USA vor, gegen Vereinbarungen zur Beendigung des Iran-Krieges verstoßen zu haben. Die Sperrung gefährdet ein Fünftel des weltweiten Rohölhandels.

Iran wirft USA Treuebruch vor

Die Entscheidung zur erneuten Blockade der strategisch entscheidenden Meerenge fiel überraschend. Laut Tagesschau verkündete das iranische Militärkommando die Sperrung über das Staatsfernsehen. Teheran sieht in den jüngsten israelischen Militäraktionen im Libanon eine direkte Verletzung des Rahmenabkommens, das erst diesen Mittwoch zwischen den USA und dem Iran unterzeichnet wurde. Das Militärkommando bezeichnete die Blockade als einen ersten Schritt. Die iranische Führung wirft den USA Böswilligkeit vor und behauptet, Washington habe

„eindeutig gegen ihre Verpflichtung verstoßen“, den Krieg zu beenden.

Iran wirft USA Treuebruch vor
Photo: Spiegel
Iranisches Militärkommando, via Die Zeit Die Drohungen reichen über die reine Schifffahrtsbehinderung hinaus. Teheran stellte klar:

„Sollte die Aggression anhalten, sind weitere Schritte geplant“.

Iranisches Militärkommando, via Tagesschau Diese Rhetorik signalisiert eine massive Eskalationsbereitschaft, falls die militärischen Aktivitäten im Südlibanon nicht sofort enden.

Eskalation im Libanon als Auslöser

Eskalation im Libanon als Auslöser
Photo: BILD
Der unmittelbare Auslöser für die Sperrung ist ein Zusammenbruch der Sicherheitslage im Libanon. Obwohl sich Israel und die Hisbollah erst am Freitag auf eine Feuerpause geeinigt hatten, kam es in der Nacht zum Samstag zu neuen Kampfhandlungen. Wie WELT berichtet, feuerte die Hisbollah laut Angaben der israelischen Armee 50 Projektile auf israelische Soldaten im Süden des Libanon ab. Israel reagierte mit Angriffen auf Stellungen der Miliz, insbesondere im Gebiet um Nabatija, einer bekannten Hisbollah-Hochburg. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete, dass Kampfjets und Drohnen eingesetzt wurden. Infolge dieser Angriffe starben nach libanesischen Angaben mindestens 16 Menschen. Für den Iran ist dies kein isolierter Zwischenfall, sondern ein Beweis für die Nichtumsetzung des Waffenstillstandsabkommens. Teheran kritisiert insbesondere den ausbleibenden Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon.

Diplomatische Pattsituation in der Schweiz

Parallel zur militärischen Eskalation versuchen Diplomaten in der Schweiz, eine Lösung zu finden. Ein iranisches Verhandlungsteam soll dort Gespräche mit US-Vertretern führen. Diese Reise war ursprünglich für Freitag geplant, wurde jedoch aufgrund der Kämpfe im Libanon verschoben. Die US-Seite ist bereits präsent. Laut DIE ZEIT befinden sich die Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner vor Ort. US-Vizepräsident JD Vance kündigte an, ebenfalls in den nächsten Tagen in die Schweiz zu reisen, räumte jedoch ein, dass die diplomatischen Protokolle ein heikles Unterfangen seien. Die Einschätzungen aus Washington und Teheran klaffen weit auseinander. Während der Iran die Blockade als notwendiges Druckmittel einsetzt, zeigte sich JD Vance gegenüber Fox News zunächst skeptisch bezüglich einer tatsächlichen Schließung. Er äußerte sich zuversichtlich, dass

„wir die Waffenruhe aufrechterhalten könne“.

Diplomatische Pattsituation in der Schweiz
Photo: WELT

This follows our earlier report, G7-Gipfel in Frankreich: US-Iran-Abkommen und Hormus-Öffnung im Fokus.

For more on this story, see Iran blockiert Straße von Hormus erneut nach kurzem Freigabe.

JD Vance, US-Vizepräsident, via Tagesschau Diese Zuversicht kollidiert mit den Berichten vom Boden. Während die US-Regierung logistische Schwierigkeiten als Grund für verschobene Gespräche nannte, berichten Medien im Umfeld der Hisbollah, dass Teheran die Entsendung seiner Delegation bewusst verzögerte.

Globale Energieversorgung und feststeckende Flotten

Globale Energieversorgung und feststeckende Flotten
Photo: DIE ZEIT
Die wirtschaftlichen Folgen der Sperrung sind unmittelbar spürbar. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt; in Friedenszeiten wird hier etwa ein Fünftel des weltweit geförderten Rohöls sowie große Mengen an Flüssiggas und Düngemitteln verschifft. Die aktuelle Lage für die Schifffahrt ist prekär:
  • Gesamtzahl: Mehr als 500 Handelsschiffe stecken derzeit im Persischen Golf fest, so die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO), wie Spiegel berichtet.
  • Deutsche Flotte: Der Verband Deutscher Reeder (VDR) schätzt, dass rund 45 Schiffe deutscher Unternehmen die Region vorerst nicht verlassen können.
  • Hapag-Lloyd: Die Reederei hat vier Charterschiffe im Golf. Ein Sprecher betonte, dass eine Passage erst erfolgen werde, wenn die Sicherheit gewährleistet sei.
Die Situation vor Ort ist widersprüchlich. Während die iranische Behörde für die Straße von Hormus auf X behauptete, die Durchfahrt sei unter bestimmten Bedingungen und nach vorherigem Antrag weiterhin möglich, berichten andere Quellen von einer aggressiveren Vorgehensweise. Laut BILD soll die iranische Revolutionsgarde (IRGC) bereits Warnschüsse abgegeben und Schiffe per Funk aufgefordert haben, das Gebiet zu meiden. Die Weltwirtschaft blickt nun auf die Schweiz. Sollten die Verhandlungen zwischen den US-Unterhändlern und der iranischen Delegation scheitern, droht eine langfristige Blockade, die die globalen Energiepreise massiv unter Druck setzen könnte. Die ersten Schiffe, die nach dem Abkommen dieser Woche bereits wieder durch die Meerenge fuhren, mussten ihre Route abrupt stoppen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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