Trotz strenger US-Sanktionen hat sich die auf einer schwarzen Liste geführte chinesische Inspur Group über eine kalifornische Tochtergesellschaft Zugang zu fortschrittlichen Nvidia-Grafikprozessoren verschafft. Wie Recherchen zeigen, lieferte das in Fremont ansässige Unternehmen Aivres Systems hochentwickelte KI-Server im Wert von rund 100 Millionen US-Dollar nach Indonesien, während die Server-Auslastung fernab der physischen US-Exportgrenzen in Shanghai gesteuert wurde.
Die US-Exportkontrollen für Künstliche Intelligenz stoßen auf erhebliche Lücken, wenn Unternehmen ihre Strukturen anpassen, statt ihren Betrieb einzustellen. Im März 2023 setzte das US-Handelsministerium die Inspur Group wegen angeblicher Unterstützung der chinesischen Militärmodernisierung auf die sogenannte Entity List. Nur zwei Monate später zeigten kalifornische Unterlagen, dass aus Inspur Systems das Unternehmen Aivres Systems wurde, wie die Unternehmensrecherche bei Startup Fortune belegt. Der Name änderte sich, doch die geschäftlichen Aktivitäten blieben bestehen. Aivres führte die Arbeit der chinesischen Muttergesellschaft nahtlos fort und baute ein globales Netzwerk auf, um Chinas aufstrebende KI-Industrie mit Rechenleistung zu versorgen.
Millionengeschäft mit Nvidia-Chips in Jakarta und Fremont
Ein zentrales Element dieses Netzwerks war ein groß angelegter Serververkauf. Aivres verkaufte 32 Server-Racks vom Typ Nvidia GB200 an den indonesischen Telekommunikationsbetreiber Indosat Ooredoo Hutchison in einem Deal im Wert von etwa 100 Millionen US-Dollar. Jedes dieser GB200-NVL72-Racks ist mit 72 Blackwell-GPUs bestückt, was die Gesamtzahl der gelieferten Chips auf rund 2.304 Einheiten beziffert. Die Installation dieser Server erfolgte im Oktober 2025 in einem Rechenzentrum in Jakarta.
Die physische Präsenz von Aivres in den Vereinigten Staaten ist beträchtlich. Im Mai 2025 teilte die Stadt Fremont mit, dass das Unternehmen mehr als 270.000 Quadratfläche an der Kato Road für Produktion, Tests sowie Forschung und Entwicklung angemietet hatte. Während die Inspur Group selbst sanktioniert ist, wurde Aivres bei früheren behördlichen Schritten zunächst nicht direkt aufgeführt, obwohl Inspur Electronic Information Industry — ein Unternehmen, an dem die Inspur Group etwa ein Drittel hält — zu den im März 2025 vom US-Handelsministerium sanktionierten Unternehmen gehört.
Milliardenexporte trotz US-Sanktionen und Remote-Zugriff aus Shanghai
Die Ausmaße dieses Netzwerks gehen weit über den einzelnen indonesischen Auftrag hinaus. Einer Untersuchung der New York Times zufolge setzte die Inspur Group den Handel mit fortschrittlicher US-Technologie im Wert von mindestens 5,6 Milliarden US-Dollar zwischen April 2024 und Februar 2026 fort. Davon entfielen laut Handelsdatenanalysen mehr als 3 Milliarden US-Dollar auf KI-Server, die mit Nvidias modernsten Blackwell-Chips ausgerüstet und zunächst nach Südostasien transportiert wurden.
Das eigentliche Schlupfloch liegt jedoch im Remote-Zugriff. Vor dem Abschluss des Kaufvertrags mit Aivres hatte Indosat bereits einen Kunden für die Rechenleistung gesichert: INF Tech, ein in Shanghai ansässiges KI-Startup, das von Qi Yuan — dem Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz der Fudan-Universität — gegründet wurde. Die Server wurden physisch nicht nach China eingeführt. Stattdessen mieteten chinesische Forscher und Unternehmen den Zugriff auf die in Indonesien installierten Rechner an.

Diese Praxis verdeutlicht die Grenzen aktueller Exportvorschriften, die vor allem auf den physischen Grenzübertritt von Hardware ausgerichtet sind. Nach Einschätzung von mit den Exportregeln vertrauten Juristen entsprach die Vereinbarung den geltenden US-Vorschriften, sofern die Rechenleistung nicht für verbotene militärische, nachrichtendienstliche oder waffentechnische Zwecke verwendet wurde, berichten US-Medien über die Hintergründe des Deals. Dennoch sorgt die Konstruktion in Washington und im Silicon Valley für politische und regulatorische Spannungen, da die praktische Nutzung der Technologie in China durch die Cloud-Vermietung faktisch ermöglicht wird.
Regulatorische Reaktionen und die Zwickmühle für Nvidia
Für den Chiphersteller Nvidia stellt die Situation eine schwere Compliance-Herausforderung dar. In seinen aktuellen Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC betont das Unternehmen, dass die Ausfuhrbestimmungen den direkten Zugang chinesischer Rechenzentren zum Markt effektiv unterbinden, auch wenn Kunden fortlaufend nach alternativen Wegen suchen, um an hochmoderne KI-Kapazitäten zu gelangen.

Das US-Handelsministerium hat versucht, bestehende Lücken zu schließen. Im März 2025 wurden betroffene Inspur-Tochtergesellschaften mit einer sogenannten Fußnote-4-Kennzeichnung versehen, die bestimmte ausländische Produkte unter die Exportkontrollregeln für amerikanische Technologie einbezieht. Dennoch stehen Bundesbehörden vor der Aufgabe, nicht nur physische Transportwege, sondern auch den globalen Daten- und Rechenleistungsfluss zu kontrollieren. Vier Regierungsbeamte bestätigten gegenüber Berichterstattern von ETV Bharat unter der Bedingung der Anonymität, dass die US-Behörden die Geschäftsaktivitäten der kalifornischen Tochtergesellschaft genauer unter die Lupe nehmen, während der genaue Status dieser Untersuchungen offen bleibt.