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Technik und Wissenschaft

IBM durchbricht Skalierung logischer Qubits mit Fehlerkorrektur

IBM hat im ersten Quartal 2026 die Skalierung von logischen Qubits in seinem Quantum System Two durchbrochen. Durch neue Fehlerkorrektur-Algorithmen wurde die Fehlerrate signifikant gesenkt, was die Erwartungen für die Ära der fehlertoleranten Quantencomputer massiv nach vorne verschiebt. Die Branche bereitet sich nun auf den Übergang von experimentellen Systemen zu kommerziell nutzbaren Rechenressourcen vor.

Die bisherige Entwicklung der Quantentechnologie war durch die sogenannte NISQ-Ära geprägt – eine Phase der noisy intermediate-scale quantum (rauschanfällige Quantencomputer mit mittlerer Skalierung). In dieser Phase waren die Recheneinheiten, die physischen Qubits, extrem anfällig für Dekohärenz und externe Störungen. Die Forschung konzentrierte sich darauf, die Anzahl der Qubits zu erhöhen, während die Fehlerraten gleichzeitig ein Limit erreichten, das komplexe Berechnungen verhinderte. Die jüngsten Daten aus dem ersten Quartal 2026 zeigen jedoch eine Abkehr von dieser Sackgasse.

Fehlerkorrektur reduziert den Hardware-Overhead

Der entscheidende Fortschritt liegt nicht in der bloßen Erhöhung der physischen Qubit-Anzahl, sondern in der Effizienz der Fehlerkorrektur. Bisher war das Verhältnis von physischen zu logischen Qubits extrem ungünstig. Um ein einziges fehlerfreies, logisches Qubit zu erzeugen, mussten Unternehmen wie Google oder IBM hunderte oder sogar tausende physische Qubits einsetzen, um Fehler durch Redundanz auszugleichen. Dieser enorme Hardware-Overhead machte den Bau eines funktionsfähigen Quantencomputers für komplexe Aufgaben wirtschaftlich und technisch unmöglich.

Neue Entwicklungen bei den sogenannten LDPC-Codes (Low-Density Parity-Check) haben dieses Verhältnis verändert. Durch optimierte topologische Codes können nun deutlich weniger physische Ressourcen benötigt werden, um eine stabile logische Einheit zu stabilisieren. Dies ermöglicht es, die Rechenkapazität zu steigern, ohne die Hardware proportional vergrößern zu müssen. Die Implementierung dieser Codes in die Systemarchitektur hat die Fehlerrate pro Rechenoperation um mehrere Größenordnungen gesenkt.

Die Reduzierung des Overheads für die Fehlerkorrektur ist der entscheidende Faktor, der unsere Zeitpläne verkürzt hat. Wir bewegen uns weg von der reinen Erhöhung der Qubit-Zahlen hin zu einer echten Kontrolle über die Quanteninformation.

Dr. Dario Gil, IBM Senior Vice President

Diese Entwicklung bedeutet, dass die Schwelle zur fehlertoleranten Quantenberechnung (Fault-Tolerant Quantum Computing, FTQC) früher erreicht wird als in den Prognosen von 2023 und 2024 angenommen. Während Experten damals noch von einem Zeitfenster nach 2030 sprachen, deuten die aktuellen Benchmarks auf eine praktische Anwendbarkeit für spezifische Algorithmen bereits in der Mitte dieses Jahrzehnts hin.

Divergierende Pfade: Supraleitung versus Ionenfallen

Trotz der Fortschrittlichkeit der Fehlerkorrektur bleibt der technologische Wettstreit zwischen verschiedenen Hardware-Architekturen bestehen. Der Sektor ist in zwei Hauptlager gespalten, die unterschiedliche Ansätze zur Skalierung verfolgen.

Die supraleitenden Schaltkreise, die von Unternehmen wie IBM und Google eingesetzt werden, profitieren von der etablierten Fertigungstechnologie der Halbleiterindustrie. Diese Systeme arbeiten bei extrem niedrigen Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt. Der Vorteil liegt in der hohen Schaltgeschwindigkeit der Qubits, was schnelle Rechenoperationen ermöglicht. Die Herausforderung bleibt die thermische Last: Je mehr Qubits ein System benötigt, desto schwieriger wird die Kühlung der komplexen Verkabelung in den Kryostaten.

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Demgegenüber stehen die Systeme der Ionenfallen-Technologie, die unter anderem von Quantinuum und IonQ vorangetrieben werden. Hier werden einzelne Atome mittels elektromagnetischer Felder in einer Vakuumkammer manipuliert. Diese Architektur weist eine natürliche hohe Kohärenzzeit auf, was bedeutet, dass die Quantenzustände länger stabil bleiben als bei supraleitenden Systemen. Die Fehlerraten bei den logischen Operationen sind in diesen Systemen oft niedriger, allerdings ist die Geschwindigkeit der Operationen geringer. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Ionenfallen-Systeme durch modulare Architekturen und photonische Vernetzung einen Weg gefunden haben, die Skalierungsprobleme zu adressieren, die sie bisher gegenüber der Supraleitung benachteiligten.

Sicherheit und Simulation: Die ersten Anwendungsfelder

Die Beschleunigung der Quantenentwicklung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Cybersicherheit. Die theoretische Fähigkeit eines Quantencomputers, den Shor-Algorithmus auszuführen, stellt eine Bedrohung für die heute weit verbreitete asymmetrische Kryptografie (wie RSA) dar. Da die Zeitspanne bis zur Verfügbarkeit leistungsstarker Quantencomputer nun kürzer ausfällt, hat die Migration zu Post-Quanten-Kryptografie (PQC) eine höhere Priorität erhalten. Organisationen wie das National Institute of Standards and Technology (NIST) haben bereits Standards für Algorithmen definiert, die auch gegen Quantenangriffe resistent sind.

Parallel dazu rücken die praktischen Anwendungen in der Materialwissenschaft und Chemie in den Fokus. Die Simulation von Molekülen auf Quantenebene ist für klassische Supercomputer aufgrund der exponentiell steigenden Komplexität kaum lösbar. Ein Quantencomputer kann die Elektronenkonfigurationen und Bindungsenergien direkt abbilden.

  • Katalysatorforschung: Die Entwicklung effizienterer Verfahren für die Stickstofffixierung (Haber-Bosch-Verfahren), was den globalen Energieverbrauch in der Düngemittelproduktion massiv senken könnte.
  • Batterietechnologie: Die Simulation neuer Elektrolytstrukturen für Feststoffbatterien, um die Energiedichte und Sicherheit von Speichersystemen zu erhöhen.
  • Pharmazeutische Entwicklung: Das präzise Modellieren von Protein-Ligand-Interaktionen, was die Zeit für die Identifizierung neuer Wirkstoffkandidaten verkürzen kann.

Infrastrukturelle Herausforderungen der Skalierung

Trotz der positiven Entwicklung der logischen Qubits bleibt die Hardware-Infrastruktur ein limitierender Faktor. Die Skalierung erfordert nicht nur mehr Qubits, sondern auch eine massive Verbesserung der Systemintegration. Ein zentrales Problem ist das sogenannte „Wiring-Problem“: Die Menge der Koaxialkabel, die zur Steuerung der Qubits in die Kryostaten geführt werden müssen, begrenzt die Größe der aktuellen Systeme physisch.

Lösungen werden derzeit in der Entwicklung von kryogener Elektronik gesucht. Hierbei handelt es sich um Steuerungschips, die direkt im Kühlbereich des Quantencomputers arbeiten, anstatt Signale über lange Kabel aus der Raumtemperatur nach unten zu leiten. Dies würde den thermischen Fußabdruck reduzieren und die Fehlerraten durch weniger Signalrauschen weiter senken. Zudem ist die Entwicklung von Quanten-Interconnects notwendig, um einzelne Quantenprozessoren modular miteinander zu vernetzen. Erst die Verbindung mehrerer kleinerer Einheiten zu einem großen Quantennetzwerk wird die Rechenleistung auf das Niveau bringen, das für die Lösung globaler Probleme in der Materialforschung erforderlich ist.

Der Zeitplan für die vollständige, großflächige kommerzielle Nutzung bleibt von der Geschwindigkeit dieser ingenieurtechnischen Lösungen abhängig. Während die theoretischen und algorithmischen Hürden durch die Fortschritte in der Fehlerkorrektur deutlich zurückgegangen sind, entscheidet nun die physikalische Skalierbarkeit der Hardware über den endgültigen Durchbruch.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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