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Hunderte Schulen in England und Wales schließen vor roter Extremhitze-Warnung

Hunderte Schulen in England und Wales planen für diese Woche Schließungen oder verkürzte Unterrichtszeiten, nachdem das Met Office eine rote Extremhitze-Warnung herausgegeben hat. Bei prognostizierten Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius besteht laut den Behörden Lebensgefahr, während viele Bildungseinrichtungen aufgrund mangelnder Kühlung als unbewohnbar gelten.

Rote Warnstufe: Met Office prognostiziert lebensgefährliche Hitze

Rote Warnstufe: Met Office prognostiziert lebensgefährliche Hitze

Das Met Office hat für Teile Süd- und Mittelenglands sowie Süd-Wales eine seltene rote Warnstufe für extreme Hitze ausgerufen, die von Mittwoch, 9:00 Uhr BST, bis Donnerstag, 21:00 Uhr, gilt. Laut Berichten der BBC wird eine außergewöhnliche Phase heißer und feuchter Witterung erwartet. In Südengland sind Höchstwerte von bis zu 39 Grad Celsius möglich.

Die hohe Luftfeuchtigkeit verstärkt die gefühlte Temperatur massiv. Während das Thermometer beispielsweise 35 Grad anzeigt, kann sich die Belastung für den menschlichen Körper wie 41 Grad anfühlen. Die Behörden warnen vor schweren Erkrankungen und einer unmittelbaren Gefahr für das Leben.

Zudem besteht ein erhebliches Risiko für die kritische Infrastruktur. Hitzempfindliche Systeme könnten ausfallen, was zu Stromausfällen und Unterbrechungen der Wasserversorgung führen kann. Die Wetterlage wird voraussichtlich den Rekord für die höchste Juni-Temperatur des Vereinigten Königreichs aus dem Jahr 1976 (35,6 Grad) brechen, wird jedoch knapp unter dem Allzeithoch von 40,3 Grad aus dem Jahr 2022 bleiben.

Die Gefahr betrifft diesmal nicht nur die üblichen Risikogruppen.

„Oft warnen wir vor den Schwachen, den Älteren, den Jungen, aber in diesem Fall warnen wir auch ansonsten gesunde Menschen in der Blüte ihres Lebens, sehr vorsichtige Schritte zu unternehmen, denn diese Hitze wird ziemlich intensiv sein und kann selbst bei völlig fitten Menschen sehr ernste, lebensbedrohliche Auswirkungen haben.“
Ein Sprecher des Met Office, via BBC

Schulschließungen von London bis Swansea

Schulschließungen von London bis Swansea
Photo: metro.co.uk

In Reaktion auf die Wetterwarnung haben hunderte Schulen angekündigt, den Betrieb einzustellen oder die Unterrichtszeiten drastisch zu verkürzen. Besonders betroffen sind London, der Südwesten Englands bis Birmingham sowie Teile von Wales. Viele Schulleiter haben den Unterricht bereits am Dienstagmittag beendet, um der extremen Nachmittagshitze zu entgehen.

Die Liste der betroffenen Einrichtungen ist lang. Laut einer Aufstellung von Metro gehören dazu unter anderem:

  • St John’s Marlborough School (Wiltshire) – geschlossen von Dienstagnachmittag bis Donnerstag.
  • Ein Großteil der Grundschulen in Londoner Bezirken (verkürzte Zeiten).
  • Zahlreiche Einrichtungen in Somerset und Bristol, darunter das City of Bristol College.
  • Spezialschulen wie die Nyland Primary SEN School und die St Luke’s Academy SEN School.
  • Vor Ort versuchen Schulleiter, die Situation mit Ventilatoren und tragbaren Klimageräten zu retten. In vielen Regionen berichten jedoch Lehrer, dass die Vorräte an Ventilatoren in lokalen Baumärkten bereits vollständig erschöpft seien.

    Der Konflikt zwischen Bildungsministerium und Lehrergewerkschaften

    Zurück zur Schule für Kinder in England und Wales

    Während die Schulen faktisch schließen, hält das Bildungsministerium (Department for Education, DfE) an seiner offiziellen Linie fest. Die Richtlinie in England sieht vor, dass Schulen bei heißem Wetter normalerweise geöffnet bleiben, da die Anwesenheit der Schüler der beste Weg sei, ihr Potenzial auszuschöpfen. Das Ministerium betont, dass Hitze in der Regel sicher bewältigt werden könne.

    Diese Position stößt bei den Gewerkschaften auf scharfe Kritik. Daniel Kebede, Generalsekretär der National Education Union, warnt davor, dass die physischen Bedingungen in den Gebäuden eine normale Arbeit unmöglich machen. Laut The Guardian bezeichnet Kebede die alten Schulgebäude als „Gewächshäuser“.

    „Es ist gefährlich, zu erwarten, dass Schulen momentan ganz normal weiterarbeiten.“
    Daniel Kebede, National Education Union

    Auch die GMB-Gewerkschaft, die 100.000 Schulunterstützungsmitarbeiter vertritt, fordert ein sofortiges Eingreifen. Stacey Booth, eine nationale Beauftragte der GMB, schrieb an das Ministerium, dass Mitglieder der Gewerkschaft „in Verzweiflung“ Kontakt aufnehmen, da die aktuellen Maßnahmen zur Kühlung von Klassenzimmern und Küchen völlig unzureichend seien. Die Forderung ist klar: Staatliche Mittel für mehr Ventilatoren, Kühleinheiten und eine bessere Wasserversorgung.

    Infrastrukturmängel und soziale Folgen für Familien

    Die aktuelle Krise legt eine tiefe strukturelle Schwäche des britischen Bildungssystems offen. Paul Whiteman, Generalsekretär der National Association of Head Teachers, betont, dass viele Schulgebäude – insbesondere kleinere Primarschulen in älteren Gebäuden – schlichtweg nicht für extreme Temperaturen ausgestattet sind.

    Die Problematik ist nicht nur pädagogischer Natur, sondern führt zu einer sozialen Schieflage. Während wohlhabendere Familien flexible Lösungen finden, trifft die plötzliche Schließung von Schulen Eltern in prekären Arbeitsverhältnissen hart. Eine Mutter aus Bristol, die unter dem Namen Lucy auftrat, äußerte gegenüber The Guardian ihre Sorge, dass die mangelnde Planung die arbeitenden Familien überproportional belaste, da diese oft mehrere Tage Einkommen verlieren, wenn die Kinderbetreuung kurzfristig wegfällt.

    Das Bildungsministerium räumte ein, dass bei zukünftigen Sanierungen und Neubauten darauf geachtet werde, dass Schulen besser auf Temperaturschwankungen vorbereitet sind. Kritiker sehen darin jedoch eine zu langsame Reaktion auf eine sich verschärfende klimatische Realität.

    Die aktuelle Situation verdeutlicht die Kluft zwischen der bürokratischen Erwartung des Ministeriums und der physischen Realität in den Klassenzimmern. Während das DfE die Anwesenheit priorisiert, zwingt die Hitze die Schulleiter dazu, eigenmächtig über die Sicherheit ihrer Schüler zu entscheiden. In den nächsten Tagen wird sich zeigen, ob die kurzfristigen Notmaßnahmen ausreichen oder ob die „Gewächshaus-Schulen“ zu einem dauerhaften Systemrisiko für das britische Bildungswesen werden.

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    Photo: theguardian.com
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    Jonas Becker

    Über den Autor

    Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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