Globaler Handel und Aktienmärkte reagierten am Dienstag auf geopolitische Spannungen im Nahen Osten und anstehende US-Technologiebilanzen. Während die Rohölpreise leicht nachgaben, standen vor allem die Finanztitel im Fokus, nachdem HSBC enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt hatte und die europäischen Börsen moderat ins Minus drückte.
HSBC verfehlt Umsatzerwartungen trotz Gewinnplus
Die Aktie von HSBC verzeichnete am Dienstag einen Kursrutsch von rund 7 Prozent im frühen Handel in London, nachdem das Geldhaus seine Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt hatte. Die europäische Großbank meldete einen Vorsteuergewinn von 9,6 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht nach Angaben von Asktraders. Auf vergleichbarer Basis und ohne Sondereffekte stieg der Vorsteuergewinn um 0,9 Milliarden auf 10 Milliarden US-Dollar, wie BigGo Finance dokumentierte.
Dennoch reagierten die Märkte enttäuscht, da der Umsatz die Erwartungen der Analysten leicht verfehlte. Belastend wirkte sich vor allem das schwächelnde Wealth-Management-Geschäft aus, in dem die Erträge im Vergleich zu den ersten Quartalen des Jahres nachließen. Zudem drückten steigende Kosten im Zuge höherer Einlagenzinsen auf die Margen, da vermehrt Kundengelder von Tagesgeldkonten in höher verzinsliche Festgelder umgeschichtet wurden.
Im dritten Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 5 Prozent auf 18,7 Milliarden US-Dollar, während die Nettozinserträge (NII) um 6 Prozent auf 9,31 Milliarden US-Dollar zulegten. Getragen wurde diese Entwicklung von Einlagenzuflüssen, positiven Fremdwährungseffekten sowie Erträgen aus Struktursicherungsgeschäften. Dennoch sank die harte Kernkapitalquote (CET1) zum Quartalsende auf 13,9 Prozent nach 14,1 Prozent zum Stichtag 30. Juni und verfehlte damit die unternehmenseigene Zielspanne von 14,0 bis 14,5 Prozent. Der Rückgang begründet sich unter anderem durch gestiegene risikogewichtete Aktiva sowie den im Rahmen der Zwischenergebnisse angekündigten Aktienrückkauf. Die erwarteten Kreditverluste (ECL) sanken im Jahresvergleich um 17 Prozent auf 0,8 Milliarden US-Dollar, was primär auf geringere Belastungen im Hongkonger Gewerbeimmobiliensektor sowie in Mexiko und im britischen Geschäft zurückzuführen ist. Die bereinigte Cost-Income-Quote verbesserte sich gleichzeitig von 56,6 Prozent auf 47,4 Prozent.
Milliarden-Aktienrückkauf und Aussichten auf höhere Boni
Um die Aktionäre trotz der gedämpften Umsatzentwicklung bei Laune zu halten, kündigte das Management ein weiteres Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 1 Milliarde US-Dollar an. Zudem schüttet das Institut eine dritte Zwischendividende von 0,10 US-Dollar je Aktie aus.
Auf der Bilanzkonferenz äußerte sich Group CFO Pam Kaur zuversichtlich hinsichtlich der regulatorischen Kapitalpfade. Die Einführung der Basel-3.1-Regeln zum 1. Januar 2027 soll demnach einen Puffer von 40 bis 50 Basispunkten für die harte Kernkapitalquote (CET1) bringen. Angesichts der starken Performance und des positiven Trends zieht das Management laut eFinancialCareers in Betracht, die variablen Vergütungen und Boni zu erhöhen.
Analysten wie Guy Stebbings von BNP Paribas und Ben Toms von RBC hinterfragten in der Analystenkonferenz die Nachhaltigkeit der Prognosen sowie die Sensitivität gegenüber dem HIBOR-Zinsniveau. Group CFO Pam Kaur betonte in diesem Zusammenhang, dass Zinssätze zwischen 3 und 4 Prozent den idealen Bereich für Banken markieren. Für das Gesamtjahr 2026 bekräftigte die Bank ihre Prognose für die Nettozinserträge von mindestens 46 Milliarden US-Dollar, während externe Stimmen wie die von Jefferies kritisierten, dass die Konsensschätzungen für 2027 und 2028 zu ehrgeizig angesetzt sein könnten.

Es war ein weiteres positives Quartal.
Pam Kaur, Group CFO von HSBC, in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen
Marktumfeld zwischen KI-Euphorie und Zinsängsten
Die Bankenbranche gerät nach Einschätzung von Marktbeobachtern derzeit unter einen spezifischen Ertragsdruck. Aber im Moment geraten sie unter Druck, weil wir sehen, dass die Zinsen steigen und die kurzfristigen Renditen stärker steigen als die langfristigen
, erklärte Ipek Ozkardeskaya, Senior Marktanalystin bei der Swissquote Bank gegenüber Reuters. Dies verringere die Zinsmarge im operativen Geschäft.
Parallel blicken Investoren weltweit gespannt auf die anstehenden Quartalsberichte der großen US-Technologiekonzerne sowie auf den bevorstehenden Börsengang von Anthropic und die anstehenden Zinsentscheidungen der Zentralbanken in den USA, Europa und Japan. Der Bankensektor des STOXX 600 gab im Zuge der HSBC-Zahlen um 1,3 Prozent nach. Am Rohstoffmarkt verzeichnete Brent-Öl einen Anstieg um 0,6 Prozent auf 116,82 US-Dollar je Barrel, während Spot-Gold um 0,6 Prozent auf 3.992,70 US-Dollar je Unze nachgab.
Auch interessant