Eileen McGill Fox glaubte, ihr Leben sei nach 30 Jahren Ehe in sicheren Bahnen. Doch die Entdeckung, dass ihr Ehemann sie betrogen hatte, löste eine medizinische Kettenreaktion aus, die weit über den emotionalen Schmerz des Verrats hinausging. Was als Beziehungskrise begann, endete in einem jahrelangen Kampf gegen drei verschiedene Krebsarten. Ihr Schicksal zeigt die gefährliche Unsichtbarkeit des humanen Papillomavirus (HPV) und die oft unterschätzte Bedeutung einer Impfung, die ihr Leben heute grundlegend verändert hätte.
Ein unsichtbarer Feind nach dem Vertrauensbruch
Nachdem Fox von der Untreue ihres Mannes erfuhr, reagierte sie besonnen. Sie suchte sofort eine Klinik auf, um sich auf sexuell übertragbare Infektionen testen zu lassen. Die ersten Ergebnisse brachten Erleichterung: Syphilis, Gonorrhö und HIV waren nicht nachweisbar. Doch diese Sicherheit war trügerisch. Erst ein Jahr später, bei einer routinemäßigen Pap-Untersuchung, kam die Wahrheit ans Licht. Fox war mit HPV infiziert.
Das Virus ist tückisch. Es verursacht oft keinerlei Symptome und bleibt über lange Zeit unentdeckt, während es die Zellstruktur verändert. Für die Lehrerin und Mutter von vier Kindern begann daraufhin ein medizinischer Albtraum. Im Februar 2019 diagnostizierten Ärzte Vulvakrebs. Kurz darauf folgte die Diagnose Gebärmutterhalskrebs. Den finalen Schlag versetzte das Virus im Jahr 2023, als auch ein Analkrebs festgestellt wurde.
Die Lücke im Schutzschild
Die Tragik im Fall von Eileen McGill Fox liegt in der Vorhersehbarkeit. Die CDC bestätigt, dass die HPV-Impfung diese Krebsarten hätte verhindern können. Fox hatte die Impfung jedoch nie in Betracht gezogen. Als das Vakzin 2006 eingeführt wurde, war sie bereits verheiratet und hatte Kinder. In ihrer Lebensphase schien eine Impfung gegen eine sexuell übertragbare Infektion irrelevant. Diese Fehlannahme kostete sie ihre Gesundheit.
Die körperlichen Folgen waren massiv. Fox musste sich einer Hysterektomie unterziehen. Bis heute leidet sie unter schmerzhaften Behandlungen, darunter Lasertherapien und Operationen zur Entfernung von Hautgewebe, um präkanzeröse Zellen zu beseitigen. Sie befindet sich auch im Jahr 2026 immer noch in laufenden Krebsbehandlungen.
Mehr als ein Frauenproblem: Die Rolle der Männer
Die Geschichte von Fox rückt ein kritisches Thema in den Fokus: HPV betrifft nicht nur Frauen. Männer fungieren oft als Überträger, sind aber selbst ebenso gefährdet. Prof. Dr. Christian Schindlbeck, Chefarzt der Frauenklinik der Kliniken Südostbayern, betont, dass HP-Viren stark verbreitet sind. Eine Übertragung kann sogar ohne klassischen Geschlechtsverkehr erfolgen.
Da Infektionen bei Männern meist symptomlos verlaufen, unterschätzen viele ihr Risiko. Das macht das Virus so hinterlistig. Es wandert unbemerkt von einem Partner zum anderen und kann Jahre später in Form von bösartigen Tummen im Anal- oder Rachenbereich auftauchen. Die Impfung ist daher in jedem Alter und für jedes Geschlecht eine sinnvolle Option, um diese Kette zu unterbrechen.
Vom Opfer zur Fürsprecherin
Heute nutzt Eileen McGill Fox ihren Schmerz als Werkzeug. Sie ist zu einer engagierten Patientenanwältin geworden. Ihr Ziel ist es, die Impfquoten zu erhöhen und das Bewusstsein für die Gefahr zu schärfen. Ihre Botschaft ist ein Weckruf an alle, die glauben, sie seien durch eine langjährige Partnerschaft oder ihr Alter geschützt.
Wenn eine Frau nach 30 Jahren Ehe plötzlich mit drei Krebsarten kämpft, beweist das, dass niemand immun gegen die Folgen von HPV ist, solange der medizinische Schutz fehlt. Fox hofft, dass ihre Offenheit Eltern dazu bewegt, ihre Kinder impfen zu lassen, und Erwachsene dazu, mit ihren Ärzten über eine nachträgliche Prävention zu sprechen.
Was genau ist HPV und wie gefährlich ist es?
Das humane Papillomavirus (HPV) ist eine weit verbreitete Infektion, die oft keine Symptome zeigt. Bestimmte Hochrisiko-Typen des Virus können jedoch Zellveränderungen auslösen, die zu Krebs am Gebärmutterhals, an der Vulva, dem Anus, der Vagina oder im Rachen führen können.
Wann wurde die HPV-Impfung eingeführt?
Der Impfstoff ist seit 2006 verfügbar. Er schützt vor den HPV-Typen, die für die meisten HPV-assoziierten Krebserkrankungen verantwortlich sind.
Können auch Männer an HPV-bedingtem Krebs erkranken?
Ja. Männer können das Virus übertragen und selbst an Krebs erkranken, beispielsweise an Analkrebs oder Krebs im Rachenraum. Da die Infektion bei Männern oft symptomlos bleibt, ist die Impfung auch für sie eine wichtige Präventionsmaßnahme.