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Unternehmen

Handtasche aus T-Rex-Hautzellen bleibt bei Drouot-Auktion unverkauft

Eine aus rekonstruierten Tyrannosaurus-Rex-Zellen hergestellte Handtasche blieb bei einer Auktion im Pariser Auktionshaus Drouot am Donnerstag ohne Käufer. Trotz eines Mindestpreises von 300.000 Euro lag das höchste Gebot lediglich bei 150.000 Euro, woraufhin die Versteigerung abgesagt wurde. Das Objekt wurde als biotechnologisches Luxusexperiment präsentiert.

Die Preiskluft bei Drouot

Der Markt für extrem exklusive Sammlerstücke reagierte am Donnerstagabend in Paris kühl auf ein Experiment an der Schnittstelle von Paläontologie und Mode. Das Auktionshaus Drouot, eine Institution des Pariser Kunsthandels, hatte die schlichte schwarze Tasche als „beispielloses Luxusobjekt“ beworben. Doch die Ambitionen der Organisatoren kollidierten mit der Realität der Gebotsrunde.

Während das Auktionshaus Giquello den Wert des Stücks laut Der Standard auf bis zu 500.000 Euro schätzte, blieb das Interesse der Bieter weit hinter diesen Erwartungen zurück. Das Startgebot lag bei 300.000 Euro. Dass das höchste Gebot mit 150.000 Euro genau die Hälfte dieses Minimums erreichte, markiert ein deutliches Scheitern der Preisstrategie, wie tt.com berichtet.

In der Auktionspraxis bedeutet ein solches Ergebnis, dass das Objekt „nicht verkauft“ wurde, da der Reservepreis – der vom Verkäufer festgelegte Mindestbetrag – nicht erreicht wurde. In solchen Fällen bleibt das Eigentum beim Einlieferer, während das Auktionshaus in der Regel eine Bearbeitungsgebühr einbehält.

Die biotechnologische Herstellung des „Zellularleders“

Hinter der Tasche steht eine komplexe Kooperation, die bereits 2025 in Amsterdam angekündigt wurde. Beteiligt waren das Genomforschungsunternehmen The Organoid Company, das Biotech-Unternehmen Lab-Grown Leather Ltd. und die Kreativagentur VML. Das Ziel war die Erschaffung von Leder eines ausgestorbenen Tieres im Labor.

Die biotechnologische Herstellung des "Zellularleders"
Photo: Berliner Zeitung

Der Prozess basierte auf Kollagenresten eines T-Rex-Oberschenkelknochens, der vor 25 Jahren im US-Bundesstaat Montana entdeckt worden war. Die Möglichkeit, solche Rückstände zu nutzen, stützt sich auf wissenschaftliche Präzedenzfälle, wie die Entdeckung von weichen Geweberesten in Dinosaurierknochen, die erstmals 2005 in der Fachzeitschrift Science publiziert wurde. Da die fossilen Sequenzen über Jahrmillionen unvollständig wurden, griffen die Forscher zu modernen Werkzeugen:

  • Rekonstruktion fehlender Geninformationen mittels Künstlicher Intelligenz und Computerbiologie.
  • Einbringung der vervollständigten Kollagenstruktur in spezielle Zelllinien.
  • Vermehrung der Zellen auf einer Gewebezüchtungs-Plattform bis zum Auswachsen als Leder.

Das Verfahren nutzt Prinzipien der zellulären Landwirtschaft, bei der Gewebe aus Stammzellen in Bioreaktoren gezüchtet wird, ohne dass ein Tier geschlachtet werden muss. Die beteiligte The Organoid Company spezialisiert sich dabei auf Organoide – miniaturisierte, im Labor gezüchtete Gewebestrukturen, die die Funktionen echter Organe oder Gewebe in vereinfachter Form imitieren.

Das fertige Material wurde an das Label Enfin Levé übergeben, das für Experimente mit ungewöhnlichen Materialien bekannt ist. Bevor das Stück in Paris unter den Hammer kommen sollte, war es im April 2026 im Art Zoo Museum in Amsterdam ausgestellt, wie die Berliner Zeitung detailliert beschreibt.

Wissenschaftlicher Streit um die Authentizität

Die Vermarktung der Tasche als „echte“ Dinosaurierhaut löste in der Fachwelt eine Debatte aus. Der an der Auktion beteiligte Paläontologe Iacopo Briano rechtfertigte den Anspruch mit den Fortschritten der Biotechnologie.

Wissenschaftlicher Streit um die Authentizität
Photo: STERN.de
„In den vergangenen Jahren ist es gelungen, Techniken, Biotechnologien zu entwickeln, mit denen man eine Zellkultur dazu bringen kann, im Labor echte T-Rex-Haut zu entwickeln“ Iacopo Briano, Paläontologe, via ORF

Diese Sichtweise wird von anderen Experten massiv angezweifelt. Die US-Paläontologin Mary Schweitzer, die Pionierarbeit bei der Analyse von fossilem Kollagen geleistet hat, bestritt laut Berichten, dass es sich hierbei tatsächlich um T-Rex-Leder handle. Ihr Argument: Kollagen sei ein generisches Molekül, das bei einer Vielzahl von Tierarten vorkomme. Da Kollagen die Hauptstruktur von Bindegewebe in fast allen Wirbeltieren ist, ist die bloße Rekonstruktion dieses Proteins kein Beweis für die artspezifische Identität des Endprodukts.

Damit wird die Frage aufgeworfen, ob das Produkt ein echtes biologisches Replikat oder lediglich eine biochemische Annäherung ist, die auf der Basis von Kollagen-Bausteinen erstellt wurde, ohne die spezifische Morphologie der ursprünglichen Dinosaurierhaut exakt wiederzugeben.

Ökologische Ambitionen gegen Marktrealität

Die Strategie hinter dem Projekt war nicht nur die Erzeugung eines Kuriosums, sondern die Positionierung als nachhaltige Alternative im Luxussegment. Die Entwickler argumentierten, dass biotechnisch gezüchtetes Leder eine Lösung für die Probleme der Modeindustrie biete.

Ökologische Ambitionen gegen Marktrealität

Herkömmliches Leder steht wegen der Massentierhaltung und des ökologischen Fußabdrucks unter Druck. Gleichzeitig wird veganes Kunstleder oft kritisiert, da es häufig auf Plastikbasis beruht (Polyurethan oder PVC), was zu Mikroplastikproblemen führt. Ein im Labor gezüchtetes, biologisches Leder ohne Tierleid könnte theoretisch beide Probleme lösen, indem es die haptischen und langlebigen Eigenschaften von echtem Leder mit einer tierfreien Produktion verbindet.

Doch die fehlende Käuferschaft in Paris zeigt, dass die ethische und technologische Erzählung allein nicht ausreicht, um astronomische Preise zu rechtfertigen. Während bizarre Designs von Marken wie Balenciaga im unteren vierstelligen Bereich funktionieren, scheint die Grenze für „laborgezüchtete Urzeit-Accessoires“ deutlich niedriger zu liegen als bei 300.000 Euro.

Die Absage der Auktion lässt offen, ob das Stück nun in eine private Sammlung übergeht oder als Mahnmal für die Diskrepanz zwischen biotechnologischer Machbarkeit und kommerzieller Begehrlichkeit in den Archiven verschwindet.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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