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Großes Machtgefälle“ – Weitere Frauen erheben Vorwürfe gegen Konstantin Wecker

Drei weitere Frauen erheben am 30. Mai 2026 Vorwürfe gegen den 78-jährigen Liedermacher Konstantin Wecker. In einem Bericht der Süddeutschen Zeitung schildern sie intime Begegnungen aus den Jahren 1990, 2005 und 2014, als sie jeweils 17 Jahre alt waren. Im Zentrum der Kritik steht das massive Machtgefälle zwischen dem Star und seinen jungen Bewunderinnen.

Die Schilderungen zeichnen ein konsistentes Bild: Junge Frauen, tief beeindruckt von der Musik und der Aura des Künstlers, gerieten in eine Dynamik, die weit über eine gewöhnliche Fan-Begegnung hinausging. Keine der Frauen wirft Wecker eine Straftat vor, doch die moralische Bewertung ihrer Erlebnisse ist vernichtend. Es geht nicht um Paragrafen, sondern um die Instrumentalisierung von Bewunderung und Naivität durch eine Person mit enormem gesellschaftlichem Status.

Die Muster der Begegnungen: Von Backstage-Einladungen bis Hotelzimmern

Die drei neuen Zeuginnen – Marie Franz, Friederike Schupelius und unter dem Pseudonym auftretende „Anne Wolf“ – beschreiben einen ähnlichen Ablauf. Der Erstkontakt erfolgte fast immer im Kontext von Konzerten oder über digitale Nachrichten. Die Dynamik folgte einem Muster aus Exklusivität und plötzlicher Intimität.

Die Muster der Begegnungen: Von Backstage-Einladungen bis Hotelzimmern
cluster (priority): SZ.de

Anne Wolf berichtet von einem Auftritt in Schwäbisch Hall Ende 1990. Als sie dem Musiker eine Rose überreichen wollte, wurde sie durch sein Umfeld in den Backstage-Bereich eingeladen, da Wecker sie persönlich kennenlernen wolle. Diese Begegnung mündete in einer Affäre. Rückblickend beschreibt sie ihre damalige Haltung als naiv und sagt: Ich war auf ihn hereingefallen.

Ähnlich verlief die Begegnung von Marie Franz im Jahr 2005 nahe Dresden. Laut einem Bericht von T-Online wurde die damals 17-Jährige nach einem Autogramm-Termin in das Hotel des Musikers eingeladen. Wecker soll ihr einen Zettel mit den Details zum Zimmer zugesteckt haben.

Eine gute halbe Stunde später hatten wir schon Sex. Es ging wirklich unfassbar schnell.

Marie Franz

Franz betont, dass Wecker die Diskretion der Begegnung ausdrücklich gefordert habe. Diese Geheimhaltung ist ein wiederkehrendes Element in den Schilderungen aller drei Frauen.

Psychische Folgen und die Definition des Machtgefälles

Besonders schwer wiegen die Aussagen von Friederike Schupelius. Die heute 28-Jährige kontaktierte Wecker 2014 per E-Mail. Nach weiteren Treffen kam es im Mai 2015 in einer Hotelbar in Arnsberg im Sauerland zu einer intimen Situation. Schupelius, die Wecker gegenüber erwähnte, noch Jungfrau zu sein, fühlte sich durch die Aussage des Musikers gedrängt, dass sie es „nie tun würde“, wenn sie es jetzt nicht täte.

Psychische Folgen und die Definition des Machtgefälles
cluster (priority): BILD

Die Folgen dieser Begegnung waren langwierig. Wie die Welt berichtet, wurde Schupelius später in einer Klinik behandelt. Dort diagnostizierten Ärzte eine schwere depressive Episode sowie eine posttraumatische Belastungsstörung, die direkt auf die Situation mit dem Liedermacher zurückgeführt wurden. Die Süddeutsche Zeitung gibt an, die entsprechende Patientenakte eingesehen zu haben.

Die Debatte verschiebt sich hier weg von der juristischen Frage hin zur ethischen Verantwortung. Marie Franz bringt es auf den Punkt: Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was legal ist, und dem, was moralisch in Ordnung ist. Aus ihrer Sicht ist eine echte Einvernehmlichkeit ausgeschlossen, wenn eine derart extreme Diskrepanz im Alter und im sozialen Status besteht.

Eine Serie von Vorwürfen: Von Johanna bis Hanna Lakomy

Die aktuellen Berichte sind kein isolierter Vorfall, sondern Teil einer Kette von Anschuldigungen. Bereits im November 2025 wurde öffentlich, dass eine Frau unter dem Namen „Johanna“ eine Beziehung zu Wecker hatte, als sie 15 Jahre alt und er 63 war. In diesem Fall reagierte der Musiker anders als heute.

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Damals räumte Wecker ein, dass sein Verhalten unter moralischen Maßstäben ein gänzlich unangemessenes Verhalten gewesen sei. Er entschuldigte sich bei der betroffenen Frau und führte eine Phase schweren Alkoholkonsums als Erklärung an. Zusätzlich hatte die Berliner Autorin Hanna Lakomy öffentlich geschildert, sich nach einem Konzert in Leipzig durch den Liedermacher bedrängt gefühlt zu haben, wie Promiflash ergänzt.

Die zeitliche Spanne der Vorwürfe ist bemerkenswert. Sie erstreckt sich über mehr als drei Jahrzehnte – von 1990 bis 2015. Dies deutet nicht auf eine einzelne „Phase“ hin, sondern auf ein über Jahre hinweg bestehendes Verhaltensmuster im Umgang mit jungen Bewunderinnen.

Die medizinische Blockade und das Schweigen des Künstlers

Während Wecker in der Vergangenheit teilweise einsichtig reagierte, bleibt er zu den aktuellen Vorwürfen stumm. Die Kommunikation läuft ausschließlich über seine rechtliche Vertretung. Laut einem Bericht von BILD ist der 78-Jährige derzeit nicht in der Lage, sich zu den Vorgängen zu äußern.

Die medizinische Blockade und das Schweigen des Künstlers
cluster (priority): news.google.com

Aktuell aus medizinischen Gründen nicht fähig, persönlich auf Presseanfragen zu Sachverhalten aus der Vergangenheit zu reagieren.

Anwalt von Konstantin Wecker

Diese gesundheitliche Argumentation hinterlässt eine Lücke in der Aufarbeitung. Für die betroffenen Frauen geht es jedoch weniger um eine persönliche Entschuldigung als um eine gesellschaftliche Signalwirkung. Marie Franz begründet ihren Schritt an die Öffentlichkeit damit, dass junge Frauen in ähnlichen Situationen dadurch vielleicht eine andere Entscheidung treffen.

Die Situation stellt Wecker in ein neues Licht: Der Mann, der seine Karriere auf politischem Engagement und gesellschaftlicher Kritik aufbaute, sieht sich nun mit Vorwürfen konfrontiert, die genau jene Machtstrukturen bedienen, die er öffentlich oft kritisierte. Die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Rolle als moralische Instanz und dem privaten Umgang mit Minderjährigen wird zum zentralen Punkt seiner späten Karrierebilanz.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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