Nach gescheiterten Ambitionen auf den SPÖ-Vorsitz und seinem Abschied vom Medienkonzern Warner gründet der Medienmanager Gerhard Zeiler das Institut 2035
in Wien. Der Thinktank soll sich mit europäischen Zukunftsfragen wie etwa dem Klimawandel, Migration und Wettbewerbsfähigkeit arbeiten und wird vollständig aus eigenen Mitteln finanziert.
Vom gescheiteten Parteivorsitz zum Thinktank in Wien
Gerhard Zeiler zieht Konsequenzen aus den jüngsten politischen Entwicklungen. Nach seinem verfehlten Anlauf auf die Parteispitze der Sozialdemokratie schlägt der 71-jährige Medienmanager ein neues Kapitel in seiner Geburtsstadt Wien auf.
Statt parteipolitischer Ämter setzt Zeiler nun auf unabhängige Zukunftsforschung. Dabei betonte er, dass er keine Partei gründen wolle.

Unabhängige Finanzierung aus eigenen Mitteln ohne Sponsoren
Anders als parteinahe Institute soll das geplante Projekt völlig frei von externen Geldgebern bleiben. Förderungen und Sponsoren sind bewusst ausgeschlossen, um die inhaltliche Unabhängigkeit der Einrichtung zu wahren.
Die finanziellen Mittel dafür stammen aus seiner langjährigen Tätigkeit im internationalen Mediengeschäft als Chef der RTL Group, des ORF sowie beim US-Medienkonzern Warner. Wie turi2 anmerkte, schließt dieser Schritt nahtlos an seinen Abschied vom Posten bei Warner an.
Institut 2035 soll Antworten auf den europäischen Tsunami liefern
Zeiler begründete den Schritt mit deutlichen Worten: Auf Europa rollt ein Tsunami zu.
Wir können ihn sehen, aber wir nehmen ihn viel zu wenig ernst, warnte er, worauf die Kronen Zeitung und oe24 hinwiesen. Für ihn geht es darum, junge Expertinnen und Wissenschaftler einzubinden, um konkrete Lösungsansätze zu erarbeiten, da die Politik den Menschen echte Zukunftsperspektiven bieten müsse, um dem Aufstieg der Rechtspopulisten entgegenzuwirken.
Was heißt das für die Finanzierung des Sozialsystems, wenn immer weniger Wertschöpfung aus Arbeit kommt und mehr aus den Maschinen?
Gerhard Zeiler, Gründer des Instituts 2035
Im Zentrum der Arbeit stehen laut den Berichten von Der Standard und der Kleinen Zeitung mehrere Kernbereiche.
- Die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit ohne russisches Gas und in einem instabilen geopolitischen Umfeld.
- Die Bewältigung des Klimawandels mitsamt den daraus resultierenden Migrationsbewegungen und gesellschaftlichen Auswirkungen.
- Die demografische Entwicklung und die alternde Gesellschaft, insbesondere die langfristige Sicherung des Wohlstands.
- Der rasante Fortschritt der Künstlichen Intelligenz und dessen Konsequenzen für den Arbeitsmarkt.
- Der Abbau bürokratischer Hürden, wobei er von den USA den Mut zu neuen Dingen und mehr Schnelligkeit lernen will.
Klare Worte zur Richtungsentscheidung der Sozialdemokratie
Neben seiner neuen unternehmerischen Aufgabe sparte Zeiler nicht mit Kritik und Ratschlägen für seine ehemalige politische Heimat. Er wünscht Marterbauer, auf den sich alle einigen konnten, viel Erfolg und hofft, dass dieser seine Chance nutzt.

Gleichzeitig warnte er die Partei vor einer falschen ideologischen Kursbestimmung angesichts von Umfragewerten von derzeit 15 Prozent. Sollte die Sozialdemokratie den Weg von Jeremy Corbyn, Jean-Luc Mélenchon oder der Linken in Deutschland einschlagen, drohe der Partei der Weg einer Sekte, die irrelevant wird und als laut schreiende Opposition jeden Einfluss verliert.
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