George Lucas eröffnet am 22. September sein milliardenschweres „Lucas Museum of Narrative Art in Los Angeles. Das spektakuläre, an ein Raumschiff erinnernde Gebäude feierte am Wochenende mit hochkarätigen Hollywood-Gästen seine Eröffnungsgala und rückt populäre erzählende Kunst wie Comics und Illustrationen ins Zentrum.
Die alte Debatte über die Grenze zwischen Hochkultur und Massenkultur bekommt einen neuen Schauplatz. Mit geschätzten Kosten von rund einer Milliarde US-Dollar hat der Star-Wars-Erfinder George Lucas sein eigenes Museum in Los Angeles errichtet. Der futuristische Bau des chinesischen Architekten Ma Yansong thront in einem Park direkt gegenüber jenem Stadion, in dem im Jahr 2028 die Olympischen Sommerspiele eröffnet werden. Ab Dienstag, dem 22. September, öffnet das Haus regulär für das Publikum, während Medien und Fachleute vorab Einblicke erhielten. Gemeinsam mit seiner Frau Mellody Hobson will er offenbar auch die Vorstellung davon erweitern, was als Kunst gelten kann. „Lucas Museum of Narrative Art“ heißt die neue Institution. „Narrative Art“, also erzählende Kunst, beschreibt Lucas als Kunst, die mit Bildern Geschichten erzählt. In der klassischen Kunstgeschichte ist der Begriff allerdings wenig etabliert. Dabei ist die Idee des Erzählens keineswegs neu. Bilder erzählen seit Jahrhunderten Geschichten. Lucas macht daraus jedoch das zentrale verbindende Element seines Museums, berichtet der Kurier.””
Comics statt Kunst-Elite
Lucas begann schon früh, Comics, Buchillustrationen und andere populäre Bildwerke zu sammeln. Für ihn liegt gerade in der Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, eine Gemeinsamkeit unterschiedlichster Bildwelten. Darin steckt allerdings auch eine deutliche Abgrenzung gegenüber jener Kunstwelt, die sich mit moderner und abstrakter Kunst beschäftigt. Lucas’ Sichtweise lässt sich durchaus als Kritik an einem Kunstbetrieb lesen, der für populäre Bildwelten lange wenig Platz hatte. Nun präsentiert der Regisseur seinen eigenen kulturellen Kanon. Und genau hier wird es spannend. In Lucas’ Sammlung verschwimmen die Grenzen zwischen klassischer Kunst und Illustration. Lucas Cranach oder Artemisia Gentileschi stehen dabei in einem völlig anderen historischen Kontext als Illustratoren populärer Fantasy-Romane. Ihre Werke erfüllten einst etwa religiöse oder gesellschaftliche Funktionen und werden heute als bedeutende Kunstwerke betrachtet. Im Lucas-Museum finden sich daneben jedoch auch die muskulösen Helden und üppigen Kriegerinnen aus den Fantasy-Illustrationen von Boris Vallejo. Was für manche Besucher als faszinierende Popkultur gelten mag, wird von anderen eher als Kitsch eingeordnet.
Auch „Star Wars“ ist dabei. Bronzestatuen von Prinzessin Leia mit Jabba the Hutt erinnern an die Entstehungsgeschichte von „Star Wars“. Der große Schwerpunkt des Museums liegt allerdings nicht ausschließlich auf dem Weltraum-Epos. Lucas will vielmehr eine möglichst breite visuelle Erzählgeschichte präsentieren. Auch Werke des „New Yorker-Illustrators Kadir Nelson bringen Themen wie amerikanische Vielfalt und gesellschaftliche Spannungen in die Sammlung.
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Hollywood-Gala mit prominenter Gästeliste
Ab Dienstag ist das „Lucas Museum of Narrative Art“ in Los Angeles für Publikum geöffnet (der KURIER berichtete). Zur Eröffnungsgala der neuen Institution, die die umfassende Sammlung von Kunstwerken, Illustrationen und Memorabilia von „Star Wars“-Erfinder George Lucas in einem spektakulären neuen Gebäude präsentiert, fand sich am Samstag jede Menge Prominenz ein. Lucas hatte das Projekt gemeinsam mit seiner Frau Mellody Hobson über viele Jahre verfolgt und privat finanziert – eine Milliarde US-$ werden als Kostenpunkt kolportiert. Vielen Ehrengästen der Eröffnung waren Megaprojekte nicht fremd – etwa Peter Jackson, dem Mann hinter den „Herr der Ringe“, „Hobbit“ und „King Kong“-Filmen. Auch Harrison Ford schaute vorbei. Der Schauspieler war in den „Indiana Jones“-Filmen sowie als Star Wars-Charakter „Han Solo“ ein zentraler Wegbegleiter für Lucas; hier posiert er mit Regisseur Ron Howard und „Netflix“-Boss Ted Sarandos. Auch Francis Ford Coppola („Der Pate“) ist ein alter Freund von Lucas. Er war ebenso Gast der Gala wie sein schauspielerischer Wegbegleiter Robert De Niro. Hier posiert er ebenfalls mit Ron Howard, der u. a. als Regisseur für den Spin-Off-Film „Solo – A Star Wars Story“ eingesprungen war. Auf einem Gruppenfoto stellte sich dann die gepballte Hollywood-Prominenz zusammen. Von links: Robert De Niro, Drehbuchautor Matthew Robbins („Das Wunder der 8. Straße“), Kameramann Caleb Deschanel („Twin Peaks“), Autor Tyler Perry, Steven Spielberg, Marvel-Zeichner Frank Miller, Regisseur/Produzent Ron Howard. Seine Tochter Dallas Bryce Howard ist übrigens die einzige Frau in dem Bild, das doch auch sehr schön die oft beklagte Dominanz von Männern im Hollywood-System illustriert. George Lucas steht auf dem Foto zwischen Spike Lee und Peter Jackson („Herr der Ringe“), dahinter Marvel-Mastermind Jon Favreau, „Odyssee“-Regisseur Christopher Nolan und „Game of Thrones-Showrunner Daniel Benioff. Weiters zu sehen: Produzent Lee Daniels, Regisseur Guillermo del Toro, Edgar Wright, der Künstler JR, Produzent Frank Marshall, Denis Villeneuve, John Landis und Jon M. Chu.
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Kritik an Eintrittspreisen und sozialem Nutzen
Bereits vor der offiziellen Eröffnung regt sich Widerstand. Kritiker stellen die Frage, ob Lucas sein enormes Vermögen nicht besser hätte einsetzen können, um die bestehende Kunst-Infrastruktur in Los Angeles zu unterstützen – etwa durch finanzielle Hilfe oder Leihgaben. Auch der Eintrittspreis sorgt für Diskussionen: 25 Dollar kostet der Besuch, während andere private Museen in der Stadt kostenlos zugänglich sind. Damit landet Lucas genau dort, wo er offenbar hinwill: außerhalb des etablierten Kunstbetriebs. Sein Museum will Grenzen zwischen Comics, Illustration, Film, Popkultur und klassischer Kunst einreißen. Ob daraus tatsächlich ein neuer Kunstkanon entsteht oder lediglich eine milliardenschwere Sammlung mit sehr persönlicher Handschrift, wird letztlich das Publikum entscheiden. Eines steht jedenfalls schon vor der Eröffnung fest: George Lucas ist mit seinem Museums-Raumschiff nicht gekommen, um sich still in den bestehenden Kunstbetrieb einzufügen. Er will seine eigene Galaxie eröffnen.

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