Die Federal Trade Commission und 20 US-Bundesstaaten haben am 26. Oktober 2026 Klage gegen die Discount-Kette Dollar General eingereicht. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, in seinen Filialen über Jahre hinweg systematisch höhere Preise an der Kasse verlangt zu haben als auf den Regalen und Werbeschildern angegeben.
Millionenverstöße an der Kasse und Vorwürfe der US-Handelsbehörde
Die US-Handelsbehörde FTC und insgesamt 20 Bundesstaaten gehen gerichtlich gegen Dollar General vor. Die Klage wurde beim Bundesgericht für den mittleren Distrikt von Tennessee eingereicht, wo das Handelsunternehmen seinen Hauptsitz in Goodlettsville hat. Betroffen ist ein Filialnetz von landesweit mehr als 21.000 Märkten, die überwiegend in ländlichen und einkommensschwächeren Regionen der Vereinigten Staaten liegen.
Zu den Klägern gehören neben der Bundesbehörde zahlreiche Bundesstaaten von der Küste bis zum Mittleren Westen, darunter Alabama, Arizona, Arkansas, Kalifornien, Connecticut, Florida, Illinois, Iowa, Kansas, Louisiana, Michigan, Mississippi, Nebraska, New Jersey, North Carolina, Ohio, Oklahoma, Tennessee, Utah und Wisconsin.
Dollar General hat das Vertrauen von Millionen amerikanischer Verbraucher missbraucht und Gemeinschaften finanziellen Schaden zugefügt, die ohnehin schon darum kämpfen, mit ihrem Einkommen auszukommen.
Christopher Mufarrige, Direktor der Verbraucherschutzabteilung der FTC
Laut den Ermittlungsakten häuften sich seit 2019 fast 30.000 Beschwerden von Kunden an, die an der Kasse feststellen mussten, dass der Endpreis über dem ausgezeichneten Betrag lag. Die Preisabweichungen betrafen demnach zahlreiche alltägliche Konsumgüter. In einem Fall aus den USA zahlte ein Verbraucher laut einer Klage für eine Flasche Babyshampoo, obwohl das Produkt am Regal niedriger ausgezeichnet war. Als der Kunde das Personal darauf aufmerksam machte, stellte die Angestellte ihn vor die Wahl, entweder den höheren Betrag zu zahlen oder den Kauf komplett abzubrechen.
Reaktionen des Unternehmens und Parallelen zu früheren Verfahren
Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück und betonte, dass man die Erschwinglichkeitsbedürfnisse der Kundschaft stets ernst nehme. In einer offiziellen Stellungnahme erklärte die Konzernleitung, dass man sich gegen die Klage zur Wehr setzen werde, während man gleichzeitig offen für Gespräche über eine Lösung bleibe. Die Unternehmensführung ließ zudem verlauten:
Unser Ziel ist eine hundertprozentige Übereinstimmung zwischen den Preisen am Regal und an der Kasse in jedem Geschäft. Wie bei anderen Einzelhändlern und trotz unserer Richtlinien und Verfahren kann es gelegentlich zu Preisabweichungen kommen.
Dollar General, Unternehmensmitteilung
Die Vorwürfe knüpfen an frühere Berichte an. Bereits im Dezember 2025 hatte eine Untersuchung der britischen Zeitung The Guardian aufgedeckt, dass Filialen von Dollar General bei staatlichen Kontrollen in 23 US-Bundesstaaten über einen Zeitraum von drei Jahren mehr als 4.300 Mal durchgefallen waren. Die FTC führt in ihrer Klageschrift an, dass diese Berichte intern im Unternehmen intensiv diskutiert wurden, das Problem jedoch weiter fortbestand. Unter anderem nutzten die Behörden verdeckte Testkäufe von Ermittlern, die in den Monaten Januar, Februar und März in Geschäften in Ohio, Pennsylvania, Missouri und Maryland durchgeführt wurden und bei jedem einzelnen Besuch überhöhte Preise aufdeckten.
Zusätzlich geriet Dollar General im Oktober 2026 durch Bundesstaatsanwälte unter Druck. Noch kurz vor der neuen Bundesklage hatte die Generalstaatsanwältin von New York, Letitia James, eine Einigung über rund 1,87 Millionen Dollar wegen irreführender Preisauszeichnungen in dem Bundesstaat erzielt. Insgesamt hat das Unternehmen nach Angaben aus der Klage seit 2019 bereits rund 6 Millionen Dollar in sechs US-Bundesstaaten an Vergleichen im Zusammenhang mit ungenauer Preisgestaltung gezahlt.
Personelle Engpässe und Reaktionen an den Börsen
Die Kläger führen die anhaltenden Mängel unter anderem auf den Zustand der Märkte zurück. Laut internen Dokumenten und Zeugenaussagen aus der Klageschrift sind viele Filialen so dünn besetzt, dass das Personal schlicht keine Zeit findet, die von der Firmenzentrale vorgegebenen Preisanpassungen rechtzeitig umzusetzen.
In einer in den Akten zitierten Mitteilung schilderte eine ehemalige stellvertretende Filialleiterin aus Illinois die Arbeitsbedingungen so, dass Schichten von acht bis dreizehn Stunden oft stundenlang ohne weitere Kollegen bewältigt werden mussten. In extremen Fällen traten Belegschaften kurzfristig geschlossen zurück, wie Schilder an Märkten in Wisconsin zeigten, wo Schließungen drohten.
| Bundesstaat / Institution | Maßnahme oder beteiligte Behörde |
|---|---|
| Federal Trade Commission (FTC) | Bundesweite Klage zusammen mit 20 US-Bundesstaaten |
| New York | Eigenes Verfahren mit einem Vergleich über 1,87 Millionen Dollar im Oktober 2026 |
| Iowa | Beteiligung an der FTC-Klage durch Generalstaatsanwältin Brenna Bird |
| Nebraska | Beteiligung an der FTC-Klage durch Generalstaatsanwalt Mike Hilgers |
Die Finanzmärkte reagierten unmittelbar auf das rechtliche Vorgehen der Behörden. Die Aktie von Dollar General gab am Montag nach Bekanntgabe der Klage um 3,22 Prozent nach und schloss bei 128,42 Dollar.
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