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Gesundheit

Früherkennung von Osteoporose: Informationsveranstaltung in Harsefeld klärt über Risiken auf –

Das Netzwerk-Osteoporose e. V. lädt am 8. Juni 2026 zu einer Informationsveranstaltung in Harsefeld ein, um die Früherkennung von Osteoporose zu fördern. Angesichts von jährlich etwa 830.000 Knochenbrüchen in Deutschland zielt die Aktion darauf ab, Risikogruppen vor einer ersten Fraktur zu identifizieren und kostenlose Ultraschall-Messungen anzubieten.

Früherkennung in Harsefeld: Kostenlose Messungen für Risikogruppen

Am Montag, den 8. Juni, um 17 Uhr findet im Ratssaal der Samtgemeinde Harsefeld eine Aufklärungsveranstaltung statt, die insbesondere Menschen ohne bestehende Diagnose, aber mit erhöhtem Risiko ansprechen will. Die Initiative ist Teil einer Jubiläumsreihe zum 30-jährigen Bestehen des bundesweit aktiven Netzwerk-Osteoporose e. V., dessen Vorsitzende Karin G. Mertel seit Jahrzehnten für eine bessere Aufklärung und Diagnostik kämpft.

Früherkennung in Harsefeld: Kostenlose Messungen für Risikogruppen
cluster (priority): doccheck.com

Ein zentraler Anreiz für die Besucher: Im Anschluss an die Veranstaltung können Termine für eine kostenfreie Knochendichtemessung per Ultraschall vereinbart werden. Diese Untersuchungen beginnen am 9. Juni 2026 und richten sich primär an Personen ab 25 Jahren, in deren Familien Osteoporose bekannt ist oder die vorsorglich ihre Knochengesundheit prüfen möchten. Eine telefonische Terminvergabe ist nicht vorgesehen.

Die Notwendigkeit solcher lokalen Kampagnen unterstreicht die Kritik an der aktuellen medizinischen Versorgung. Christoph Eichhorn, Vizechef des Deutschen Orthopäden- und Unfallchirurgen-Verbandes (DOUV), bemängelte kürzlich in der Berliner Charité, dass die korrekte Diagnostik in Deutschland viel zu selten durchgeführt werde, was oft zu einem zu späten Therapiebeginn und schweren Folgen wie Operationen führe.

Die statistische Realität: Eine oft übersehene Volkskrankheit

Osteoporose wird oft als stille Erkrankung bezeichnet, da sie lange Zeit asymptomatisch verläuft. Die Zahlen in Deutschland verdeutlichen das Ausmaß: Während einige Schätzungen von rund fünf Millionen Betroffenen ausgehen, beziffert die Gelbe Liste die Zahl der Erkrankten auf sechs bis acht Millionen Menschen.

Die statistische Realität: Eine oft übersehene Volkskrankheit
cluster (priority): Blickpunkt Arnsberg-Sundern-Meschede
  • Frauen über 50: Etwa 20 bis 23 % sind betroffen.
  • Frauen über 70: Hier steigt die Prävalenz auf mehr als 45 %.
  • Männer über 70: Rund 17 % dieser Altersgruppe sind betroffen.
  • Gesamtverteilung: Etwa 80 % der Erkrankten sind Frauen.

Das klinische Problem bleibt die späte Entdeckung. Viele Patienten erfahren erst durch eine Fraktur – insbesondere Hüftfrakturen, die mit hoher Morbidität und einer langwierigen Rehabilitation einhergehen –, dass ihre Knochensubstanz bereits massiv geschwächt war.

Risikofaktoren und Warnsignale: Wenn die Knochen fragil werden

Ein wesentlicher Treiber für die Erkrankung bei Frauen ist der Rückgang der Östrogenproduktion während der Menopause. Heide Siggelkow vom Endokrinologikum Göttingen erklärt, dass Östrogen normalerweise den Knochenabbau hemmt und den Aufbau unterstützt. Sinkt der Spiegel, verschiebt sich dieses Gleichgewicht zugunsten des Abbaus durch Osteoklasten.

Warum Osteoporose Früherkennung so wichtig ist

Doch die Liste der Risikofaktoren ist weitaus länger. Laut Nicole Morena, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie im Alexianer MVZ, gibt es rund 130 verschiedene Faktoren, die Osteoporose begünstigen können.

  • Medikamente: Insbesondere Cortison oder bestimmte Antidepressiva.
  • Vorerkrankungen: Störungen der Schilddrüse oder Nebenschilddrüse sowie chronische Leiden wie COPD oder Morbus Crohn.
  • Lebensstil: Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum.
  • Genetik: Die Erkrankung kann innerhalb von Familien vererbt werden.

Ein ernstzunehmendes Warnzeichen, das im Alltag oft ignoriert wird, ist eine Verringerung der Körpergröße um vier Zentimeter oder mehr. Zur Vorsorge empfehlen Experten regelmäßige Bewegung sowie eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D, etwa durch Milchprodukte.

Systemische Hürden: Warum die deutsche Prävention stagniert

Obwohl die Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) als Goldstandard gilt, um die Knochendichte an Lendenwirbelsäule und Hüfte zu messen, gibt es in Deutschland erhebliche Hürden bei der Umsetzung. Ein Kernproblem ist die Finanzierung: Ohne manifeste Osteoporose oder eine bereits eingetretene Fraktur ist die Knochendichtemessung keine Regelleistung der Krankenkassen.

Systemische Hürden: Warum die deutsche Prävention stagniert
cluster (priority): Gelbe Liste

Für viele Patienten bedeutet dies, dass die präventive Untersuchung eine Selbstzahlerleistung bleibt. Dies verhindert eine systematische Risikoerfassung im Frühstadium. In einem Interview mit DocCheck erläutert Prof. Tim Knoop, dass die hausärztliche Versorgung unter enormem Druck stehe. Bürokratie, Disease-Management-Programme (DMPs) und die Betreuung von Chronikern ließen kaum Raum für strukturierte Prävention.

Besonders auffällig ist das Fehlen des Fracture Liaison Service (FLS) in Deutschland. Während dieses Modell in Österreich oder Belgien bereits aktiv ausgebaut wird, um Patienten nach einer Fragilitätsfraktur systematisch zu identifizieren und zu behandeln, ist es in deutschen Praxen kaum verbreitet.

Die präventive Diagnostik ist nur eingeschränkt möglich, da eine Knochendichtemessung ohne manifeste Osteoporose oder bereits eingetretene Fraktur keine Regelleistung der Krankenkassen darstellt.

Prof.

Die Diskrepanz zwischen dem medizinischen Wissen über die Risiken und der tatsächlichen Versorgungspraxis führt dazu, dass die Osteoporose in Deutschland oft erst dann behandelt wird, wenn der Schaden bereits eingetreten ist. Initiativen wie die in Harsefeld versuchen, diese Lücke durch niederschwellige Angebote und kostenlose Screenings zu schließen, doch die langfristige Lösung erfordert eine Anpassung der Erstattungsstrukturen im Gesundheitssystem.

Hinweis: Diese Informationen dienen der Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Diagnose. Bitte konsultieren Sie bei Verdacht auf Osteoporose oder zur Besprechung von Vorsorgemaßnahmen Ihren Hausarzt oder einen Facharzt.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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