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Technik und Wissenschaft

Forscher: Kleine Unterwasser-Calderen können gefährliche Tsunamis auslösen

Ein internationales Forscherteam hat am Beispiel des Ausbruchs des Hunga-Vulkans in Tonga (2022) nachgewiesen, dass bereits kleine Unterwasser-Calderen gefährliche Tsunamis auslösen können.

Die Dynamik von Vulkanen am Meeresgrund unterscheidet sich grundlegend von ihren landgebundenen Gegenstücken. Dennoch blieb die genaue Frage, unter welchen Bedingungen diese Aktivitäten Tsunamis auslösen, lange ungeklärt.

Der Caldera-Kollaps von Hunga Tonga

Im Zentrum der aktuellen Forschung steht die Eruption des Hunga-Vulkans am 15. Januar 2022. Dieses Ereignis gilt als eines der kraftvollsten vulkanischen Ereignisse dieses Jahrhunderts.

Die begleitenden Tsunamis erreichten innerhalb von etwa 100 Kilometern vom Ursprungsort geschätzte Höhen von 40 Metern. Damit handelt es sich um den höchsten jemals aufgezeichneten Tsunami, der durch einen Unterwasservulkan verursacht wurde. Ein internationales Team von Forschern untersuchte nun, warum diese Wellen eine solche Intensität erreichten.

Die Analyse der Meeresboden-Topografie vor und nach dem Ausbruch ergab, dass eine etwa 4 Kilometer breite Caldera – ein Kessel, der entsteht, wenn das Dach über einem Magmareservoir einbricht, während das Magma abfließt – um etwa einen Kilometer absank. Die Wissenschaftler argumentieren, dass dieser rapide Kollaps der gesamten Caldera den massiven Tsunami verstärkt haben könnte.

Risikopotenzial kleinerer Unterwasservulkane

Die Erkenntnisse aus Tonga revidieren die Annahme, dass nur gigantische Strukturen eine globale Bedrohung darstellen. Entscheidend ist dabei weniger die absolute Größe als vielmehr die Geschwindigkeit und die Art des Einsturzes.

Diese Beobachtung lässt den Schluss zu, dass auch andere, bisher unterschätzte Unterwasservulkane das Potenzial für zerstörerische Wellen besitzen. Historische Beispiele wie der Ausbruch des Krakatau in Indonesien im Jahr 1883 verdeutlichen die Gefahr: Damals starben mehr als 30.000 Menschen, wobei viele Opfer nicht durch vulkanische Trümmer, sondern durch den daraus resultierenden Tsunami ums Leben kamen.

Wissenschaftliche Lücken bei submarinen Eruptionen

Trotz der neuen Daten aus Tonga warnen die Forscher, dass das Verständnis über die Gefahren von submarinen Caldera-Eruptionen weiterhin lückenhaft ist. Die Schwierigkeit liegt primär in der Zugänglichkeit der betroffenen Gebiete.

Die Dynamik submariner caldera-bildender Eruptionen und damit die von ihnen ausgehenden Gefahren sind nicht gut verstanden, da die resultierenden Calderen und Eruptionsprodukte relativ unzugänglich sind. Internationale Forschungsgruppe, zitiert via Arstechnica

Die Unzugänglichkeit dieser Strukturen erschwert es der Wissenschaft, präzise Modelle zu entwickeln, die vor künftigen Ereignissen warnen könnten. Die Forschung konzentriert sich daher weiterhin darauf, die spezifischen Bedingungen zu identifizieren, die einen einfachen Ausbruch in eine tsunami-auslösende Katastrophe verwandeln.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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