Forscher weltweit entwickeln neue Methoden, um Herzmuskelgewebe zu imitieren oder die Selbstheilung des Herzens zu aktivieren. Während schwedische Teams leitfähige Kunststoffe zur Nachbildung elektrischer Signale nutzen, arbeiten deutsche und britische Experten an der Züchtung patientenspezifischer Zellen aus Stammzellen, um die Behandlung von schwerer Herzschwäche grundlegend zu verändern.
Die elektrische Logik künstlicher Herzsignale
Das menschliche Herz ist weit mehr als eine einfache biologische Pumpe; es ist ein hochkomplexes elektrisches System. Klassische Elektronik, wie sie etwa in Herzschrittmachern zum Einsatz kommt, ist auf maximale Geschwindigkeit ausgelegt. Doch die Natur arbeitet subtiler. In den Herzmuskelzellen steuern Natrium-, Kalium- und Kalziumkanäle präzise, wann eine Zelle feuert und wann sie in die Ruhephase zurückkehrt. Ein Team der schwedischen Universität Linköping hat nun einen Weg gefunden, diese biologische Sprache mit leitfähigem Kunststoff nachzubilden. Die Forscher entwickelten künstliche Zellen, die nicht pumpen, aber die spezifische elektrische Signatur echter Herzzellen imitieren. Ein entscheidender Faktor ist dabei die sogenannte Plateauphase des Signals, die durch die langsamere Reaktion der Kalziumkanäle entsteht. Das System konnte verschiedene elektrische Eigenschaften von Herzkammerzellen simulieren. In den Versuchen dauerte das künstliche Signal etwa 300 Millisekunden, wobei die Plateauphase zwischen 200 und 500 Millisekunden variiert werden konnte. Um die volle Funktionsfähigkeit zu testen, nutzten die Wissenschaftler Konzentrationen, die dem menschlichen Körper ähneln: 140 Millimol Natriumchlorid und 5 Millimol Kaliumchlorid pro Liter. Besonders wichtig für die medizinische Anwendung ist die Nachbildung der Refraktärzeit – jener Phase, in der eine Zelle nicht sofort erneut gereizt werden kann. Das Kunststoffsystem replizierte diese Sperrzeit mit etwa 240 Millisekunden, gefolgt von einer Phase eingeschränkter Reizbarkeit. Bei einer konstanten Stimulation von 60 Impulsen pro Minute blieb das System eine Stunde lang stabil.Biologische Mechanik im Silikonmodell
Patientenspezifische Gewebezüchtung aus Stammzellen
- Zielgruppe: Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie.
- Methode: Umprogrammierung von Hautzellen zu iPS-Zellen.
- Vorteil: Untersuchung der individuellen Krankheitsausprägung und Prognose.
- Kooperation: UKE Hamburg und Imperial College London.
Das Potenzial der genetischen Selbstheilung
Die wohl radikalste Entwicklung lieferten Forscher der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital in New York. Sie haben ein biologisches „Zurücksetzen“ der Herzfunktion identifiziert. Das Gen Cyclin A2 (CCNA2), das während der Embryonalentwicklung für das Wachstum des Herzens entscheidend ist, wird nach der Geburt normalerweise abgeschaltet. Damit verliert das Herz seine Fähigkeit zur Zellteilung und damit zur Selbstreparatur. Durch den Einsatz eines harmlosen Virus gelang es dem Team, eine aktive Version dieses Gens in menschliche Herzmuskelzellen einzuschleusen. Die Ergebnisse zeigten, dass selbst Zellen von Erwachsenen im mittleren Alter wieder in die Lage versetzt werden können, sich zu teilen und neues Gewebe zu bilden.„Unsere Arbeit hat gezeigt, dass wir das Schweineherz nach einer Verletzung regenerieren können, und jetzt haben wir das weiterentwickelt, indem wir nachgewiesen haben, dass sogar Herzmuskelzellen von erwachsenen Menschen mittleren Alters – von denen man lange annahm, sie seien nicht teilungsfähig – dazu angeregt werden können, neue, funktionsfähige Zellen zu bilden“, Dr.
