Die fehlende Inflationsanpassung der österreichischen Flugabgabe kostet den Staat im Jahr 2025 rund 90 Millionen Euro. Während die Einnahmen inflationsbereinigt bei 266 Millionen Euro liegen müssten, belaufen sie sich tatsächlich nur auf 179 Millionen Euro. Damit liegen die realen Einnahmen etwa 33 Prozent unter dem potenziellen Niveau.
Die 90-Millionen-Euro-Lücke im Staatshaushalt
Seit ihrer Einführung wurde die Flugabgabe in Österreich nicht an die Inflation angepasst, was zu einer massiven Erosion der staatlichen Einnahmen geführt hat. Nach dem starken Einbruch des Flugverkehrs während der Jahre 2020 und 2021 hat die Branche zwar wieder an Fahrt aufgenommen, doch die fiskalischen Erträge hinkten dieser Entwicklung hinterher. Wie das Momentum Institut berichtet, klafft eine Lücke von fast 90 Millionen Euro zwischen den tatsächlichen Einnahmen und dem Betrag, der bei einer konsequenten Inflationsanpassung im Jahr 2025 generiert worden wäre.
Die Berechnung des Momentum Instituts basiert auf dem Verbraucherpreisindex (VPI), um den realen Wertverlust der nominal gleich gebliebenen Steuersätze zu ermitteln. Die Verantwortung für die Festlegung und Anpassung dieser Sätze liegt beim Bundesministerium für Finanzen (BMF), welches die Abgabe im Rahmen des Luftfahrtabgabegesetzes steuert.
Die nackten Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Verlusts:
| Szenario 2025 | Einnahmen in Euro |
|---|---|
| Tatsächliche Einnahmen | 179 Millionen |
| Inflationsangepasste Einnahmen | 266 Millionen |
| Differenz (Verlust) | 87 Millionen (ca. 90 Mio.) |
Dieser Rückgang ist kein Resultat sinkender Passagierzahlen, sondern eine direkte Folge einer statischen Steuerpolitik in einem inflationären Umfeld. Der Staat lässt hier eine signifikante Einnahmequelle brachliegen, während die Kosten für öffentliche Infrastrukturen und Klimaschutzmaßnahmen parallel dazu steigen.
Der reale Wertverlust pro Passagier seit 2012
Betrachtet man die Abgabe auf der Ebene des einzelnen Tickets, wird die Entwertung noch deutlicher. Die Belastung pro Passagier ist über das letzte Jahrzehnt massiv gesunken, wenn man die Kaufkraft berücksichtigt. Im Jahr 2012 führten Airlines pro abfliegendem Passagier an österreichischen Flughäfen im Durchschnitt 8,4 Euro an den Staat ab.
Die Einführung der Abgabe im Jahr 2012 war darauf ausgelegt, sowohl Einnahmen zu generieren als auch einen lenkenden Effekt auf das Reiseverhalten auszuüben. Da die Sätze jedoch über mehr als ein Jahrzehnt nahezu unverändert blieben, während die allgemeine Teuerungsrate stieg, sank die reale fiskalische Wirkung.
Bis zum Jahr 2025 ist dieser Wert inflationsbereinigt auf lediglich 6,8 Euro gefallen. Das entspricht einem Rückgang von knapp einem Fünftel, genauer gesagt 19 Prozent, laut einer Analyse des Momentum Instituts.
Dieser Trend zeigt, dass die Flugabgabe faktisch entwertet wurde. Während die Fluggesellschaften ihre Preise an die Inflation anpassen konnten, blieb die staatliche Abgabe auf einem Niveau, das die reale wirtschaftliche Belastung pro Ticket kontinuierlich senkt. Damit wird der ursprünglich intendierte Lenkungseffekt – die Verteuerung von Flugreisen zur Förderung klimafreundlicherer Alternativen – durch die Inflation systematisch untergraben.
Warum das Win-Win-Szenario der Luftfahrtindustrie ein Trugschluss ist
Flughafen- und Fluglinienbetreiber argumentieren häufig, dass eine Senkung der Flugabgabe zu einem so massiven Anstieg der Passagierzahlen führen würde, dass die staatlichen Einnahmen am Ende sogar steigen könnten. Diese Theorie verspricht ein gegenseitiges Profitieren von Staat und Wirtschaft.
Die historische Realität widerspricht dieser These jedoch vehement. Eine Untersuchung der Jahre 2017 bis 2018 belegt, dass Kürzungen der Abgabe nicht zu höheren Einnahmen führten. In diesem Zeitraum wurden die Sätze in der Hoffnung auf eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Drehkreuze gesenkt. Die Daten des BMF zeigten jedoch, dass das Passagierwachstum nicht ausreichte, um die geringeren Sätze pro Ticket zu kompensieren.
Stattdessen kam es zu einem deutlichen Einbruch der Steuereinnahmen. Das versprochene Szenario blieb aus; stattdessen wurde dem Staatshaushalt eine wichtige Finanzierungsquelle entzogen. Die Datenlage verdeutlicht, dass die Kopplung von Steuersenkungen an ein hypothetisches Wachstum des Passagieraufkommens in diesem Sektor ökonomisch nicht aufgegangen ist.
Für die politische Entscheidungsebene bedeutet dies: Jede weitere Senkung oder das Beibehalten der aktuellen, nicht angepassten Sätze ist effektiv eine Subvention für die Luftfahrtindustrie, die auf Kosten des öffentlichen Budgets geht. In einer Zeit, in der fiskalische Disziplin und Investitionen in die grüne Transformation gefordert sind, ist die Akzeptanz eines Einnahmeverlusts kaum zu rechtfertigen.
Auswirkungen auf den Klimafonds und finanzpolitische Kritik
Die fehlenden 90 Millionen Euro fallen in eine Phase extremer finanzieller Anspannung für den österreichischen Klimafonds. Die Einnahmen aus der Flugabgabe fließen primär in diesen Fonds, der für die Finanzierung der Dekarbonisierung und klimafreundliche Investitionen zuständig ist.

Der österreichische Rechnungshof hat in mehreren Berichten die Finanzplanung und die Transparenz des Klimafonds scharf kritisiert. Insbesondere die Abhängigkeit von unsicheren Einnahmequellen und die mangelnde Kontrolle über die Ausgaben wurden bemängelt. In diesem Kontext wiegt der reale Verlust von fast einem Drittel der potenziellen Flugabgabeeinnahmen besonders schwer, da der Fonds bereits mit massiven Defiziten und einer notwendigen Neuausrichtung konfrontiert ist.
Kritiker aus der Umweltpolitik und Ökonomen des Momentum Instituts weisen darauf hin, dass die Beibehaltung der nominalen Sätze einer versteckten Steuerkürzung gleichkommt. Während das Bundesministerium für Finanzen in anderen Bereichen strikte Sparmaßnahmen und eine Konsolidierung des Budgets verfolgt, bleibt die Flugabgabe eine Ausnahme, bei der die reale Einnahmenseite ohne politisches Handeln schrumpft.
Die Forderung nach einer automatischen Indexierung der Abgabe an den VPI steht damit im Zentrum der Debatte, um künftig eine Erosion der Einnahmen zu verhindern und die fiskalische Planbarkeit für den Klimafonds zu gewährleisten. Ohne eine solche Anpassung bleibt die Lücke zwischen den tatsächlichen Einnahmen von 179 Millionen Euro und dem inflationsbereinigten Zielwert von 266 Millionen Euro bestehen.