Der FC St. Gallen steht am 26. Mai 2026 vor einem radikalen Führungswechsel in der Klubspitze. Trotz des jüngsten Cupsiegs soll Präsident Matthias Hüppi das Amt räumen, während vier Verwaltungsräte per 30. Juni ausscheiden. Die Aktionäre forcieren eine Neubesetzung des Gremiums, um die strategische Ausrichtung des Vereins grundlegend zu verändern.
Es ist die klassische Tragik des Sports: Der höchste Triumph wird zum Katalysator für den internen Absturz. Während die Mannschaft den Schweizer Cup feierte, wurde hinter den Kulissen das Ende einer Ära besiegelt. Matthias Hüppi, der den Verein acht Jahre lang prägte, steht vor dem Aus. Es ist ein abrupter Bruch, der die sportliche Euphorie im Keim erstickt.
Bereits unmittelbar nach dem Finalsieg gab Hüppi Hinweise auf die giftige Atmosphäre in der Führungsetage. In einem Interview mit dem SRF sprach der 68-Jährige von einer Situation, in der es unvorstellbar sei, dass in der besten Phase der Klubgeschichte nicht alle geschlossen hinter der Führung stünden.
Bei uns wirken verschiedene Kräfte. Es war für mich als Klubpräsident die Aufgabe, hinzustehen und Kraft zu entwickeln, um Schaden vom Klub fernzuhalten.
Matthias Hüppi, Präsident FC St. Gallen
Diese Worte waren kein bloßes emotionale Nachspiel des Finals, sondern die erste öffentliche Bestätigung eines Machtkampfes, der die strategische Identität des Vereins zerreißt.
Die Säuberung des Verwaltungsrats: Wer geht, wer kommt?
Die geplanten personellen Einschnitte sind massiv. Wie Blick berichtet, wird das Gremium fast vollständig ausgetauscht. Die bisherigen Verwaltungsräte Peter Germann, Patrick Gründler, Christoph Hammer und Benedikt Würth sollen das Gremium außerordentlich zum 30. Juni verlassen.
An ihre Stelle tritt eine neue Riege, die eng mit den Interessen der Aktionäre verknüpft ist.
- Stefan Kölliker: Ehemaliger SVP-Regierungsrat, der laut SRF bereits seine Absichten bestätigt hat, die Präsidentschaft von Hüppi zu übernehmen.
- Marwin Hitz: Der prominente Ex-Torhüter, der als Brücke zu Sponsoren und Fans dienen soll.
- Martina Wüthrich: Eine Juristin aus dem Kanton Thurgau.
- Urs Baumer: Ein Treuhänder.
Einzig Patrick Thoma, einer der Inhaber mit einem Anteil von 15,03 Prozent, bleibt im Gremium. Dass ein Großaktionär direkt im Verwaltungsrat sitzt, ist der Kern des Konflikts. Lange Zeit galt die Vermischung dieser beiden Ebenen als Gift für den Verein, doch genau diese Konstellation scheint nun den Sturz Hüppis voranzutreiben.
Die Marwin-Hitz-Strategie der Aktionäre
Die Personalie Marwin Hitz ist mehr als nur eine sportliche Rückkehr. Der 38-Jährige beendete gerade seine Karriere beim FC Basel und kehrt nun zu seinem Jugendklub zurück, bei dem er von 1996 bis 2008 ausgebildet wurde. Für das Aktionariat ist Hitz der perfekte strategische Schachzug.

Laut einem Bericht von Blick verfolgen die Eigentümer damit zwei Ziele gleichzeitig. Einerseits vergrößern sie ihren direkten Einfluss auf die Entscheidungen des Klubs, andererseits präsentieren sie ein Gesicht, das emotional positiv besetzt ist. Hitz ist bestens vernetzt, kommt bei Sponsoren gut an und weckt bei den Fans positive Emotionen.
Es ist ein Versuch, den harten Kurs des Umbruchs mit einer sympathischen Figur zu maskieren. Während Kölliker die administrative und politische Macht übernimmt, soll Hitz die öffentliche Akzeptanz sichern.
Der ideologische Bruch: Unabhängigkeit gegen Aktionärsmacht
Hinter den personellen Verschiebungen verbirgt sich ein tiefer Riss in der Auffassung darüber, was der FC St. Gallen sein soll. Es geht um den wirtschaftlichen Ist-Zustand, das Potenzial und die künftige Ausrichtung. Während die alte Garde um Hüppi auf eine gewisse Unabhängigkeit des Verwaltungsrats setzte, fordern die Inhaber nun eine Führung, die ihre Visionen konsequent umsetzt.
Das Ziel der neuen Führung ist klar definiert: Der Klub soll nicht mehr nur punktuelle Erfolge feiern, sondern dauerhaft an der Spitze der Liga etabliert werden. Für Hüppi hingegen waren die letzten Wochen und Monate ultrahart
. Er sieht sich in einer Position, in der er den Klub vor internen Schäden bewahren musste, während die Aktionäre seine Führung offenbar als nicht ausreichend für den nächsten Entwicklungsschritt betrachteten.
Hüppis Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Ein Angebot zur Verlängerung liegt zwar vor, doch der Präsident hat darauf bislang nicht reagiert. Er ist mit der neuen Zusammensetzung des Verwaltungsrats nicht einverstanden, was die Situation in eine Sackgasse führt: Der Mann, der den Verein zum Cupsieg führte, ist in seinem eigenen Haus nicht mehr willkommen.
Fan-Widerstand und das Ende einer Ära
Die Fans beobachten den Machtkampf mit Sorge. Die Fan-Gemeinschaft auf der Plattform einefueralli.ch hat sich bereits klar positioniert und stärkt den aktuellen Präsidenten sowie den bisherigen Verwaltungsrat. Die Befürchtung ist groß, dass die Unabhängigkeit des Vereins verloren geht und die Interessen weniger Großaktionäre über das Wohl des gesamten Konstrukts gestellt werden.

Die Fans fordern einen stabilen und verantwortungsvollen Verwaltungsrat, der den Verein in den vergangenen Jahren erfolgreich geführt hat. Doch gegen die Macht der Aktionäre haben die Anhänger kaum rechtliche Handhabe. Der Machtkampf scheint bereits entschieden zu sein.
Matthias Hüppi hinterlässt ein Erbe, das durch den jüngsten Cupsieg gekrönt wurde, aber durch einen internen Krieg überschattet wird. Wenn die Pläne der Aktionäre aufgehen, wird der 30. Juni 2026 das Datum markieren, an dem der FC St. Gallen seine traditionelle Struktur endgültig gegen ein Modell tauscht, in dem die Eigentümer die Zügel direkt in der Hand halten.