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Ex-N26- und Zalando-CFO Jan Kemper übernimmt Beiratsvorsitz bei refurbed

Der ehemalige Zalando- und N26-Manager Jan Kemper ist in den Beirat des Wiener Online-Marktplatzes für generalüberholte Waren, refurbed, eingetreten. Kemper soll das Unternehmen insbesondere bei der Internationalisierung, der Finanzierungsstrategie und der operationalen Exzellenz unterstützen. Das Startup operiert derzeit in elf europäischen Ländern und bietet über 18.000 Produkte an.

Die IPO-Expertise von Jan Kemper als strategischer Hebel

Die Berufung von Jan Kemper in den Beirat ist weniger eine reine Personalie als vielmehr ein strategisches Signal. Wie BusinessPlus.ie berichtet, bringt Kemper eine spezifische Historie als CFO und COO von Schwergewichten wie Zalando, der Digitalbank N26 und ProSiebenSat1 mit. Besonders relevant für die Zukunft von refurbed ist seine Rolle bei Zalando, wo er die Vorbereitung und Durchführung des Börsengangs (IPO) leitete und die strategische Ausrichtung maßgeblich prägte.

Die Rekrutierung eines Experten für öffentliche Kapitalmärkte deutet darauf hin, dass refurbed die Phase des reinen venture-basierten Wachstums verlassen und die Weichen für eine professionellere Finanzstruktur oder einen späteren Exit stellen möchte. Kemper sieht sich in dieser Rolle primär als strategischer Berater für die Geschäftsführung.

„Mein Ziel ist es, das Management-Team als Sparringspartner zu unterstützen, insbesondere in den Bereichen Operational Excellence, Internationalisierung und Finanzierungsstrategie.

Diese Fokussierung auf „Operational Excellence“ ist ein klassisches Zeichen für ein Scale-up, das von der Phase der aggressiven Nutzerakquise zur Optimierung der internen Prozesse und Margen übergeht.

Die strategische Ausrichtung von refurbed auf die Kreislaufwirtschaft

Refurbed positioniert sich als Pionier der Circular Economy. Das Unternehmen zielt darauf ab, die Lebensdauer von Elektronik zu verlängern und so den ökologischen Fußabdruck des Konsums zu reduzieren. Laut einem Beitrag von Jan Kemper auf LinkedIn ist die Förderung der Nachhaltigkeit ein zentraler Treiber für die Zusammenarbeit.

Die Herausforderung für refurbed besteht darin, ein Geschäftsmodell zu skalieren, das sowohl ökonomisch rentabel als auch ökologisch glaubwürdig ist. Die Internationalisierung spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da die regulatorischen Rahmenbedingungen für Elektronikschrott und Refurbishment in Europa variieren.

„Es ist fantastisch, einen so erfahrenen und respektierten Experten wie Jan an unserer Seite zu haben. Sein Engagement für eine nachhaltige Zukunft unterstreicht die Bedeutung unserer Mission.

Windischhofer betont, dass der Beirat, der bereits 2020 ins Leben gerufen wurde, eine kritische Funktion bei der Validierung des Geschäftsmodells und der Steuerung von Finanzierungsrunden einnimmt. Mit Kemper ist der Beirat nun auf sieben Mitglieder aus verschiedenen Nationalitäten und Fachgebieten angewachsen – eine Konstellation, die laut Windischhofer für die absehbare Zukunft abgeschlossen ist.

Wachstum und Finanzierung seit 2017

Die Entwicklung von refurbed zeigt eine steile Wachstumskurve. Gegründet 2017 in Wien durch Peter Windischhofer, Kilian Kaminski und Jürgen Riedl, hat sich das Unternehmen von einem lokalen Anbieter zu einem europäischen Akteur entwickelt. Das aktuelle Portfolio umfasst 18.000 Produkte, darunter Smartphones, Laptops, Tablets, Haushaltsgeräte, E-Bikes und Sportzubehör.

Die finanzielle Basis wurde durch zwei bedeutende Finanzierungsrunden gefestigt, wie BusinessPlus.

  • Series A: Abschluss einer Runde über 17 Millionen US-Dollar vor dem Markteintritt in Irland im März 2021.
  • Series B: Einweisesung von weiteren 54 Millionen US-Dollar im August 2021.

Mit derzeit 300 Mitarbeitern und einer Präsenz in elf Ländern hat das Unternehmen eine kritische Masse erreicht.

  • Österreich, Deutschland, Italien, Portugal, Spanien (via EU-Expansion)
  • Irland, Dänemark, Schweden, Finnland, Belgien, Niederlande, Tschechien

Die Kombination aus massivem Kapitalzufluss im Jahr 2021 und der jetzigen Verstärkung im Beirat durch einen IPO-Experten deutet auf eine neue Phase der Unternehmensreife hin. Während die ersten Jahre von der Expansion dominiert waren, rückt nun die Konsolidierung der Marktposition in Europa in den Vordergrund.

Analyse: Warum der Zeitpunkt für Kemper entscheidend ist

Der Markt für Refurbished-Produkte steht an einem Wendepunkt. Während die Nachfrage durch steigende Hardwarepreise und ein wachsendes Umweltbewusstsein steigt, nimmt auch der Wettbewerb zu. Große Plattformen und Ersthersteller beginnen, eigene Trade-in-Programme zu forcieren.

Analyse: Warum der Zeitpunkt für Kemper entscheidend ist
Photo: linkedin.com

Für refurbed bedeutet die Zusammenarbeit mit Kemper die Chance, die operative Effizienz so zu steigern, dass das Unternehmen nicht nur durch Kapitalzuwachs, sondern durch echte operative Exzellenz wächst. Die Erfahrung von Kemper bei N26 und Zalando – beides Unternehmen, die extrem schnell skalieren mussten und dabei komplexe regulatorische Hürden überwinden mussten – ist hierbei ein wertvolles Asset.

Die Tatsache, dass das Management den Beirat nun als „vollständig“ betrachtet, signalisiert, dass die strategische Architektur steht. Es geht nun nicht mehr um das Hinzufügen weiterer Perspektiven, sondern um die konsequente Umsetzung der definierten Strategie unter der Anleitung erfahrener Finanzstrategen.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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