Elf junge Musiker aus ganz Europa treten heute, am 6. Juni 2026, in Jerewan beim Finale des Eurovision Young Musicians an. Unter den Teilnehmern sind die Schweizer Pianistin Manoush Toth und die deutsche Geigerin Moë Dierstein. Eine Fachjury entscheidet im Komitas-Kammermusik-Konzerthaus über den Sieger dieses renommierten klassischen Wettbewerbs.
Jerewan ist heute nicht nur das Zentrum der europäischen Klassik-Nachwuchsszene, sondern auch ein politischer Brennpunkt. Nur einen Tag nach dem Finale stehen in Armenien Parlamentswahlen an. Die Stadt ist geprägt von Wahlplakaten und Straßensperrungen aufgrund von Kundgebungen, was dem kulturellen Ereignis eine fast greifbare Spannung verleiht. Inmitten dieser Unruhe bereiten sich die Solisten auf ihren Auftritt vor, wobei die Schweizer Delegation bereits letzte akustische Details mit dem Armenian Philharmonic Orchestra abstimmt.
Manoush Toth: Ein Plädoyer für Clara Schumann
Die 20-jährige Schweizer Pianistin Manoush Toth bringt eine ungewöhnliche Biografie mit nach Armenien. Aufgewachsen zunächst auf den Kanarischen Inseln und später im Berner Oberland, wurde sie zusammen mit ihren Geschwistern von den Eltern zu Hause unterrichtet. Dieser unkonventionelle Weg führte sie schließlich an die Hochschule für Musik Basel, wo sie sich heute einem ernsthaften und neugierigen Zugang zur klassischen Musik verschrieben hat.
Ihre Programmwahl ist ein bewusstes Statement. Statt auf die Werke von Robert Schumann zu setzen, spielt Toth ein Stück seiner Ehefrau Clara. Damit rückt sie eine Komponistin ins Rampenlicht, die historisch oft im Schatten ihres Mannes stand.
Clara Schumann wird immer mehr aufgeführt.
Schweizer Pianistin Manoush TothManoush Toth, Pianistin, via ch-cultura
Toth beschreibt den Moment vor dem ersten Tastenschlag als einen Zustand tiefer Ruhe, den sie als magisches Gefühl bezeichnet. Für sie ist Musik wie eine Muttersprache, die sie bereits im Alter von zwei Jahren entdeckte.
Moë Dierstein und die deutsche Konkurrenz
cluster (priority): ARD.de
Für Deutschland tritt die 20-jährige Geigerin Moë Dierstein an. Dierstein ist ein Paradebeispiel für frühe Spezialisierung: Sie spielt bereits seit 17 Jahren Violine und studiert aktuell an der Hanns Eisler School of Music in Berlin. Wie NDR.de berichtet, wird sie den dritten Satz aus Felix Mendelssohns Violinkonzert präsentieren.
Der Wettbewerb ist für Talente wie Dierstein oft der Startschuss für eine internationale Karriere. Die Liste der ehemaligen Preisträger liest sich wie ein Who-is-Who der modernen Klassik, mit Namen wie Julian Rachlin, Lars Vogt oder Leila Josefowicz.
Die Mechanik des „klassischen Bruders“ des ESC
Let's Talk With Manoush Toth | Switzerland Eurovision Young Musicians 2026
Obwohl der Eurovision Young Musicians oft als der klassische Bruder des Eurovision Song Contest bezeichnet wird, unterscheidet er sich fundamental in seiner Bewertung. Während beim ESC das Publikum über den Sieg entscheidet, liegt die Macht hier bei einer Fachjury.
Die Jury bewertet drei Kernbereiche:
Technische Präzision der Ausführung
Musikalische Interpretation des Werks
Bühnenpräsenz des Solisten
Der Wettbewerb, der bereits seit 1982 existiert, befindet sich in seiner 22. Ausgabe. Der Sieger tritt die Nachfolge des Österreichers Leonhard Baumgartner an, der den Titel 2024 in Norwegen gewann. Neben der Trophäe wartet ein prestigeträchtiger Preis: eine Einladung zur gemeinsamen Performance mit dem Armenian National Philharmonic Orchestra in der Konzertsaison 2026-2027.
Das Teilnehmerfeld in Jerewan
cluster (priority): NDR.de
Insgesamt elf Musiker aus ganz Europa kämpfen heute Abend um den Sieg. Die Besetzung ist instrumentalerisch breit gefächert, von traditionellen Streichern bis hin zu Marimbas und Akkordeons. Laut ESC kompakt sieht die Startliste wie folgt aus:
Land
Musiker
Instrument
Armenien
Elen Virabyan
Flöte
Belgien
Simon Nakhimovitch
Marimba
Deutschland
Moë Dierstein
Violine
Lettland
Sonja Misiņa
Marimba
Polen
Michał Stochel
Akkordeon
Portugal
Beatriz Li Rosão
Violine
Schweden
Edward Ahlbeck Glader
Klavier
Schweiz
Manoush Toth
Klavier
Serbien
Jana Jakovljević
Violine
Tschechien
Nora Lubbadová
Klavier
Zypern
Iakovos Kedaritis
Klarinette
Die Moderation der Sendung übernehmen Hamlet Arakelyan und Hrachuhi Utmazyan. Für die Zuschauer in Deutschland wird das Finale ab 18:30 Uhr über einen Livestream des WDR übertragen.
Die Entscheidung der Jury wird zeigen, ob die technische Brillanz von Solisten wie Dierstein oder der konzeptionelle Ansatz von Toth, die durch die Wiederentdeckung von Clara Schumann ein kulturelles Statement setzt, den Ausschlag gibt. In einer Zeit, in der die Klassik oft mit Starrheit assoziiert wird, bringen diese jungen Musiker eine Offenheit und Neugier mit, die das Genre notwendigerweise modernisiert.
Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.
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