Das Bundesministerium für Gesundheit stellt über sein Infektionsradar derzeit die wöchentliche Entwicklung von Erkältungen, Grippe, RSV und COVID-19 in Deutschland dar. Während typische Erkältungsviren die aktuelle Lage dominieren, geht die RSV-Welle laut Apotheken Umschau dem Ende zu und SARS-CoV-2 spielt derzeit eine untergeordnete Rolle in der Infektionsstatistik.
Dominanz typischer Erkältungsviren im Mai 2026
Die aktuelle gesundheitliche Lage in Deutschland ist im Mai 2026 durch ein Überwiegen klassischer respiratorischer Infekte geprägt. Während die schweren Wellen der Wintersaison abgeklungen sind, bleiben typische Erkältungsviren die treibende Kraft hinter den derzeitigen Erkrankungszahlen. Die Ausbreitung dieser Viren führt weiterhin zu vollen Arztpraxen und einem spürbaren Krankenstand in der Arbeitswelt.
Ein differenzierter Blick auf die Erreger zeigt, dass die Intensität der verschiedenen Infektionswellen stark variiert. Die RSV-Welle, die in den vergangenen Monaten eine signifikante Rolle spielte, befindet sich laut Berichten der Apotheken Umschau vom 23. April 2026 in einer Phase, in der sie wohl bald
endet. Im Gegensatz dazu ist die Präsenz von SARS-CoV-2 derzeit minimal; das Virus ist in der aktuellen Statistik kaum mehr
präsent.
Die subjektive Wahrnehmung vieler Menschen, dass derzeit außergewöhnlich viele Personen erkältet seien, wird durch die Datenlage relativiert. Es gilt zu prüfen, ob die aktuelle Welle tatsächlich über das übliche Maß hinausgeht oder sich im normalen saisonalen Rahmen bewegt. Die Einschätzung der Krankheitsschwere und der daraus resultierenden Belastung des Gesundheitssystems bleibt ein zentraler Punkt der medizinischen Beobachtung.
Das Infektionsradar als Steuerungsinstrument des BMG
Zur objektiven Bewertung der Lage nutzt das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) das sogenannte Infektionsradar. Dieses Instrument liefert wöchentlich aktualisierte Daten zu den relevanten Atemwegserkrankungen, insbesondere zu Erkältungen, Grippe, RSV und COVID-19. Das Ziel ist eine transparente Darstellung des Infektionsgeschehens, um Trends frühzeitig zu erkennen und das Gesundheitssystem entsprechend zu steuern.
Die Analyse des Infektionsradars stützt sich auf drei Hauptpfeiler:
1. Das allgemeine Infektionsgeschehen.
2. Die Schwere der Krankheitsverläufe.
3. Die tatsächliche Belastung der medizinischen Infrastruktur, insbesondere der Krankenhauskapazitäten.
Um ungewöhnliche Entwicklungen sichtbar zu machen, kommt ein spezifisches Modell zum Einsatz. Dieses wertet die Daten der letzten vier Wochen aus und berechnet die prozentuale Veränderung der Kennzahlen. Erst durch diesen Vergleich wird deutlich, ob ein Anstieg der Infektionszahlen oder der Krankenhausaufenthalte statistisch signifikant ist oder lediglich saisonalen Schwankungen entspricht.
Einordnung der Saison 2025/26
Die Erkältungssaison 2025/26 verlief in Bezug auf die Erregerverteilung heterogen. Während die Grippe und RSV in den Wintermonaten für erhebliche Belastungen sorgten, zeigt sich im Mai 2026 eine Verschiebung hin zu weniger schweren, aber weit verbreiteten Erkältungsviren.
Die aktuelle Situation ist dadurch gekennzeichnet, dass die Spitzenwerte der schweren Atemwegsinfektionen überschritten sind. Dennoch bleibt die Überwachung essenziell, da die Interaktion zwischen verschiedenen Viren und die mögliche Mutation von Erregern die Dynamik kurzfristig verändern können. Die Daten des BMG dienen hierbei als Korrektiv zu Einzelbeobachtungen in Arztpraxen, die oft ein verzerrtes Bild der Gesamtlage vermitteln können, wenn lokale Cluster auftreten.
Die Belastung des Gesundheitssystems ist derzeit weniger durch die schiere Menge an COVID-19-Fällen geprägt, sondern vielmehr durch die kumulative Wirkung verschiedener respiratorischer Infekte, die zeitgleich auftreten. Dies führt zu einer kontinuierlichen Auslastung der primärärztlichen Versorgung, auch wenn die Intensivstationen nicht die kritischen Zustände früherer Jahre erreichen.
Hantavirus-Ausbruch im internationalen Kontext
Neben den weit verbreiteten Atemwegsinfektionen gibt es derzeit punktuelle Meldungen über seltenere, aber schwerere Infektionskrankheiten. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtete kürzlich über einen Hantavirus-Ausbruch auf Hondius
, bei dem elf Fälle registriert wurden.
Obwohl Hantaviren in Deutschland sporadisch vorkommen, handelt es sich hierbei um ein separates Ereignis, das nicht mit der allgemeinen Erkältungswelle in Verbindung steht. Dennoch unterstreicht diese Meldung die Notwendigkeit einer globalen und nationalen Surveillance, um sowohl Masseninfektionen durch grippeähnliche Symptome als auch isolierte Ausbrüche hochpathogener Viren zeitnah zu identifizieren.
Die Überwachung solcher Ereignisse erfolgt parallel zur Beobachtung der saisonalen Wellen, um eine schnelle Reaktion der Gesundheitsbehörden zu gewährleisten. Während die Erkältungswelle eine Frage der Kapazitätsplanung im ambulanten Sektor ist, erfordern Ausbrüche wie die des Hantavirus spezifische epidemiologische Maßnahmen und eine gezielte Aufklärung der betroffenen Bevölkerungsgruppen.
Bitte konsultieren Sie bei Symptomen oder Fragen zu Impfungen Ihren behandelnden Arzt oder eine qualifizierte medizinische Fachkraft.