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Elektroautosteuer: Ausgerechnet die Grünen retten Erzfeind Röstis Plan vor Totalabsturz – Tages-Anzeiger

Bundesrat Albert Rösti plant die Einführung einer Steuer für Elektroautos in der Schweiz ab dem Jahr 2030. Ziel ist es, drohende Einnahmeausfälle bei den Mineralölsteuern auszugleichen. Während die Regierung eine faire Kostenverteilung für den Straßenbau anstrebt, warnen Umweltverbände und die Autoindustrie vor einer gefährlichen Ausbremsung der Energiewende.

Die Logik hinter dem Vorstoß von Verkehrsminister Albert Rösti ist rein fiskalisch: Wer die Straße nutzt, soll sie auch bezahlen. Bisher profitieren Elektrofahrzeuge von einer steuerlichen Privilegierung, die aus Sicht des Bundesrats zunehmend problematisch wird. Laut einem Bericht von blick.ch verliert der Bund pro Elektroauto jährlich etwa 600 Franken an Steuereinnahmen im Vergleich zu einem klassischen Verbrenner.

Dieses Loch in der Kasse ist kein theoretisches Problem, sondern eine reale Bedrohung für den Bundeshaushalt. Aktuell fließen rund 1,3 Milliarden Franken aus Mineralölsteuern direkt in die allgemeine Bundeskasse. In einer Zeit, in der die staatlichen Finanzen unter Druck stehen, kann es sich die Regierung kaum leisten, diese Einnahmequelle ohne Ersatz schwinden zu lassen, während die Flotte der Steckerfahrzeuge wächst.

Das fiskalische Dilemma: 600 Franken Verlust pro Fahrzeug

Die Debatte entzündet sich an der Definition von Fairness. Die Bundesverwaltung argumentiert in ihren Unterlagen, dass eine neue Abgabe für eine gerechte Besteuerung sorge, da alle Fahrzeuge gleichermaßen zur Finanzierung der Infrastruktur beitragen müssten. Doch diese fiskalische Notwendigkeit kollidiert frontal mit der Strategie des Klimaschutzes.

Die Kritik an Röstis Zeitplan ist massiv und kommt aus unerwarteten Richtungen. Normalerweise stehen der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) und der Verband Auto Schweiz auf gegensätzlichen Polen der Mobilitätsdebatte. Während der VCS konsequent gegen die Förderung des Autos kämpft und Auto Schweiz eine möglichst fahrzeugfreundliche Politik fordert, finden sie in der Ablehnung der Elektrosteuer eine gemeinsame Front.

Die Fronten: Warum VCS und SP den Plan ablehnen

Für den VCS und die SP ist die Einführung einer Steuer bis 2030 schlicht zu früh. Die Sorge ist fundamental: Wenn Elektroautos teurer werden, bevor sie den Massenmarkt vollständig durchdrungen haben, drohen die nationalen Klimaziele zu scheitern. Der VCS plädiert stattdessen dafür, eine solche Steuer erst ab 2035 in Betracht zu ziehen.

Die politische Logik der Gegner ist simpel: Anreize funktionieren nur, wenn sie attraktiv bleiben. Eine vorzeitige Besteuerung würde den bereits schleppenden Absatz von Elektrofahrzeugen weiter bremsen und den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf Strom unnötig verzögern. Auch die GLP sieht die Rahmenbedingungen für E-Autos derzeit als nicht ausreichend stabil an, um eine zusätzliche finanzielle Belastung zu rechtfertigen.

Industrieller Gegenwind und das Krisenjahr 2025

Die Autoindustrie sieht sich in einer prekären Lage. Auto Schweiz lehnt die Vorlage komplett ab und setzt eine klare Bedingung: Erst wenn 30 Prozent aller Fahrzeuge auf den Straßen Elektroautos sind, dürfe über Steuern nachgedacht werden.

Der Zeitpunkt könnte für die Importeure kaum schlechter sein. Das Jahr 2025 wird als miserables Verkaufsjahr beschrieben, was den Druck auf die Branche massiv erhöht. Zusätzlich drohen den Unternehmen Strafzahlungen in Höhe von Hunderten Millionen Franken, da die verkauften Fahrzeuge die CO2-Grenzwerte überschritten haben.

Eine zusätzliche Steuer würde in diesem Umfeld wie ein Brandbeschleuniger wirken. Die Branche kämpft bereits mit sinkenden Margen und regulatorischem Druck; eine neue Hürde für die Endkunden könnte die Marktdurchdringung von E-Mobilität in der Schweiz nachhaltig beschädigen.

Die mathematische Lücke: Prognosen gegen Realität

Besonders brisant ist die Diskrepanz zwischen den staatlichen Prognosen und der aktuellen Marktrealität. Die Berechnungen der Verwaltung basieren auf der Annahme, dass bis 2030 bereits 30 Prozent der Autos batteriebetrieben sein könnten. Ein Blick auf die nackten Zahlen relativiert diese Euphorie jedoch deutlich.

Die mathematische Lücke: Prognosen gegen Realität
cluster (priority): blick.ch
Kennzahl Aktueller Stand / Wert Ziel / Prognose 2030
Anzahl Elektrofahrzeuge ca. 380.000 1,4 Millionen
Marktanteil ( Prognose) 30 %
Jährlicher Steuerverlust pro E-Auto 600 CHF
Mineralölsteuern (Gesamt) 1,3 Milliarden CHF Sinkend

Um das Ziel von 1,4 Millionen Steckerfahrzeugen bis 2030 zu erreichen, müsste die Zahl der Neuzulassungen in den nächsten Jahren exponentiell steigen. Angesichts der aktuellen Bestandszahl von 380.000 Fahrzeugen wirkt dieser Sprung fast utopisch. Wenn die Prognosen des Bundesrats nicht eintreffen, wird die geplante Steuer nicht nur die Klimaziele torpedieren, sondern möglicherweise auch weniger einbringen als erhofft, da die Basis der Steuerzahler kleiner bleibt.

Am Ende steht Albert Rösti vor einem klassischen politischen Dilemma. Auf der einen Seite steht die fiskalische Verantwortung für einen Staatshaushalt, der keine Milliardenlöcher verträgt. Auf der anderen Seite steht eine Industrie und eine Umweltlobby, die warnen, dass die fiskalische Logik die ökologische Transformation opfert. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Verkehrsminister seinen Plan gegen den breiten Widerstand durchsetzen kann oder ob die wirtschaftliche Realität des Jahres 2025 eine Kurskorrektur erzwingt.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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