Electronic Arts hat das traditionsgerechte Videospielstudio BioWare nach 31 Jahren geschlossen und die Entwicklung am neuen Mass-Effect-Titel abgebrochen. Rund 400 Arbeitsplätze sind von der Restrukturierung betroffen. Die Entscheidung folgt auf jahrelange Krisen und eine im August besiegelte Übernahme des Mutterkonzerns durch private Investoren.
Die Schließung von BioWare markiert das Ende einer prägenden Ära für komplexe Rollenspiele. Das kanadische Studio in Edmonton, gegründet im Jahr 1995, verantwortete Genre-Meilensteine wie Star Wars: Knights of the Old Republic, Baldur’s Gate und die ursprüngliche Trilogie rund um Commander Shepard. Doch laut einer internen Mitteilung der EA-Führungsebene durchläuft der Gesamtkonzern nach seinem Gang in den privaten Markt tiefgreifende Einschnitte. Neben dem Aus für BioWare trifft der weltweite Stellenabbau rund drei Prozent der Belegschaft des Mutterkonzerns.
Die Übernahme und die Finanzstruktur als Zäsur
Der Mitgründer Greg Zeschuk sieht in dem jüngsten Eigentümerwechsel den entscheidenden Auslöser für das Aus. Im August schloss Electronic Arts eine von der saudi-arabischen Public Investment Fund, Silver Lake und Jared Kushners Affinity Partners finanzierte Privatisierung im Wert von 55 Milliarden US-Dollar ab. Zeschuk bezeichnete diesen Schritt als den finalen Sargnagel für das einstige Vorzeigestudio, das nach seiner Einschätzung in einem völlig veränderten Konzernumfeld operieren musste.

Während Beobachter spekulieren, ob BioWare ohne den ursprünglichen EA-Einkauf im Jahr 2007 überlebt hätte, widerspricht der Mitgründer dieser Annahme. Damals sei das Studio in guter Verfassung gewesen und habe lediglich zusätzliche Finanzmittel für das MMO Star Wars: The Old Republic gesucht, das sich im BioWare-Büro in Austin in der Entwicklung befand.
Chronische Probleme und kommerzielle Verfehlungen
Trotz der treuen Anhängerschaft und einer 30-jährigen Geschichte blieb BioWare in den letzten zehn Jahren ein großer kommerzieller oder kritischer Erfolg verwehrt.
David Gaider äußerte, dass ein weiterer Teil unter EA unwahrscheinlich gewesen sei. Mark Darrah benannte die Übernahme der Leitung von Anthem als seinen größten Fehler unter dem Druck von Electronic Arts. Auch Corinne Busche sprach über die Hintergründe der Projekte und deren thematische Ausrichtung.
Community-Proteste und die Zukunft der Marke
Die abrupte Einstellung des unter dem Arbeitstitel Mass Effect: Universe
entwickelten Nachfolgers hat eine Welle der Enttäuschung unter Fans ausgelöst. Ein geleakter Trailer zeigte Einblicke in ein Spiel, das mehrere hundert Jahre nach Mass Effect 3 angesiedelt gewesen wäre und die Asari-Wissenschaftlerin Liara T’Soni zurückgebracht hätte. Eine von der Initiative We Are Mass Effect gestartete Crowdfunding-Kampagne sammelte binnen zwanzig Minuten Spenden in Höhe von 5.715 US-Dollar ein, um digitale Werbetafeln in der Nähe der EA-Zentrale und bei den bevorstehenden Game Awards zu finanzieren. Überschüssige Gelder sollen dem UVW-CWA Game Worker Hardship Fund für betroffene Entwickler zugutekommen.

Ob die Science-Fiction-Reihe ohne ihr Ursprungsstudio eine Zukunft hat, bleibt offen. Branchenbeobachter verweisen darauf, dass das Franchise zu groß ist, um mit seinem Schöpfer zu sterben, und dass auch andere Partner oder Studios das Universum übernehmen könnten, ähnlich wie es bei anderen klassischen Marken in der Videospielgeschichte der Fall war.
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