US-Präsident Donald Trump hat den Basketballstar LeBron James scharf kritisiert, weil dieser während der Nationalhymne vor dem Saisonauftakt der Philadelphia 76ers Bewegungen wie Übungsschwünge ausführte. James erwiderte die Angriffe nach dem darauffolgenden Heimspiel gegen die Cleveland Cavaliers am Donnerstagabend mit gelassener Ironie.
Trump kritisiert LeBron James auf Truth Social
Der Streit entzündete sich an Szenen vom vergangenen Dienstag im New Yorker Madison Square Garden. Vor dem Eröffnungsspiel der Philadelphia 76ers gegen die New York Knicks wurde die US-Nationalhymne gespielt. Während die Mannschaftskollegen des Superstars weitgehend regungslos auf dem Parkett standen, zeigte eine Videoaufnahme den 41-jährigen James bei scheinbaren Aufwärmübungen, die laut Berichten an einen Golfschwung und Basketballwürfe erinnerten.
President Donald Trump accuses a "TOTAL DISGRACE" LeBron James of disrespecting the National Anthem and demands an apology from him. 🏀🧐During the Philadelphia 76ers' debut of @KingJames against the New York Knicks on October 20 at Madison Square Garden, he was apparently…
US-Präsident Donald Trump reagierte am Donnerstag mit scharfen Worten auf der Plattform Truth Social. In seinem Beitrag warf er dem Spieler vor, das Land zu verunglimpfen, und forderte eine Entschuldigung gegenüber den US-amerikanischen Streitkräften und Veteranen.

Donald Trump erklärte: „Während er unsere Nationalhymne anhört, verunglimpft LeBron James unser Land! Ich habe von Anfang an gesagt, dass er ein Nichtsnutz ist, eine ABSOLUTE SCHANDE. LeBron James sollte sich all jenen großartigen amerikanischen Kriegern und Helden entschuldigen, die für die amerikanische Flagge und all das gestorben sind, wofür unser Land steht!
Der Präsident bekräftigte seine Vorwürfe später am Abend bei einer Wahlkampfkundgebung in Sioux City, Iowa, und bezeichnete den Vorfall als Skandalgeschichte. Die Kontroverse schließt an jahrelange verbale Auseinandersetzungen an, bei denen sich der Politiker und der Profisportler in der Vergangenheit mehrfach öffentlich attackiert hatten.
LeBron James reagiert mit Ironie nach dem Sieg gegen Cleveland
Angesprochen auf die scharfe Kritik zeigte sich der 24-malige NBA-Veteran unbeeindruckt. Nach dem erfolgreichen Heimdebüt der 76ers am Donnerstagabend, bei dem das Team einen Rückstand aufholte und die Cleveland Cavaliers mit 114:106 besiegte, gab James eine kurze und spöttische Antwort.

Es muss ein langsamer Nachrichtentag im Büro gewesen sein
, erklärte der Sportler gegenüber Medienvertretern. Damit tat er die Vorwürfe als Sommerlocht-Thema oder unbedeutende Nebensache ab.
Auch das sportliche Umfeld in Philadelphia versuchte, die Schlagzeilen auszublenden. Trainer Nick Nurse betonte, dass derartige Störfeuer nicht an die Mannschaft herankämen und der Fokus ausschließlich auf der sportlichen Arbeit liege.
Ich glaube, das reiht sich nahtlos in das andere Rauschen von außen ein, das wir bereits hatten. Alles, was mich kümmert, ist, sie auf das Trainingsparkett, in den Videoraum und auf den Spielboden zu bringen.
Nick Nurse, Trainer der Philadelphia 76ers
Reaktionen im Sportjournalismus und historische Parallelen
Die Debatte über das Verhalten bei der Nationalhymne spaltete die Medien- und Sportwelt. Während einige Kommentatoren wie die ehemalige ESPN-Moderatorin Linda Cohn das Verhalten als unreif kritisierten und ein respektvolles Stillstehen einforderten, verwiesen andere Beobachter auf die lange Geschichte politischer Spannungen zwischen dem Athleten und dem Weißen Haus. Bereits in früheren Jahren hatte James offen Kritik an Trumps Politik geübt und demokratische Gegenkandidaten unterstützt, während der Präsident umgekehrt wiederholt den ehemaligen NFL-Spieler Colin Kaepernick für dessen Proteste während der Hymne angegriffen hatte.
In früheren Jahren hatte der Spieler des Öfteren betont, dass er sich zu gesellschaftlichen Themen äußern müsse und niemals schweigen werde. Er erinnerte dabei an Persönlichkeiten wie Muhammad Ali, Jim Brown, Bill Russell und Jackie Robinson, die sich einst ebenfalls für Gleichberechtigung und Wandel starkgemacht hatten, ohne Rücksicht auf persönliche Konsequenzen oder Belohnungen. Zu den historischen Momenten seiner Laufbahn gehört auch, dass er im Jahr 2020 als erster US-amerikanischer Sportler zum Athleten des Jahres gewählt wurde, nachdem er die Los Angeles Lakers zu einem Meisterschaftstitel geführt und zahlreiche Wähler zur Teilnahme an den Wahlen motiviert hatte.

Während seiner langen Profikarriere geriet der Spieler bei Spielen immer wieder in den Fokus, wenn es um das Abspielen der Nationalhymne ging. Bereits bei früheren Gelegenheiten wurde sein Verhalten während der Darbietungen von Kritikern beobachtet und öffentlich bewertet. Die nun entstandene Dynamik zwischen dem Politiker und dem Sportler ist Teil einer jahrelangen Auseinandersetzung, die ihren Ursprung unter anderem in Kontroversen über Sportlerreaktionen im Jahr 2017 fand. Während der Verein und der Spieler selbst sich auf die weiteren sportlichen Aufgaben im Spielplan konzentrieren, bleibt das Thema in der medialen Berichterstattung weiterhin präsent.
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