Der preisgekrönte Filmemacher Alex Gibney hat mit seinem neuen, fast vierstündigen Dokumentarfilm eine umfassende Bestandsaufnahme über den reichsten Mann der Welt vorgelegt. Der Film enthält am Halbzeitpunkt eine zehnminütige Pause und widmet sich auf akribische Weise den verschiedenen Lebensabschnitten des Unternehmers.
Alex Gibneys fast vierstündiges Porträt feiert Premiere in den Kinos
Regisseur Gibney, der sich in früheren Werken bereits mit Firmenkundenbetrug und Machtstrukturen wie bei Enron oder Theranos auseinandergesetzt hat, versuchte laut eigener Aussage im Film zu ergründen, wie Musk eine derartige Machtanhäufung erreichen konnte.
Der Regisseur, der in der Vergangenheit Filme wie The Crime of the Century
über Big Pharma’s Opioid-Offensive, The Inventor
über die Betrügerin Elizabeth Holmes von Theranos sowie Going Clear
über Scientology und Enron
gedreht hat, schilderte im Gespräch, dass die Arbeiten im Jahr 2022 zunächst als zweistündige Wirtschaftsgeschichte über die Aufblähung des Eigenwerts begonnen hatten. Nach den Ereignissen rund um den auf Donald Trump verübten Anschlag im Jahr 2024 beobachtete das Filmteam jedoch, wie Elon Musks Einfluss in Echtzeit wuchs, was das Projekt zu einer fast vierstündigen, an einen Horrorfilm erinnernden Untersuchung anwachsen ließ.
Zu den im Film auftretenden Gesprächspartnern zählen unter anderem Kara Swisher, Sam Harris sowie die Journalistin Zoë Schiffer. Kritiker bezeichnen den Film zu großen Teilen als informatives Archiv, das durch Interviews und kunstvolle Stilmittel ergänzt wird. Dazu gehört auch ein fotorealistischer Computer-Avatar von Musk, der im Laufe des Films immer wieder auftaucht, um Zitate wiederzugeben, da der echte Technologie-Mogul ein persönliches Interview verweigerte.
Raumfahrt, Tesla-Pannen und persönliche Einblicke im ersten Teil
Die erste Hälfte des Films beleuchtet Musks Werdegang als hart agierender Geschäftsmann bei Unternehmen wie Tesla und SpaceX. Dabei greift das Werk auf Archivmaterial und seltenes Filmmaterial zurück. Ein emotionaler Höhepunkt des Films zeigt Musk in den Anfangsjahren von SpaceX, als die ersten drei Raketenstarts fehlschlugen, was laut Kritikern die menschlichste Seite des sonst oft unnahbaren Unternehmers zeigt.
Dennoch spart die Dokumentation kritische Aspekte nicht aus. So analysiert der Film die Risiken von Teslas Fahrerassistenzsystemen.
Der Film verdeutlicht zudem anhand zahlreicher Beispiele, dass Musk bei mehreren Unternehmungen zwar als Gründer auftritt oder so wahrgenommen wird, die tatsächliche Aufbauarbeit jedoch zu großen Teilen von zurückhaltenden Ingenieuren geleistet wurde, deren Beiträge im Schatten seiner Selbstdarstellung verblassen. Ausführlich widmet sich die Dokumentation zudem seiner Familiengeschichte und früheren Beziehungen. So kommen unter anderem seine erste Ex-Frau Justine Wilson Musk, mit der er sechs Kinder hatte, sowie Ashley St. Clair zu Wort. Justine Musk spricht in dem Film über das Scheitern ihrer Ehe, den Verlust ihres gemeinsamen Kindes Nevada sowie über die schwierigen Momente ihrer Partnerschaft. Begleitet wird das Porträt von einer Reihe von Weggefährten und Experten, die Musks Verhalten und seine Ideologie zwischen Tech-Visionär und kompromisslosem Geschäftsmann beleuchten.

Jim Cantrell, ein ehemaliger SpaceX-Ingenieur, sagte laut NBC News: Der Erfolg hat es ihm ermöglicht, die Hände von dem zu nehmen, was er wirklich denkt.
Die Übernahme von X und der Einfluss auf die US-Regierung
In der zweiten Hälfte widmet sich der Dokumentarfilm den politischeren Facetten von Musks Wirken. Im Zentrum steht dabei die Übernahme der Plattform X – ehemals Twitter – und die anschließende Umgestaltung der Unternehmenskultur. Zudem beleuchtet das Werk Musks finanzielle Unterstützung für Donald Trump im US-Wahlkampf 2024 sowie seine spätere Rolle an der Spitze des Department of Government Efficiency, kurz DOGE.

Einen besonderen Raum nehmen im Schlussteil des Films die Entwicklungen rund um die US-Präsidentschaftswahl 2024 ein. So schildert Ashley St. Clair im Film, dass Elon Musk ihr kurz vor den Wahlen Textnachrichten schickte, in denen er sich optimistisch über den Ausgang äußerte und von einer Entfesselung sprach. Der Film verknüpft diese Episode mit der massiven finanziellen Unterstützung für Donald Trumps Wahlkampagne und dem anschließenden Einzug von Musk in das Beraterfeld der Regierung, wo er im Rahmen des DOGE-Projekts massiven Einfluss auf Bundesbehörden ausübte und Einsparungen sowie Entlassungen vorantrieb.
Für Aufsehen sorgen im Film auch Aussagen von engen Vertrauten und früheren Begleitern. So steuert die frühere Partnerin Ashley St. Clair neue Dokumente und Tonaufnahmen bei.
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