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Technik und Wissenschaft

DIE WELT: Warum Enttäuschung über Kinder oft eine Projektion der Eltern ist

Eltern knüpfen oft hohe Erwartungen an ihre Kinder, obwohl diese als eigenständige Menschen zur Welt kommen. Laut DIE WELT beschreibt Enttäuschung lediglich die Differenz zwischen Wunschvorstellung und Realität. Fachleute betonen, dass nicht das Kind versagt, sondern eigene biografische Wünsche und Statusvorstellungen projiziert werden.

Schon die Fragestellung wirkt auf viele Menschen unanständig. Wenn der Nachwuchs beim Sport als Letzter gewählt wird, die Tochter das Klavierspielen aufgibt oder das Kind in einer reinen Medizinerfamilie einen ganz anderen Weg einschlägt, stellt sich für viele Mütter und Väter die Frage nach Enttäuschung. Laut Berichten von DIE WELT dürfen Eltern zwar überfordert, erschöpft oder wütend sein, doch das Gefühl der Enttäuschung ist mit Scham besetzt.

Wenn Erwartungen auf die Wirklichkeit treffen

Im Kern ist Enttäuschung nichts weiter als die Differenz zwischen einer gehegten Erwartung und dem tatsächlich eingetretenen Zustand. Eltern bauen oft schon Vorstellungen auf, lange bevor das Kind überhaupt weiß, was es vom Leben will. Die Pädagogin und Entwicklungspsychologin Anke Ballmann, deren Buch „Ab wann kann ein Kind …?“ im Frühjahr im Goldegg Verlag erschienen ist, erlebt solche Haltungen in ihrer Praxis. Dort fallen laut DIE WELT Sätze wie Er könnte so viel aus sich machen oder Sie nutzt ihre Möglichkeiten nicht.

Kinder kommen aber als Menschen zur Welt und nicht als Ideenerfüller ihrer Eltern.

DIE WELT: Warum Enttäuschung über Kinder oft eine Projektion der Eltern ist

Wenn Leistung und Ehrgeiz in einer Familie zentrale Werte darstellen, geraten genügsame, verträumte oder naturverbundene Kinder oft in einen Belastungstest. Ihr Wesen erfährt in der Familie wenig Resonanz. Nach Angaben von DIE WELT führt dies im Alltag dazu, dass Kinder glauben, mit ihnen stimme etwas nicht oder sie seien nicht gut genug.

Die eigene Biografie als unsichtbarer Maßstab

Hinter konkreten Vorstellungen über den Bildungsweg oder die Interessen von Kindern verbergen sich laut Familienpsychologen oft eigene Lebensthemen. Kinder berühren stets die eigene Biografie, ungelöste Wünsche, Ängste, Statusvorstellungen oder frühere Kränkungen ihrer Eltern. Wer finanzielle Unsicherheit am eigenen Leib erfahren hat, wünscht sich für den Nachwuchs einen vermeintlich sicheren Beruf. Wer selbst nie studieren durfte, sieht im akademischen Weg des eigenen Kindes manchmal die nachträgliche Erfüllung eines alten Traums.

DIE WELT: Warum Enttäuschung über Kinder oft eine Projektion der Eltern ist

In diesem Zusammenhang verweist DIE WELT auf sogenannte „do-as-I-did-Eltern, also Personen, die aus ihrem eigenen Lebensweg eine Art Gebrauchsanweisung machen. Liebe allein schützt demnach nicht davor, die eigene Geschichte auf das Kind zu übertragen. Auch die zunehmende Selbstständigkeit oder der Erfolg des Kindes können bei Eltern emotionale Reaktionen auslösen, weil sie an verpasste Chancen oder das Älterwerden erinnern.

Folgen für das Kind und der Weg zur Akzeptanz

Um die Verbindung zu den Eltern aufrechtzuerhalten, passen sich Kinder häufig an. Sie wählen den sicheren Job, bleiben in der Nähe oder studieren das Fach, das die Eltern gutheißen.

Viele Betroffene entwickeln als Reaktion Perfektionismus oder werden zu sogenannten People-Pleasern, die permanent die Erwartungen ihres Gegenübers scannen. Andere ziehen sich zurück, um Beurteilung und Zurückweisung zu vermeiden. Eltern müssen stattdessen hinterfragen, worüber sie konkret enttäuscht sind. Die Psychologie zeigt, dass eine Täuschung endet, sobald das starre Bild abgelegt wird, um das echte Kind immer wieder neu kennenzulernen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.