Die Toten Hosen spielten am Samstag, 13. Juni 2026, vor rund 65.000 Zuschauern auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart. Das Konzert markierte den ersten großen Deutschland-Auftritt ihrer Abschiedstournee Trink Aus! Wir Müssen Gehen
. Die Punk-Rock-Legenden verabschieden sich damit nach über vier Jahrzehnten Bandgeschichte von ihrem Publikum. Die Gruppe wurde 1982 in Düsseldorf gegründet und entwickelte sich von einer kleinen Punk-Formation zu einem der prägendsten Musikexporte Deutschlands.
Die Stimmung auf dem Wasen glich einem Festival. Nachdem die Tournee Anfang der Woche bereits in Esch an der Alzette in Luxemburg gestartet war, übertrug die Band die Energie nun auf den deutschen Markt. Vorband Feine Sahne Fischfilet, bekannt für ihre politisch aufgeladenen Texte und hohe Live-Energie, bereitete den Boden für einen Auftritt, der laut SWR den Cannstatter Wasen in einen riesigen Freiluft-Chor verwandelte.
Setlist und Performance: 32 Songs zwischen Nostalgie und neuen Titeln
Die Band präsentierte ein Programm, das als Reise durch mehr als vier Jahrzehnte Musikgeschichte konzipiert war. Insgesamt 32 Lieder standen auf der Setlist. Neben den obligatorischen Klassikern wie Bonnie & Clyde
und Hier kommt Alex
integrierten die Musiker auch neuere Werke.

Besonders die neuen Titel Show muss weitergehen
, Wir waren nie weg
und Was ist mit uns los
kamen gut an. Laut BILD wirkten diese Stücke live sogar stärker als auf dem dazugehörigen Album. Während Mainstream-Hits wie Tage wie diese
bei einigen Hardcore-Fans kontrovers diskutiert werden, funktionierten sie in der Masse des Stadions ohne Probleme. Diese Songs stehen für die Entwicklung der Band weg vom reinen Punk hin zu stadiontauglichen Hymnen, die eine breite Masse ansprachen.
Trotz eines Alters von über 60 Jahren zeigten Frontmann Campino (63) und seine Mitstreiter eine physische Präsenz, die wenig an ihre Anfänge erinnert. Campino sprang und rannte über die Bühne, während Bassist Andi Meurer (63) und Gitarrist Andreas von Holst (62) die musikalische Basis lieferten.
Die Dimensionen der Abschiedstournee und das finale Ziel 2027
Die aktuelle Tournee ist in ihrem Umfang außergewöhnlich. Bisher wurden bereits mehr als eine Million Tickets verkauft, was sie zu einer der größten Rocktourneen Deutschlands macht. Die Reise wurde bereits bis ins Jahr 2027 verlängert.
Das zeitliche und emotionale Ende ist bereits terminiert: Das voraussichtlich letzte Stadionkonzert der Band ist für Juli 2027 in ihrer Heimatstadt Düsseldorf geplant. Die Wahl von Düsseldorf schließt den Kreis ihrer Karriere, da die Stadt nicht nur ihr Geburtsort, sondern auch das Zentrum ihrer frühen Aktivitäten in der Punk-Szene war.
Parallel zur Tournee markiert das gleichnamige Album Trink aus! Wir müssen gehen
einen harten Schnitt in der Diskografie. Es handelt sich dabei um das letzte Studioalbum der Gruppe. Damit endet eine Ära, die in den frühen 1980er-Jahren begann und 1988 mit dem kommerziellen Durchbruch von Hier kommt Alex
ihren Zenit erreichte. Dieser Erfolg markierte den Übergang der Band aus der Underground-Szene in die großen Arenen und etablierte sie als feste Größe im deutschen Musikmarkt.
Logistik-Check: S-Bahn-Sonderzüge und Baustellen-Ersatz
Um die Abreise von 65.000 Menschen zu bewältigen, setzte die S-Bahn Stuttgart ein spezifisches Sonderzug-Konzept ein. Neben dem regulären 30-Minuten-Takt auf allen Linien fuhren zusätzliche Züge ab dem Bahnhof Bad Cannstatt und dem Neckarpark.
- S1 Richtung Herrenberg: Abfahrten um 23.16 Uhr und 23.46 Uhr.
- S1 Richtung Wendlingen: Abfahrten um 23.15 Uhr und 23.45 Uhr (ab Bad Cannstatt) sowie 23.17 Uhr und 23.48 Uhr (ab Neckarpark).
- Kapazität: Auf den Linien S1 und S2 wurden Züge mit maximal möglicher Länge eingesetzt.
Ein logistischer Knackpunkt waren die Bauarbeiten zwischen Renningen und Weil der Stadt, die bis Sonntag, 14. Juni, 4.30 Uhr, andauerten. Hier mussten Fahrgäste der Linie S6 zwischen Renningen und Weil der Stadt auf Ersatzbusse der Linie S6E ausweichen.
Analyse: Das Ende oder ein strategischer Pivot?
Obwohl die Tournee als Abschied beworben wird, bleibt die Frage offen, ob dies tatsächlich das absolute Ende der Live-Aktivitäten bedeutet. Campino hielt sich in seinen Aussagen vage und betonte lediglich die emotionale Bindung zum Publikum.

So wollen wir euch in Erinnerung behalten. Ihr seid in unseren Herzen.Campino, Frontmann der Toten Hosen
Branchenbeobachter ziehen Parallelen zu anderen Rock-Größen. In der Musikindustrie sind Abschiedstouren oft ein Mittel, um die Karriere auf einem emotionalen und kommerziellen Höhepunkt zu beenden, bevor die physische Belastung zu groß wird. Es wird spekuliert, ob die Band ein Modell wie das von Peter Maffay wählt: der Verzicht auf erschöpfende, monatelange Tourneen zugunsten von ausgewählten Einzelkonzerten an besonderen Orten.
Die Performance in Stuttgart spricht gegen einen abrupten musikalischen Absturz. Die Band wirkt auf der Bühne nicht wie eine Gruppe, die bereit ist, die Instrumente endgültig beiseitezulegen. Für Fans, die die Zusatztermine 2027 noch nicht gebucht haben, gibt es in einigen Städten derzeit noch Restkarten.
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