Zum Inhalt springen
Sport

Deutschland scheitert im Elfmeterschießen gegen Paraguay, 40-Jahres-Serie beendet

Die deutsche Nationalmannschaft schied am Montag, den 29. Juni 2026, im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft in Boston nach einem Elfmeterschießen mit 3:4 gegen Paraguay aus. Das frühe Aus markiert die dritte enttäuschend ihre WM in Folge und löst sowohl finanzielle Einbußen als auch heftige Kritik an Bundestrainer Julian Nagelsmann aus.

Das Ende der Elfmeter-Serie: Die Blamage von Boston

Es war ein Scheitern in der eigenen vermeintlichen Spezialdisziplin. Nach 120 Minuten gegen Paraguay, den laut Tagesspiegel als leichtesten Gegner des Wettbewerts eingestuften Kontrahenten, unterlag Deutschland im Elfmeterschießen mit 3:4. Damit endete eine historische Serie: Seit dem EM-Finale 1976 gegen die Tschechoslowakei hatte die Nationalmannschaft jedes einzelne ihrer sechs folgenden Elfmeterschießen bei großen Turnieren gewonnen.Das Ergebnis ist mehr als nur ein unglücklicher Moment. Es ist die Fortsetzung einer „tiefschwarzen“ Serie. Deutschland erreichte zum ersten Mal seit 2014 wieder ein K.-o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft, doch dieser Erfolg ist laut Analyse lediglich der Aufstockung des Teilnehmerfeldes geschuldet. Faktisch scheiterte das Team erneut daran, unter die besten 16 der Welt zu kommen – genau wie 2018 in Russland und 2022 in Katar.Selbst die Spieler spürten die Leere. Kai Havertz resümierte die Leistung trocken:Kai Havertz, Nationalspieler

Harte Abrechnung: Ex-Stars fordern Konsequenzen

Die Reaktion der ehemaligen Nationalspieler gleicht einem Sturm. In einem Liveblog der Sportschau wurde die Leistung als „Peinlichkeit“ tituliert. Bastian Schweinsteiger kritisierte insbesondere das fehlende fußballerische Element, eine mangelnde Kreativität sowie ein unsauberes Passspiel.Noch deutlicher wurde Jürgen Klinsmann beim US-Sender ESPN. Er bezeichnete den Tag als „sehr traurig“ und verglich die Art des Ausscheidens mit den Debakels in Katar und Russland.

Die Art und Weise, wie wir ausgeschieden sind, ist niederschmetternd, eine Peinlichkeit. Es ist genau so schrecklich wie in Katar vor vier und Russland vor acht Jahren.

For more on this story, see Deutschland scheitert im WM-Viertelfinale gegen Paraguay – Elfmetersensation nach 120 Minuten.

Jürgen Klinsmann, ehemaliger BundestrainerKlinsmann forderte explizit Konsequenzen. In eine ähnliche Richtung schoss Dietmar Hamann beim irischen Sender RTÉ Sport. Er bezeichnete die Auftritte in der Qualifikation, bei der EM und nun bei der WM als durchgehend enttäuschend. Hamann machte Julian Nagelsmann direkt verantwortlich und behauptete, der Trainer sei ein Typ, der „selten Spiele schaut“.Nagelsmann selbst scheint sich jedoch nicht beugen zu wollen. Trotz des frühen Ausscheidens und der massiven Kritik der Fans in Boston, die ihm vorwarfen, „alles falsch gemacht“ zu haben, schloss der Bundestrainer einen Rücktritt aus.

Millionenverlust: Die finanziellen Folgen des frühen Auss

Das sportliche Versagen hat eine direkte Auswirkung auf die Kasse des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Während jedes der 48 Teams ein Startgeld von 10 Millionen US-Dollar und 2,5 Millionen Dollar für Vorbereitungskosten erhielt, bleiben nun die lukrativen Prämien für die tieferen Runden unerreichbar.Die finanziellen Verluste lassen sich konkret beziffern:
  • Erreichen der ersten K.-o.-Runde: 11 Millionen US-Dollar (erhalten)
  • Achtelfinale: weitere 4 Millionen US-Dollar (verpasst)
  • Viertelfinale: weitere 4 Millionen US-Dollar (verpasst)
  • Finalist: 33 Millionen US-Dollar (verpasst)
  • Weltmeister: 50 Millionen US-Dollar (verpasst)
Insgesamt werden bei der WM 2026 871 Millionen US-Dollar an die Teams ausgeschüttet. Für den DFB wird es jedoch schwierig, die Bilanz auszugleichen. Bereits vor dem Turnier warnte Geschäftsführer Andreas Rettig, dass es für europäische Nationen ohne einen Halbfinaleinzug schwer werde, „wirtschaftlich schwarze Zahlen zu schreiben“. Die Serie der frühen Ausscheide seit 2018 hat den Verband bereits erheblich geschwächt.

Aufbruch aus Winston-Salem: Ein Team löst sich auf

Die Stimmung im WM-Quartier in Winston-Salem ist nach der Rückkehr aus Boston bedrückt. Wie BILD berichtet, löste sich die Mannschaft am Dienstagvormittag im Hotel „Graylyn Estate“ bereits auf. Die Spieler dürfen individuell abreisen.Die Szenen im Hotel verdeutlichen den schnellen Bruch: Während einige Spieler wie Jamal Musiala und Pascal Groß noch einmal Fahrräder nutzten, verließen Stars wie Kai Havertz und Leroy Sané bereits gegen 10 Uhr das Gelände. Auch Oliver Baumann und Nick Woltemade reisten ab.Interessanterweise gibt es laut BILD-Informationen derzeit Probleme bei der Logistik. Viele der Spieler und Funktionäre finden kaum verfügbare Flüge, um aus North Carolina abzureisen.Die Delegation, bestehend aus Verbandspräsident Bernd Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig, begleitete das Team bis zum Ende. Während sich Rüdiger und Neuendorf noch mit einer Umarmung verabschiedeten, bleibt die politische Situation innerhalb des DFB angespannt. Die Forderung nach Konsequenzen, die bereits von Ex-Stars wie Klinsmann laut geäußert wurde, wird nun in den Verbandsräumen diskutiert werden müssen.Das Ziel, das Julian Nagelsmann vor zwei Jahren ausgab – 2026 Weltmeister zu werden –, ist damit krachend gescheitert. Was bleibt, ist eine Nationalmannschaft, die ihren eigenen Anspruch nicht mehr untermauern kann und in der Welt des Fußballs ihre Identität verloren zu haben scheint.

Find more reporting in our Sport section.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Felix Neumann

Über den Autor

Felix Neumann leitet das Sportressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Fussball, internationale Turniere und Leistungssport und verbindet Ergebnisberichterstattung mit analytischem Hintergrund.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.